14. April 2018
von Malte Bastian
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Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen: Der ECHO und die Reichsmusikkammer

Dem Horst Wessel sein Kollegah

Zwar war es nicht die Reichsmusikkammer, die den Preis überreichte, aber immerhin: Endlich ist Auschwitz Schnee von gestern. Ach, wenn der Führer doch diesen Felix Blume noch erlebt hätte: Am Tag, als in Israel der Opfer des Holocaust gedacht wurde, bekam ein Rapper einen anständigen deutschen Musikpreis – unter anderem für so famose Zeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“

Der politische Rap hat in Deutschland eine lange Tradition. Da gab`s mal einen Typ, jung, brutal, gutaussehend, der sich in Berlin mit den Zecken von der Antifa anlegte. Nicht im ehrlichen Fight auf der Straße, sondern durch einen miesen Hinterhalt wurde er dann umgelegt. Aber natürlich hatte er vorher mit seinen Atzen die linke Szene so richtig gefickt und auch einen Titel geschrieben, der damals echt geil abging: „Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen. SA marschiert mit ruhig festem Tritt.“ Digga, dieser Horst Wessel war echt ein großartiger Kollegah wenn es um Hass und Gewalt ging.

Ein kleines, fast gewaltfreies Liedchen

Natürlich hätte Horst Wessel mit seinem Text heute ein paar juristische Probleme. Obwohl er in seinem kleinen lustigen Liedchen nicht direkt Gewalt verherrlicht, ja nicht einmal frauenfeindlich ist, würde heute niemand mehr, der nicht in völliger völkischer Umnachtung lebt, auf die Idee kommen, jemandem, der dieses krudes Werk in welcher Art und Weise auch immer zu Gehör bringt, irgendeinen Preis zu verleihen. Nach § 86a StGB fällt das Lied in Deutschland nämlich unter die Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die Verbreitung ist damit verboten.

Die feuchten Schaftstiefel verschrumpelter Nazis

Aber von den rechtlichen Problemen, die heute unser Künstler-Kollegah Wessel hätte einmal abgesehen, ist sein uralter Song auch für moderne Ohren vielleicht doch zu uncool. Da ist kein richtiger Bang drin. Höchstens ein paar uralte verschrumpelte Nazis bekommen wahrscheinlich noch feuchte Schaftstiefel wenn sie das alte Lied hören. Deshalb gibt es ganz andere Bands, die für die braune Hood aufspielen. Alle diese musikalischen Stormtrooper haben es aber mehr oder weniger schwer, ihre Musik zu verkaufen, denn stets könnte unter den Kunden auch der Staatsanwalt sein.

Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen…

Nein, Hass und Antisemitismus müssen als Kunst unters Volk gebracht werden, dann gibt`s sogar fette Preise. Und die pseudo-intellektuellen ECHO-Ausrichter zu überzeugen, ist nicht schwer. Ein Land, in dem ein Comedian vor vielen Jahren schon als revolutionär galt, der mit Wonne das zärtliche Wörtchen „Ficken“ ins Publikum rief, ergötzt sich offensichtlich auch an einer Zeile wie „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“ Schließlich ist es historisch gesehen eine köstliche Pointe, sich einen durchtrainierten deutschen Rapper neben den ausgemergelten jüdischen Arbeitssklaven eines Konzentrationslagers vorzustellen. Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen, dachte sich feixend die Jury des ECHO und warf alle Moral über Bord.

Wer das widerlich findet, der ist ein Spießer

Wer das widerlich findet, der ist ein Spießer, versteht nichts von ironischer Brechung und erst recht nichts von Rap, geschweige denn von der Freiheit der Kunst. „Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte“, sagte einst der Maler Max Liebermann angesichts des Amtsantrittes von Adolf Hitler. Da war es mit „Wehret den Anfängen!“ längst vorbei. Aber was wusste dieser Liebermann schon von Kunst, schließlich war er als Jude ja nur so ein entarteter kleiner Schmierfink. Ach so – das ist jetzt antisemitisch? Komisch, ich dachte, so was wird man ja wohl noch mal rappen dürfen…

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29. März 2018
von Malte Bastian
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Statt einen Masterplan für Zukunft vorzulegen, verzettelt sich die CSU in einer Islam-Debatte

Die Revolution findet im Saal statt

Eine „Konservative Revolution“ hatte Alexander Dobrindt angekündigt – wer das neue Führungsteam von Seehofers „Heimatministerium“ sieht, bekommt zumindest eine Ahnung, wie man sich bei der CSU die Avantgarde dieser Revolution vorstellt: Als Riege älterer Herren in etwas spack sitzenden Anzügen. Ein Bild, das an die Tagung irgendeines Politbüros vergangener Zeiten erinnert. Sieht so der Zukunftsentwurf des bürgerlichen Lagers für Deutschland aus?

Zu DDR-Zeiten kursierte ein Witz über die Sitzungen des Zentralkomitees: „Punkt eins: Hineinschieben der Rollstühle der ZK-Mitglieder. Punkt zwei: Überprüfen der Sauerstoffgeräte und Herzschrittmacher. Punkt drei: Gemeinsames Absingen des Liedes „Wir sind die junge Garde der Revolution!“ Wer sich Seehofers Mannschaft – und diese Bezeichnung ist vollkommen gendergerecht, denn Frauen sind nicht darunter – anschaut, merkt: Die von seinem Agitator Dobrindt vollmundig angekündigte konservative Revolution findet im Saal bei Kaffee und Gebäck statt. Der jüngste Staatssekretär des Teams Seehofer ist 54 Jahre alt, er selbst wird im kommenden Jahr 70.

Vielfalt macht Deutschland stark, nicht blau-weiße Einfaltspinselei

Über die Sinnhaftigkeit eines „Heimatministeriums“ auf Bundesebene kann man streiten – doch gerade die Bayern wissen eigentlich, dass die positive Definition von Heimat über Laptop und Lederhose und nicht über die negative von Sicherheitsgesetzen und Ausgrenzungsrhetorik funktioniert. Heimat ist eben in Bayern eine andere, als in Bremen, Leipzig oder Wanne-Eickel. Gerade diese Vielfalt macht Deutschland stark, nicht bräsige blau-weiße Einfaltspinselei eines „Bundesheimatministers“. Deutschland muss auch Heimat für Menschen aus fernen Ländern werden, die sich klar zu westlichen Werten und dem Grundgesetz bekennen. Doch wer als Minister in seiner ersten Amtshandlung sofort ausgrenzt, ist untauglich für große Zukunftsaufgaben.

Seehofer und Scheuer: zwei ausgewiesene Provinzpolitiker

Ohnehin stellt sich die Frage, wie Sozial- und Christdemokraten auf die fatale Idee kamen, ausgerechnet einer Partei wie der CSU (die im Bundesdurchschnitt nur sechs Prozent erreichte) drei Schlüsselressorts der Zukunft zu überlassen. Gerade im Bereich Bau- und Verkehr sowie Digitalisierung werden wichtige Weichen für die kommenden Generationen gestellt – und hier sitzen mit Horst Seehofer und Andreas Scheuer zwei ausgewiesene Provinzpolitiker, denen zumindest bisher jede Ambition in deutschen und nicht in bayerischen Dimensionen zu denken, abging. Statt umgehend einen Masterplan für Digitalisierung und Infrastruktur vorzulegen wie es ihre Pflicht wäre, verzetteln sich Seehofer und Scheuer in einer sinnentleerten Debatte über den Islam.

90 Milliarden Euro Modernisierungsstau

Eines der sonderbarsten Vorhaben der Großen Koalition war die Einführung der PKW-Maut. Zwar soll sie angeblich rund 500 Millionen Euro im Jahr einspielen, doch schon die Anlaufkosten werden ein Vielfaches dieser Summe verschlingen, zumal diese Summe ein Tropfen auf den heißen Stein ist: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sieht Infrastrukturdefizite von 35 Milliarden Euro; werden die politischen Versäumnisse insgesamt addiert, fehlen sogar mindestens 90 Milliarden. Aber auch die durch Trägheit verursachte Enteignung von Millionen Diesel-Besitzern und der Bau des Flughafens BER gehören zu den Pannen des CSU-geführten Verkehrsministerium, bekanntlich bis vor kurzem unter der Führung des konservativen „Revolutionärs“ Alexander Dobrindt.

Seehofers volkswirtschaftlicher Schaden

Mit der Maut, die sprachlich als „Infrastrukturmaßnahme“ getarnt ist um angekündigten Klagen der EU und europäischer Nachbarn auszuweichen, wird die CSU – unterstützt von SPD und CDU – Deutschland einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden bescheren. Bereits 2010 untersuchten Verkehrswissenschaftler der Universität Köln in einer umfangreichen Studie die Auswirkungen einer PKW-Maut und kamen zu einem negativen Fazit. Gigantische Kosten, keine Innovationen, dauerhaftes juristisches Chaos, lautete das Ergebnis der Experten.

Bayerns Zukunft wird in Berlin entschieden

Doch das alles interessiert die konservativen Revolutionäre nur am Rande. Sie können stolz trommeln: Wahlversprechen gehalten, Ausländer müssen Maut zahlen! Das kommt sicherlich auf dem einen oder anderen Einödhof in Niederbayern oder am Stammtisch in Hintertupfing gut an. Denn die größte Sorge der Christsozialen ist es, die Macht in Bayern teilen zu müssen. Das soll mit allen Mitteln verhindert werden. Bayerns Zukunft wird in Berlin entschieden – und dieser Zukunft haben sich deutsche Interessen unterzuordnen wenn es nach dem Willen des Seehoferschens Politbüros geht.

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20. März 2018
von Malte Bastian
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Sportliteratur für Geschichtsfreaks: Die etwas andere Lektüre zur Fußball-WM in Russland

Hitler, Stalin und das runde Leder

Sport und Diktatur – eine Mischung, die nicht nur das Herz Adolf Hitlers bei den olympischen Spielen 1936 höher schlagen ließ. Auch andere Finsterlinge der Geschichte ergötzten sich an pompösen Aufmärschen, durchtrainierten Athleten, Licht- und Fackelspielen in Stadien. Ein Grund mehr, angesichts der anstehenden Fußball-WM in der lupenreinen Demokratie Russland einen etwas anderen Blick in die Geschichte des runden Leders zu werfen.

Heinrich Peuckmann, Mitglied im Präsidium des PEN, ehemaliger Lehrer Frauke Petrys (die er öffentlich rügte), Fußballfan aus dem Ruhrpott und dort bekannt wie ein bunter Hund, hat ein kleines aber feines Buch geschrieben. Zur Fußballweltmeisterschaft ist „Gefährliches Spiel“ die richtige Lektüre, um sich neben der Euphorie und dem Siegesjubel auch die elenden Seiten des Sports ins Gedächtnis zu rufen – dabei bleibt der Autor stets unterhaltsam und verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger.

Gottfried Fuchs: Zehn Tore in einem einzigen Spiel

Tief in die Geschichte taucht Peuckmann ab – und es lohnt sich, dabei zu sein: Da berichtet er etwa über das Schicksal des jüdischen Fußballers Gottfried Fuchs, der aus Nazi-Deutschland floh. Später entwickelte sich eine Brieffreundschaft mit Sepp Herberger. Fuchs spielte von 1911 bis 1913 für die deutsche Nationalmannschaft. Er schoss in sechs Spielen dreizehn Tore – und im olympischen Fußballspiel gegen Russland 1912 erzielte er gar zehn Tore in einem Länderspiel, ein einmaliger Rekord (das Spiel endete 16:0). Im Ersten Weltkrieg diente Fuchs als Offizier – doch auch das schützte ihn nicht vor den Nazis: Man tilgte seinen Namen aus den Jahrbüchern des deutschen Fußballs. Er wurde vergessen – bis Heinrich Peuckmann ihn jetzt aus dem Schatten holte, in den ihn die Nürnberger Rassegesetze gestellt hatten. Der DFB ignorierte übrigens noch 1972 Herbergers Herzenswunsch, Gottfried Fuchs offiziell nach Deutschland einzuladen – man habe angeblich dafür kein Geld.

„Wenn spielt der Harder Tull, dann heißt es bald drei zu null…“

Die umfangreichste Novelle erzählt die Geschichte von Otto „Tull“ Harder, dem einst hochgeschätzten Stürmer des HSV. Er schoss die Hamburger 1923 und 1928 zur Meisterschaft. „Wenn spielt der Harder Tull, dann heißt es bald drei zu null…“, sangen die Fans im Stadion. Harder war für seine oft torgekrönten Alleingänge bekannt. Auf Befehl und Gehorsam hörte er außerhalb des Stadions. Während des Nationalsozialismus war Tull Harder in der SS. Er trat 1932 in die NSDAP und 1933 in die SS ein und war in mehreren Konzentrationslagern eingesetzt. Schon 1939, nun in der Waffen-SS, war er Wachmann im KZ Sachsenhausen. 1940 wurde zum KZ Neuengamme in Hamburg versetzt. Noch im Januar 1945 beförderte man ihn zum Untersturmführer.

Zwei HSV-Spieler und das Konzentrationslager

Harder wurde von den Briten wegen Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Haft verurteilt, jedoch bereits 1951 vorzeitig entlassen. Nicht nur seine Fans, auch der HSV insgesamt feierten seine Rückkehr aus der Haft überschwänglich – kein Gedanke wurde an seine Straftaten verschwendet. Im KZ bewachte Tull Harder übrigens zumindest einen seiner ehemaligen Fußballkollegen: Der Norweger Asbjörn Halvorsen war mit Harder und dem HSV zweimal deutscher Meister geworden. Hamburg hatte wenig Berührungsängste mit seinem kickenden SS-Mann: Noch anlässlich der Fußball-WM 1974 gab der Senat eine Broschüre heraus, in der Tull Harder neben Uwe Seeler und Jupp Posipal als Vorbild für die Jugend genannt wurde. Erst einen Tag vor der Verteilung wurde die Peinlichkeit bemerkt – und die entsprechende Seite aus allen 100.000 Exemplaren entfernt.

Fußball unter den Augen Stalins

Doch auch im Reich der roten Diktatoren gab es jede Menge Furcht und Elend auf dem grünen Rasen. Da ist das Fußballspiel auf dem Roten Platz – Spartak gegen Dynamo Moskau – unter den Augen Stalins, und damit verbunden, die Angst, sportlich zu versagen und womöglich mangelnden Einsatz mit dem GULAG zu bezahlen. Eine langsam in die Spieler kriechende Angst – Peuckmann schildert grandios, was sich da auf dem Platz und in den Kickern abspielt. Und mancher Leser erinnert sich vielleicht dabei auch an das Schicksal der legendären ungarischen Mannschaft, die 1954 der Truppe von Sepp Herberger beim WM-Endspiel in Bern unterlag und sich dafür vor der Kommunistischen Partei verantworten musste. Das blieb nicht ohne Folgen: Ausgelöst durch den Volksaufstand von 1956 und der sich anschließenden Flucht vieler Sportler ins Ausland, begann das Ende. Der ungarische Fußball erholte sich nie wieder davon.

Heinrich Peuckmann, Gefährliches Spiel, Novelle. Kulturmaschinen Verlag, ISBN  978-3-943977-99-8 Verkaufspreis: 10,80 €, Broschur, 12 x 19 cm, 122 Seiten. Umschlaggestaltung: Vladi Krafft.
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13. März 2018
von Malte Bastian
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Politiker-Sprüche und ihre Langzeitfolgen: Es bleibt immer etwas hängen.

Von spätrömischer Dekadenz

Manchmal reicht in der Politik ein einziger locker heraus gerotzter Satz um eine Karriere zu ramponieren. Im Zeitalter der sozialen Medien wirkt eine ungeschickte Äußerung nämlich wie ein Tritt in einen Haufen Hundekot: Egal wie man auch mit Erklärungen versucht, den Dreck abzustreifen – der Geruch bleibt hängen. Wie bei Jens Spahn, dem eine unbedachte Äußerung schon vor Antritt seines Ministeramtes in allen Medien verbale Prügel bescherte. Doch plumpe Ressentiments und billige Schwarzmalerei haben nichts mit konservativen Werten zu tun.

Einst wollte Guido Westerwelle vermutlich nur einen pointierten Spruch machen – so wie viele Politiker, die dann und wann meinen, geistreich sein zu müssen. Manchen gelingt das auf Anhieb, Westerwelle leider nicht. „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern“, war ein Satz, der 2010 dem damaligen Außenminister wochenlanges mediales Spießrutenlaufen bescherte. Kein Mensch interessierte sich dafür, dass der FDP-Chef eigentlich auf den erforderlichen Leistungsgedanken einer sozialen Marktwirtschaft hatte anspielen wollen.

Mit Hartz IV hat man, was man braucht

Die Schnodderigkeit, mit der Westerwelle das alte Rom bemühte, hat jetzt auch Jens Spahn erreicht. Spahn, einst Gelegenheitslobbyist für ein Pharmaunternehmen und ansonsten hauptberuflich Politiker, gilt trotz (oder gerade wegen) seiner gelebten Homosexualität in konservativen Kreisen der CDU als Hoffnungsträger. Angesichts der Diskussion um den Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel hatte er gesagt: „Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe.“ Deutschland habe „eines der besten Sozialsysteme der Welt“. Mit Hartz IV habe „jeder das, was er zum Leben braucht“. Der konservativen Sache hat er damit keinen Gefallen getan: Ralf Stegner und andere linke Rabulisten nutzten prompt die Gunst der Stunde, schon jetzt auf den Ministerlehrling Spahn zu schießen.

Wer berät Politiker wie Jens Spahn?

Sollte der Satz nicht im Affekt dem Gehege der Zähne des CDU-Mannes entschlüpft sein sondern auf einen PR-Berater zurückgehen, so kann dieser Berater nur im Solde der Opposition stehen. Mag die Äußerung im Kern den Tatsachen entsprechen, ist sie doch aus dem Munde eines Mannes, der bisher den Großteil seines Lebens als Parteisoldat selbst vom Steuerzahler alimentiert wurde, eine Peinlichkeit. Selbst die arrogante Äußerung Kurt Beck`s gegenüber einem Arbeitslosen, dieser solle sich doch mal rasieren, dann würde er auch einen Job finden, löste vor Jahren im Vergleich zu Spahn zumindest noch stellenweise Beifall aus. Und als ob Spahn als Gesundheitsminister nicht eigentlich genug zu tun haben sollte, äußerte er sich jüngst auch noch verschwurbelt zur Innenpolitik.

Andrea Nahles und Jens Spahn: Generation Apparatschik

Voll Bosheit schrieb entsprechend das satirische Zentralorgan Der Postillon: „Jens S. aus Berlin muss selbst mit gerade einmal 15.311 Euro pro Monat über die Runden kommen. Daher weiß er genau, dass der Hartz-IV-Regelsatz alles bietet, was ein Mensch zum Leben braucht.“ Wäre Spahn ein Professor, ein Unternehmer oder zumindest ein Verbandsfunktionär – die Aufregung wäre rasch verpufft. Doch wer nur Bruchteile seines Lebens außerhalb der Politik zugebracht hat, darf sich nicht wundern, wenn ihm als Apparatschik  Abneigung entgegen schlägt. Wie man mit dem Vorwurf umgeht, stets nur von und auf Kosten einer politischen Partei gelebt zu haben, kann sich Spahn von Andrea Nahles erzählen lassen, die dafür jahrelang von konservativen Kreisen abgewatscht wurde.

Ein sanfter Einlauf von der Generalin

Auch aus den eigenen Reihen blieb die Kritik nicht aus. „Ich warne immer etwas davor, wenn Menschen, die, so wie er oder wie ich, gut verdienen, versuchen zu erklären, wie man sich mit Hartz IV fühlen sollte“, sagte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Ein – wenn auch sanfter – Einlauf für den ambitionierten Spahn, der damit schon vor Amtsantritt als Gesundheitsminister im Ruf sozialer Kälte steht. Gerade dem konservativen Flügel der Union hat er mit seiner unbedachten Äußerung einen Bärendienst erwiesen. Wer meint, konservatives Denken sei eine Frage verbaler Holzhammerei, springt zu kurz. Der neue sozialdemokratische Koalitionspartner weidete sich prompt lustvoll  – nachdem man selbst wochenlang mediale Prügel bezogen hatte – am ungeschickten Spahn`schen Aussetzer.

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28. Februar 2018
von Malte Bastian
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Vertrödelt und verpennt: Das Etikett der Diesel-Deppen wird an dieser Regierung lange kleben

Das Armutszeugnis kommt aus Leipzig

Kriminelle Energie und politische Untätigkeit sind ideale Voraussetzungen für einen Skandal. Jeder halbwegs kluge Politiker hält sich so etwas vom Leibe. Doch das gilt nicht für die Große Koalition. Aus einer amerikanischen Posse um manipulierte Abgas-Software wird durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig eine de facto Enteignung deutscher Autobesitzer – und ein Armutszeugnis für die jetzige und kommende Regierung. Das Etikett der Diesel-Deppen wird an dieser Regierung lange kleben – vom zerbrochenen Vertrauen ganz zu schweigen.

Rückblende: VW, der selbsternannte „Weltkonzern“, Busenfreund von IG Metall und Politik, wird 2015 von US-Behörden der Abgasmanipulation überführt. Der sich daraus entwickelnde Skandal folgt dem typischen Drehbuch derartiger Affären: Der Phase des Leugnens folgt der Moment der Unschuldsheuchelei, der wiederum vom Delegieren der Schuld an unbekannte Würstchen in der unteren Konzernhierarchie abgelöst wird. Am Ende geht ein wohlversorgter Autoboss kühl lächelnd aus dem Amt, denn in den Schreibtischschubladen deutscher Vorstände liegen nicht wie einst bei preußischen Generalen geladene Pistolen, sondern fette Abfindungen.

Lendenlahme Absichtserklärungen aus Berlin

Wie ein Grippevirus breitet sich die Dieselaffäre aus. Auch Mercedes, BMW und Porsche haben betrogen. In den USA wird der Staatsanwalt aktiv und die Polizei ermittelt, am Ende gibt es sogar Haftstrafen für die Betrüger. In Deutschland passiert – nichts. Widerwillig lädt irgendwann die große Koalition zum Dieselgipfel, fabriziert einige lendenlahme Absichtserklärungen, erfindet eine neue „Abwrackprämie“, die eher den Herstellern als den Käufern nutzt, und vergibt ein paar überschaubare Zuschüsse für die Kommunen. Dann drehen sich Union und SPD gähnend um und schlafen in Sachen Diesel weiter. Bei den Auto-Vorständen ist wohl spätestens das der Moment gewesen, wo die Pullen auf den Tisch kamen und gefeiert wurde.

Erst peinlich dementiert, dann erfolgreich blamiert

Die schon frühzeitig nicht nur von den Grünen, sondern auch vom ADAC und Verbraucherschützern erhobene Forderung, die Hersteller zu verpflichten, auch „Hardwarelösungen“ für die geneppten Autofahrer anzubieten, fand in der Regierung kein Echo. Man vertraute trotz Expertenwarnungen auf neue Software-Tricksereien.  Ausgerechnet die Betrüger sollten den Betrug rückgängig machen. Natürlich ohne Erfolg. Die Bundesregierung nahm die de facto Enteignung von Millionen Bürgern achselzuckend hin, ja, heizte noch durch achtlos in die Welt gesetzte Spekulationen über einen kostenlosen Nahverkehr das Thema zusätzlich sinnlos an. Am Ende wurde in Berlin peinlich zurückgerudert und dementiert – und sich dabei in großem Stile blamiert. Alles erinnert fatal an die sogenannte „Energiewende“, eine andere politische Steißgeburt der Bundeskanzlerin.

Die genierlichste Figur ist Alexander Dobrindt

Die genierlichste Figur in diesem Spektakel ist der bisherige Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Er ist geradezu die exemplarische Verkörperung des fachlichen und intellektuellen Minister-Mittelmaßes der Großen Koalition. Nichts kam zum Thema Diesel aus seinem Ministerium – bis auf ein lächerliches Alibi-Fahrverbot für eine Handvoll Porsche. Doch den sich seit Monaten abzeichnenden Fahrverbotsgau grinste Seehofers Zögling in Pressekonferenzen stets nonchalance weg. Der Wert für Diesel-Fahrzeuge rauschte unterdessen immer weiter in den Keller – nicht nur Millionen geprellter Autobesitzer gucken in die Röhre, sondern auch Tausende von Händlern, die auf ihrer Ware sitzen bleiben. Der Schaden dürfte längst im Milliardenbereich liegen.

Das Erpressungspotential der Autoindustrie

Doch Dobrindt ist nicht Freund des Verbrauchers oder des Mittelstandes. Er ist ein ängstlicher Freund der Autoindustrie, deren Erpressungspotential über Politik und Gewerkschaften ein unmoralisches Maß angenommen hat. Während in den USA per Sammelklage von betrügerischen Konzernen Schadenersatz gefordert wird, haben sich Dobrindt und sein Ministerkollege Heiko Maas keinen Millimeter bewegt um dieses dringend erforderliche Instrument als Gesetzesvorlage einzubringen. Stattdessen vertrieb sich Maas die Zeit mit einem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“, dessen tieferer Sinn sich bisher nur wenigen Bürgern erschlossen hat. Verbraucherschutz zählt hingegen nicht zu den Leidenschaften des Saarländers.

Wer hat Vertrauen in eine Regierung, die Betrüger nicht Betrüger nennt?

So wird die Dieselaffäre zum Prüfstein einer in den Geburtswehen befindlichen neuen Bundesregierung, die schon jetzt den Trägheitsmief der alten hat. Innovationsfeindlich, langsam und ökologisch wie ökonomisch im gestern verhaftet, so wird auch das künftige Kabinett Merkel sein. Und es hat mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zu Fahrverboten für Diesel bereits jetzt einen hässlichen Geburtsfehler: Warum sollten die Menschen in Deutschland Vertrauen in eine Regierung haben, die nicht einmal die simpelsten Verbraucherrechte durchsetzt und Betrüger auch Betrüger nennt?

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21. Februar 2018
von Malte Bastian
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Von Hühnermästern, Hooligans und einem immer klammen Bremer Senat

Wo die Weser einen Bogen macht

Der deutsche Fußball ist eine teure Unterhaltungsmaschine. Drei Milliarden Euro werden jede Saison in der 1. Bundesliga umgesetzt. Allein an Übertragungsrechten werden 1,16 Milliarden verdient – Geld aus der Zwangsabgabe für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Doch beim Thema Sicherheit zieren sich die Clubs. Einige Bundesländer wie Bremen verlangen, die Vereine sollen sich endlich an den Kosten für die Polizeieinsätze bei Risiko-Spielen beteiligen. Ein aktuelles Urteil gibt dieser Einstellung recht.

Wenn bei einem Unternehmen Patente, Maschinen und Immobilien die größten Werte darstellen, so sind es in der Bundesliga neben den Spargroschen im Strumpf unter der Matratze von Uli Hoeneß wohl die Spielerkader. So hat die erste Mannschaft des FC Bayern München einen Marktwert von rund 642 Millionen Euro. Ohnehin spielen die Bayern nicht nur den vermutlich besten Fußball in Deutschland, sondern stehen auch an der Spitze der Umsätze: In der Saison 2016/17 waren es rund 640 Millionen Euro. Allein der Trikotsponsor Telekom lässt sich je nach Leistung mit rund 24 Millionen Euro verbuchen.

6,5 Millionen Euro vom Hühnermäster für den SV Werder

Werder Bremen und die anderen Bundesligisten müssen deutlich kürzer treten, sind aber immer noch vermögende Unternehmen. Der SV Werder Bremen setzt rund 123 Millionen Euro um. Der bei den Fans nicht gerade beliebte Sponsor, der Hühnermäster Wiesenhof, spült davon etwa 6,5 Millionen Euro in die Kasse, Ausrüster Nike vier Millionen. Der Spieler-Kader hat einen Wert von knapp 82 Millionen Euro. Allerdings ist der große Traditionsclub finanziell auf Talfahrt und krebst seit Jahren vorwiegend im hinteren Drittel der Tabelle herum. Werders schwarze Serie begann in der Saison 2011/12 und dauerte bis Mitte 2015 an. In diesen vier Spielzeiten häufte der Club Verluste von rund 40 Millionen Euro an und verbrannte sämtliche Rücklagen. In der abgelaufenen Saison konnte Werder mit einem Gewinn von 2,8 Millionen Euro den Niedergang immerhin bremsen.

Der klamme Bremer Senat will die DFL zur Kasse bitten

Ausgerechnet in dieser schweren Zeit hat sich neben den 17 Gegnern der Liga noch ein 18. gesellt: Der Bremer Senat. Die DFL als Veranstalter der Bundesliga soll künftig in Bremen bei Risikospielen mit höherem Polizeiaufkommen einen Teil der Kosten für den Einsatz der Beamten bezahlen. Nicht vergessen darf man dabei, dass in Bremen immer alles etwas anders ist, als in Deutschland: Ausgerechnet der immer klamme linke Rot-Grüne Senat beruft sich plötzlich auf den marktwirtschaftlichen Grundsatz des Verursacherprinzips. Die bürgerliche Opposition hält wacker dagegen: Der Steuerzahler solle herhalten, schließlich sei Sicherheit eine Kernaufgabe des Staates. Sah das Bremer Verwaltungsgericht diese Lesart noch als richtig an, so kippte jetzt die höhere Instanz das Urteil.

Bremens sportlicher Botschafter: Werder bundesweit beliebt

Tatsächlich ist der SV Werder ein attraktiver Botschafter für die Hansestadt. Der Verein genießt bundesweit einen respektablen Ruf – und kann auf einen hohen Bekanntheitsgrad bauen. Im Jahr 2013 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 63,76 Millionen Menschen, denen der SV Werder Bremen bekannt war. Davon interessierten sich 6,92 Millionen ganz besonders für diesen Fußballverein. Auch in Sachen Sympathie steht der Club weit oben in der Gunst, nicht nur der Bremer und des Umlandes. Die Bayern mögen fußballerisch wie finanziell die Bremer degradieren, in Sachen Anerkennung und Empathie ist der SV Werder weit vor der geachteten aber ungeliebten Heynckes-Truppe zu finden.

Die Marktwirtschaft endet dort, wo die Weser einen Bogen macht

Freilich ändert das wenig an den Plänen des Senates. Und auch in anderen Bundesländern gärt es bei Finanz- und Innenpolitikern. Warum soll der Steuerzahler den Polizeischutz bei privaten Veranstaltungen wie Fußballspielen mitfinanzieren, wenn die Clubs millionenschwere und renditestarke Konzerne sind? 68 Millionen Euro an Sicherheit kostete der Fußball in der Saison 2016/17, rund 1,5 Millionen Überstunden fielen bei der Polizei an. Und werden die Vereine nicht ohnehin mit Millionen aus der Quersubventionierung durch die Rundfunkgebühren gemästet, quasi staatlich mitfinanziert? Dagegen bleibt erstaunlicherweise der Aufschrei von CDU und FDP aus. Das Prinzip der Marktwirtschaft endet eben dort, wo die Weser einen Bogen macht.

Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch

Wer Verfechter einer modernen Marktwirtschaft ist, reibt sich verwundert die Augen. Da verkauft ein Privatveranstalter Spieler, Trikots, Eintrittskarten und Übertragungsrechte so teuer wie möglich und füttert ein wohl bezahltes Management. Das ist sein gutes Recht. Doch als Teilnehmer im Kräftespiel der Marktwirtschaft will man sich in Sachen Sicherheit plötzlich wie ein Schrebergartenverein auf die kostenlose Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung durch die Polizei berufen. Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch, sagt der Volksmund. Zumindest bei Risiokospieklen mit gewaltbereiten Fans sollte das gelten.

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20. Februar 2018
von Malte Bastian
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Die Prügelknaben der Politik: Ein kleiner Moment der Großkotzigkeit wird zum jahrelangen Fluch

Einst der Guido, jetzt der Martin

Es ist noch nicht lange her, da gehörte es zum politisch korrekten Ton, die FDP der Lächerlichkeit preiszugeben. Westerwelle, Brüderle oder Rösler: Es waren wunderbare Zeiten für die Konkurrenz und die Gagschreiber der heute-show. Kein Witz war zu billig, keine Pointe zu platt, es traf ja immer die Richtigen. Daran hat sich nichts geändert – bis auf die Partei: Heute ist die SPD der Trottel der Politik. Wenige Momente der Großkotzigkeit eines Martin Schulz genügten, um die Sozialdemokraten für lange Zeit lächerlich zu sein.

Von Oscar Wilde ist ein berühmtes Bonmot überliefert: Lieber einen Freund verlieren, als auf eine gute Pointe zu verzichten. Damit erklärt sich zumindest das triebhafte Verhalten mancher politischer Satiriker, auch immer noch dann herzhaft nachzutreten, wenn das Objekt der Begierde längst geschlagen am Boden liegt. Sind diese Objekte auch Politiker einer Partei, die gerade im Sinkflug ist, wird schnell aus der geistreichen Satire ein verbales Schlachtfest. War es gestern noch die FDP, auf die sich neben der politischen Konkurrenz auch die Meute der Journalisten stürzte, so ist es heute die SPD. Die bis ans persönliche gehende Gehässigkeit, mit der man einst die anderen überzog, muss man im Williy-Brandt-Haus jetzt selbst erdulden.

Nur noch Personal für die Reservebank der Geschichte

Es gibt nichts schöneres, als einem politischen Gegner dabei zuzusehen, wie er direkt ins offene Messer läuft. So wie Guido Westerwelle für das Maulheldentum, 18 Prozent für die FDP zu holen jahrelang grausam in den Medien büßen musste, so wird die Großkotzigkeit des Martin Schulz, die Kanzlerschaft quasi im Spaziergang nach Würselen zu tragen, noch lange der böse Fluch der SPD sein. Doch Schulz zum Sündenbock zu machen, greift zu kurz. Auch die Bätschi-Bätschi-Mentalität einer Andrea Nahles hat der SPD massiv geschadet. Ein großer Teil des Spitzenpersonals der Sozialdemokraten ist wie einst das der FDP reif für die Reservebank der Geschichte.

Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

Ob allerdings ein Charismatiker wie Christian Lindner oder Robert Habeck aus den Trümmern kommt, der die moribunde 16 Prozent-Partei rettet und wieder zur Freiheit, zur Sonne führt, bleibt abzuwarten. Der heilige Martin war es jedenfalls nicht. Demoskopen sehen die SPD nur noch bei etwa 16 Prozent – selbst bei den letzten (schon durch die Nazis eingeschränkten) Reichstagswahlen im März 1933 schaffte die Partei ein Ergebnis von 18,7 Prozent. Das macht deutlich: Wie bei der FDP 2013 ist die Krise hausgemacht. Und wie bei der FDP wird ein echter Neuanfang nur durch eine Totaloperation beim Führungskader möglich sein. Die Sozialdemokraten wird kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun retten – nur die Einsicht, jahrelang Politik an den Wählern vorbei gemacht zu haben.

Der Weg der Bessewisserei führt ins Aus

Wie aber stolpern Parteien in derartige Umfragetiefen? Der gefährlichste Moment in der Politik ist die scheinbare Erkenntnis der Unfehlbarkeit. Wenn die kritischen Begleiter den Apparatschiks, Opportunisten und Postenjägern gewichen sind, beginnt der letzte Akt. Mit Grausen erinnert man sich an den Absturz von Helmut Kohl, der nicht mit Größe in einer Parlamentsabstimmung scheiterte wie sein Vorgänger Helmut Schmidt, sondern quälend langsam in bornierter Besserwisserei und penetranter Halsstarrigkeit unterging. Diesen Weg der Besserwisserei hat auch die SPD eingeschlagen. Je stärker die Partei bei Wahlen schrumpfte, desto penetranter versuchte man, die Überlegenheit sozialdemokratischer Politik zu verkaufen.

Potentielle SPD-Partner? Leider nicht in Sicht.

Wie einst die FDP unter Westerwelle, erhob auch die SPD den Anspruch auf ein allein selig machendes Programm. Doch die jahrelange Überheblichkeit hat die Partei zerrüttet und einsam gemacht. Die potentiellen Partner für eine dauerhafte gemeinsame Zukunft sind längst abhandengekommen. Die Grünen wurden zu besserverdienenden bürgerlichen Ökofreaks erklärt, die Liberalen zu geldgierigen Handlangern des Kapitals, die Union zu reaktionären und fremdenfeindlichen Kleinbürgern. Selbst mit der Linkspartei gibt es keinen Frieden, ist sie doch Fleisch vom eigenen Fleische. Alle werden stets oberlehrerhaft abgemahnt, dass nur Zukunftsgestaltung im Sinne der SPD funktioniert. Das schafft keine Freunde.

Die Poser von der SPD und der Sprung ins kalte Wasser

Doch auch um die andere Option, eine Mehrheit mit Grünen und der Linken im Bundestag, drückten sich die Sozialdemokraten immer wieder herum. Die SPD verhielt sich jahrelang wie ein Poser im knappen Badehöschen, der auf das Zehn-Meter-Brett im Schwimmbad klettert und dann kleinlaut verkündet, das Wasser sei heute doch zu kalt zum Springen. Jetzt wird man in die letzte große Koalition springen müssen – und das, obwohl nicht einmal klar ist, ob wirklich noch genügend Wasser im Becken ist.

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2. Februar 2018
von Malte Bastian
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Neue Studie zeigt: Attraktivität ist eines der wichtigsten Entscheidungskriterien bei Wahlen

Schöne Politiker will das Land

Was zählt, sind die inneren Werte, nicht der schöne äußere Schein? Von wegen. Politiker, die als attraktiv wahrgenommen werden, werden häufiger gewählt als die grauen Mäuse. Eine neue Studie der Uni Düsseldorf zeigt: Schönheit ist nicht alles – aber ohne Schönheit ist schnell alles nichts. Ein Blick auf Gerhard Schröder, Christian Lindner oder Sarah Wagenknecht scheint das zu bestätigen.

Heinrich VIII., König von England, wusste genau, worauf es ankam: Ein schöner Mann hatte kräftige Waden. Entsprechend wählte er seine Kleidung aus – und wehe, der Hofschneider verstand es nicht, die herrlichen Beine des Königs richtig in Szene zu setzen. So entsprach es dem damaligen Schönheitsideal. Eines der wenigen zeitgenössischen Gemälde zeigt den wuchtigen Monarchen und Frauenverschleißer mit engen weißen Kniestrümpfen und einer reich verzierten sogenannten Schamkapsel zwischen den Beinen, die in jeder Hinsicht signalisierte, über welch gewaltige Macht König Heinrich gebot.

„Der Kampf der schönen Männer“

Weniger um Schamkapseln und Kniestrümpfe ging es 1987 in Schleswig-Holstein. Smart, drahtig, charmant, so präsentierten sich SPD-Herausforderer Björn Engholm und der amtierende CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel. „Der Kampf der schönen Männer“, schrieb folgerichtig eine Zeitung. Der Unionsmann verlor, doch das lag weniger daran, dass Engholm vielleicht noch etwas schöner war, sondern vor allen Dingen an Uwe Barschels unschönen Machenschaften, die in eine Badewanne führten. Ohnehin war die SPD in Sachen Attraktivität früher oft überlegen: Der introvertierte Willy Brandt, der schneidige Helmut Schmidt und auch der Ehefrauen verschleißende Gerhard Schröder haben bis heute den Ruf, stets deutlich besser ausgesehen zu haben, als ihre Gegner Barzel, Kohl oder Stoiber.

Attraktivität bringt Wahlerfolg

Zur Bundestagswahl 2017 untersuchte die Heinrich-Heine-Universität den Zusammenhang zwischen Attraktivität und Wahlerfolg. Für die Studie hatten die Wissenschaftler alle Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen der Landeslisten sowie sämtliche Direktkandidaten untersucht, insgesamt rund 1.700 Personen. Sie wurden von einer Jury aus zwölf Männern und zwölf Frauen auf einer Attraktivitätsskala von null (unattraktiv) bis sechs (sehr attraktiv) bewertet. Das verblüffende Ergebnis: Die physische Attraktivität erwies sich in der Studie als zweitwichtigstes Entscheidungskriterium überhaupt. Nur die individuelle Bekanntheit der einzelnen Kandidaten war noch wichtiger als ihr Aussehen.

Christian und Sarah sind am schönsten

Betrachtet man die Spitzenkandidaten, hat Christian Lindner mit 3,43 Punkten bei den Männern klar die Nase vorn. Damit  steht er in der Tradition des einstigen FDP-Chefs Erich Mende: Der wurde wegen seiner pompösen Auftritte mit Frack und Orden von Frauen wie Männern gern halb belustigt, halb bewundernd „Der schöne Erich“ genannt. Bei den Frauen führt Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht mit 4,08 Punkten. Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel erreichte 3,25 Punkte, es folgen die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckhard (2,58) und Cem Özdemir (2,13) sowie SPD-Chef Martin Schulz (1,67). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erreichte nur 1,04 Punkte. Das Schlusslicht bildet AfD-Frontmann Alexander Gauland mit 0,54 Punkten. Wie aber die Betroffenen in Sachen Optik nachbessern können, verrieten die Forscher nicht. Immerhin analysierte der Komiker Fips Asmussen eine der möglichen Ursachen: „Was macht Angela Merkel mit ihren alten Klamotten? – Sie trägt sie!“

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31. Januar 2018
von Malte Bastian
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In Wolfsburg stinkt`s mal wieder: Dieses Mal nach geheuchelter Betroffenheit

Der empörte kleine Tierfreund

Da ist er wieder, der fiese Gestank aus Wolfsburg: Versuche mit Affen sollten die Harmlosigkeit von Abgasen unter Beweis stellen. Kaum ist das Projekt aufgeflogen, heuchelt VW Betroffenheit. Vorstandschef Müller gab den empörten kleinen Tierfreund und wusch seine Hände in Unschuld. Doch kaum ein Konzern ist in Sachen Skandal so verkorkst wie VW – und derart mit der Politik verflochten.

Rückblende: Bereits 1974 beschäftigte sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen mit Abgastricksereien bei VW. Natürlich ohne irgendwelche Folgen, die Politik hielt schützend ihre Hand über den Konzern. Vor allen Dingen das Land Niedersachsen als einer der Eigentümer und die mächtige Gewerkschaft IG Metall versuchten stets, den Autobauer gegen Vorwürfe in Schutz zu nehmen. Auch deshalb ist es mehr als nur Zufall, dass immer wieder die SPD eine unrühmliche Rolle bei diesen Skandalen spielte.

Von Opernbällen, geklauten Akten und Schmiergeldern

Im Herbst 1996 reiste der niedersächsische Ministerpräsident – und VW-Aufsichtsrat – Gerhard Schröder mit seiner Frau Hiltrud mit VW zum Opernball nach Wien. Peinlich: Erst als aufflog, dass Schröder nicht selbst zahlte, überwies er seinen Reiseanteil. Ein Jahr später kam die Schmiergeldaffäre um ABB und Skoda ans Licht: VW-Angehörige sollen Schmiergelder vom Schweizer Unternehmen Asea Brown Boveri entgegengenommen haben, als der Anlagenbauer den Auftrag zum Bau einer neuen Lackiererei für Skoda erhielt. Auch der Skandal um Vorstand José Ignacio Lopez brachte VW in den 90ern in die Schlagzeilen: Der Spanier hatte bei seinem Wechsel von General Motors zu Volkswagen geheime Unterlagen geklaut.

Kraft durch Freude: Mit der Gewerkschaft in den Puff

Richtig pikant aber wurde es für VW ab 2004: Zähneknirschend gab das Unternehmen die Namen von sechs SPD-Abgeordneten bekannt, die auf der Gehaltsliste standen. Sie hatten zehn Jahre neben ihren Abgeordnetenbezügen weiter ihre Gehälter von VW bezogen – ohne dafür wirklich zu arbeiten. Nur ein Jahr später poppte der Skandal um die dubiosen Beziehungen führender Manager zu Gewerkschaftsfunktionären auf. Aus der Firmenleitung heraus wurden Mitglieder des Betriebsrates mit Bonuszahlungen, Luxusreisen und Nutten bestochen. Mittendrin: Peter Hartz, Personalvorstand, SPD- und Gewerkschaftsmitglied, Berater von Gerhard Schröder, Schöpfer von Hartz-IV – und inzwischen wegen Untreue vorbestraft.

Seltsame Cheflobbyisten und kleine Tierfreunde

Auch im Skandal um die im Auftrag von VW und anderen Autobauern Abgase schnüffelnden Affen, macht wieder ein Sozialdemokrat negative Schlagzeilen: Der Generalbevollmächtigte und Cheflobbyist Thomas Steg, seines Zeichens früher stellvertretender Regierungssprecher Schröders und Merkels. Steg soll für die Tierversuche mit Abgasen verantwortlich sein und wurde jetzt erst einmal von VW „beurlaubt“. Im Konzern ist man um Schadenbegrenzung bemüht, Vorstandschef Matthias Müller gab den empörten kleinen Tierfreund und wusch seine Hände in Unschuld. Ob die Verantwortung für die geschundenen Affen bei Steg endet oder weiter nach oben geht, wird sich noch zeigen.

Nix hören, nix sehen, nix sagen

Der Glanz der Kronjuwelen der deutschen Wirtschaft verblasst seit Jahren – man erinnere sich nur an die Trickseren der Deutschen Bank oder an die Korruptionsaffäre bei Siemens. Das Reich der Telekom schrumpft von Jahr zu Jahr, die Energieversorger bekommen den Atomausstieg nicht in den Griff und die Deutsche Bahn verrechnet sich um Milliarden beim Projekt Stuttgart 21. Die von der Politik immer wieder gehätschelten Konzerne sind Brutstätten für Seilschaften von Gewerkschaften und Managern, Vorbild für Innovationen sind sie selten. Und nicht nur VW hängt tief im Skandal um kriminelle Abgassoftware und Tierversuche, auch Daimler und BMW sind verstrickt. Und wie es sich für einen guten deutschen Skandal gehört, gaben führende Politiker lange die drei Affen: Nix hören, nix sehen, nix sagen.

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22. Januar 2018
von Malte Bastian
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Länger arbeiten, länger krank, länger arm: Geht es uns wirklich immer schlechter?

„German Angst“ hat Zukunft

Alt, krank, unglücklich: Wir müssen länger arbeiten und werden dennoch darben, ist immer wieder der Tenor der „Rentenexperten“ in Politik und Gewerkschaften. Das einzige, was helfe, seien Steuererhöhungen, sonst verarmten Millionen. Eine neue GroKo wird diese Angst nutzen – und mit weiteren Rentenzuwächsen ihre größte Wählergruppe, die Senioren, politisch pflegen. Dabei gibt es durchaus Gründe, etwas gelassener in die Zukunft zu blicken.

Im Englischen gibt es einen Begriff für die Gefühligkeit vieler Menschen in diesem unseren Lande: „German Angst“. Denn unter den westlichen Nationen sind die Deutschen besonders zukunftsscheu. Gerhard Schröder hat in seiner Zeit als Kanzler einmal bekümmert festgestellt, ein Wasserglas in Deutschland sei immer halb leer, nie halb voll. Das Jammern und Schwarzmalen ist seit Jahren fester Bestandteil deutscher Politik und ein Bestandteil der Seelenverfassung vieler Menschen geworden. Wir leben in einem Zeitalter der Bedenkenträger, von denen jeder das Ende der Welt prophezeit. Der alte Nostradamus hätte seine Freude an dieser dunklen Art der Zukunftserwartung gehabt.

Das größte Potential der Volksparteien: Die Alten

Oma und Opa als Kanzlermacher: Die über 60-Jährigen waren bei der Bundestagswahl 2017 erstmals die größte Wählergruppe. Mit einem geschätzten Anteil von 38,3 Prozent der Wahlberechtigten haben sie die stärksten Zuwächse. Und ihre wahre Bedeutung ist noch viel größer, denn die Alten haben eine hohe Wahldisziplin. Mehr als Zweidrittel (76,3 Prozent) gehen zur Wahl. Bei den unter 40-Jährigen sind es nicht einmal 65 Prozent. So wird das politische Gewicht der Alten noch einmal deutlich erhöht. Die „Silver Ager“ entscheiden inzwischen auch bei Landtagswahlen: Im Saarland und in Schleswig-Holstein waren sie bereits die größte Wählergruppe.

„Fatalistische Endzeitstimmung“

Nach Ansicht von Thomas Straubhaar, Volkswirt und Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes, ist die Betrachtung der demografischen Alterung als rein gesellschaftliches Problem menschenverachtend. Schrumpfung und Alterung würden im Gegenteil zu einer unglaublichen Bereicherung wenn schon heute die notwendigen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Änderungen in die Wege geleitet werden würden. Dazu gehört für ihn eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit, verbunden mit entsprechenden Maßnahmen, sozialverträglich ältere Menschen lange und verstärkt zu beschäftigen um von ihren Fähigkeiten profitieren zu können. „Der Aufstand der Alten“, so Straubhaar, „findet nicht statt“. 2050 würden so viele Menschen in Deutschland wohnen wie 1950 – für ihn nur dann ein Horrorszenario, wenn weiterhin „fatalistisch auf die demografische Endzeit“ gewartet werden würde.

 Das „Durchschnittsalter“ steigt kaum

Warren Sanderson und Sergei Scherbov, zwei US-Wissenschaftler, schlagen ebenfalls einen völlig neuen Blick auf die alternden Gesellschaften vor. Die steigende Lebenserwartung, so ihr Ansatz, müsse stärker berücksichtigt werden. So kommen sie zu einem erstaunlichen Ergebnis: Das „standardisierte“ Durchschnittsalter der Deutschen steigt kaum an. Statt nur zu berücksichtigen, wie alt jemand bereits sei, müsse auch in Rechnung gestellt werden, wie lange er noch zu leben habe, schrieben die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“ Dieses „prospektive Alter“ sieht heute ganz anders aus als noch vor hundert Jahren – schließlich werden die Menschen, zumindest in den westlichen Industrienationen, immer älter.

Sanderson und Scherbov, die beide am „World Population Project“ beteiligt sind, rechnen vor: „Im Jahr 2000 war der durchschnittliche Deutsche 39,9 Jahre alt. Wir sagen vorher, dass er im Jahr 2050 etwa 51,9 Jahre alt sein wird.“ Der durchschnittliche Deutsche im Jahr 2000 habe deshalb im Mittel für 39,2 verbleibende Jahre vorausplanen müssen. Trotz der schnellen Alterung der Gesellschaft werde der Durchschnittsdeutsche im Jahr 2050 (jetzt 52 statt 40 Jahre alt) immer noch etwa 37,1 Jahre vor sich haben. „Der Planungshorizont wird sich also in einem Zeitraum von 50 Jahren nur um etwa 2,1 Jahre verändern.“

Mehr Leistungskraft und Energie.

Mit anderen Worten: Ein 52-Jähriger wird sich im Jahr 2050 noch immer im mittleren Alter befinden. Eine atemberaubende Entwicklung angesichts der Tatsache, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland noch im Jahr 1900 unter 50 Jahren lag. Für die USA sagen Sanderson und Scherbov sogar voraus, dass die verbleibenden Jahre eines Durchschnittsbürgers im Vergleich zu heute zunehmen – obwohl dieser Durchschnittsbürger dann 6,4 Jahre älter sein werde als der heutige. „Einerseits werden die Bevölkerungen älter sein. Aber andererseits könnte die einzelne Person einen sogar noch weiteren Zeithorizont haben“, so die Forscher. Was nichts anderes heißt als mehr Leistungskraft und Energie.

Das Beste kommt zum Schluss

Sanderson und Scherbov schlagen deshalb ein neues Maß für Alter vor, dass sie „standardisiertes Alter“ nennen, und das den Zustand im Jahr 2000 als Bezugspunkt annimmt. Wenn die verbleibende Lebenserwartung eines 30-Jährigen im Jahr 2000 bei 50 Jahren lag, und ein 40-Jähriger im Jahr 2050 sich ebenfalls auf 50 weitere Jahre einstellen muss, ist nach dieser Rechenmethode das „standardisierte Alter“ des 40-Jährigen Zukunftsmenschen 30 Jahre – weil er noch genauso viel vor sich hat wie der 30-Jährige im Jahr 2000. Denn schließlich kommt das zunehmende Alter nicht von ungefähr, sondern liegt in der durchschnittlich besseren körperlichen Verfassung der Menschen begründet.

Längere Lebensarbeitszeit ist unumgänglich

Daraus leiten die Forscher einen konkreten – und nicht ganz neuen – Vorschlag ab: Um das Risiko zu entschärfen, dass das langsame, aber stetige Kippen der Alterspyramide für Renten- und Pensionssysteme darstellt, dürften die Menschen erst später zu arbeiten aufhören. In den USA würde das jährliche Verschieben des Rentenalters um zwei Monate praktisch die Nachhaltigkeit des Rentensystems garantieren, ohne die versprochenen Auszahlungen zu reduzieren. Die Bundesregierung hat diesem Vorschlag mit dem schrittweisen Anheben des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bzw. 40 Beitragsjahren bereits Rechnung getragen. In den kommenden Jahren halten Wirtschaftsfachleute auch eine Anhebung des Alters auf bis zu 70 Jahren durchaus für möglich. Dagegen laufen Politiker und Gewerkschafter Sturm. Andere Länder haben hingegen längst den Realitäten Rechnung getragen und Bezugsdauer und Eintrittsalter entsprechend verändert.

Das System der Bismarck`schen Rente gehört in Rente

Die Logik dieses Vorschlages liegt auf der Hand: Zur Einführung der Rentenversicherung im 19. Jahrhundert durch Otto von Bismarck lag die Lebenserwartung durchschnittlich unter 50 Jahren in Deutschland. Nur wenige kamen überhaupt in den Genuss von Rente. Heute wird ein 65 Jahre alter Mann bei Rentenantritt statistisch noch 21 Jahre leben, eine 63 Jahre alte Frau sogar noch fast 27 Jahre. Ältere Menschen sind darüber hinaus heute deutlich gesünder und mobiler als die Menschen bei der Einführung der Sozialversicherung in Deutschland durch Otto von Bismarck. Das umlagefinanzierte System kann hier nur noch bedingt funktionieren.

Das allerdings kümmert die Bsirskes, Seehofers und andere Schwarzmaler nicht. Ihr Auftrag lautet, politische Klientel kurzfristig zu bedienen, nicht Lust auf Zukunft zu machen. Ihr Geschäft ist der Vertrieb von Zukunftsangst als Mittel der eigenen Machtsicherung. Sie verbreiten weiter populistische Schreckensnachrichten. Länger arbeiten, länger krank sein, länger arm sein. Die gute Nachricht, dass wir länger fit und leistungsfähig sind, kümmert sie nicht, im Gegenteil. Da hat man als Bürger dann wirklich schnell die Hose voll…

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