2017 heißt die Kanzlerin Merkel. Und niemand wird sich an Seehofers Attacken erinnern.

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Alternativlose Kanzlerin für rinks und lechts

Alternativlos – auch dank der Maulhelden Seehofer, Söder und Scheuer: Natürlich tritt Angela Merkel wieder an. Hatte ernsthaft jemand geglaubt, es gäbe in der Union eine Revolte gegen die Kanzlerin, nur weil das Wadenbeißer-Trio aus München in den vergangenen Monaten keine Gelegenheit ausließ, Merkel vorzuführen? Seehofer und Co. haben nur ein weiteres Mal ihren Zwergwuchs in den wichtigen bundespolitischen Fragen unter Beweis gestellt. Keiner der Merkel-Gegner in den eigenen Reihen hatte den Mut, das Ruder herum zu reißen und wieder auf Mitte-Rechts-Kurs zu gehen.

Vielleicht hat die Union die Chance verpasst, mit einem anderen Kanzlerkandidaten ihr konservatives Profil zu schärfen, in jedem Falle aber wurde deutlich, dass alle Versuche aus München, massiv in die K-Frage einzugreifen, nur Theaterdonner waren. Horst Seehofer hat sich wieder einmal desavouiert. Mit seinem Kurs rechts von der Kanzlerin und der persönlichen Dauerfehde mit der CDU hat er der Union massiv geschadet. Keiner der konservativen Merkel-Gegner in den eigenen Reihen hat wirklich den Mut gehabt, das Ruder in der Union herum zu reißen und wieder auf Mitte-Rechts-Kurs wie in früheren Jahren unter Helmut Kohl zu gehen.

Konservative Alternative: Fehlanzeige

Kein Wunder, alle, die einst für den konservativen Kurs der Union standen, hat die vom Forbes-Magazine fünf Mal zur mächtigsten Frau der Welt gekürte Kanzlerin längst entsorgt. Den geistreichen aber machtpolitisch zahnlosen Friedrich Merz, den flüchtigen Franz-Josef Jung, den es 2009 als Arbeitsminister gerade einmal vier Wochen im Amt hielt, den erfolgreichen Rechtsausleger Ronald Koch. Auch an zwei legendäre geschasste konservative CSU-Minister sei erinnert: Den pomadigen Freiherrn zu Guttenberg und einen gewissen Hans-Peter Friedrich, einst Innen- und dann Landwirtschaftsminister und in seiner politischen Wirkung so nachhaltig, dass kaum noch jemand seinen Namen kennt.

Rot-Rot-Grün ist schon heute ein Luftschloss

Rechts von der Kanzlerin ist heute gähnende Leere. So geht es alternativlos mit Merkels Mitte-Links-Kurs immer weiter, mit welchem Koalitionspartner auch immer. 2017 werden die Sozialdemokraten ebenso um ihre Gunst buhlen, wie die Grünen. Das von Salon-Revolutionären wie Jürgen Trittin und Ralf Stegner immer wieder bemühte Rot-Rot-Grüne Bündnis ist schon heute ein Luftschloss, das höchstens nach durchzechten Sitzungen von den Jusos bezogen wird. Und wer glaubt, mit der Kür eines SPD-Kandidaten für das Bundespräsidentenamt werde eine Wende eingeleitet, irrt: Die Behauptung, von der Parteizugehörigkeit des nächsten Präsidenten hänge auch der nächste Kanzler ab, ist eine Fabel.

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern…

Auch die Sozialdemokraten sind also alternativlos in der Wahl eines Koalitionspartners. Eine grüne Partei, die schon seit Jahren erfolgreich mit der CDU in Hessen und seit geraumer Zeit auch in Baden-Württemberg koaliert, wird sich hüten, das sinkende Schiff von Captain Gabriel zu betreten. Der SPD bleibt nur eine Hoffnung: Merkel. Die eiserne Kanzlerin hatte zwar einst verkündet, nach zehn Jahren sollte Schluss sein, doch sie hält es mit dem größten aller deutschen Kanzler: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Sie werden mich nicht daran hindern, schlauer zu werden.“

AfD und DIE LINKE: Polit-Klassiker

Damit wird das deutsche Dilemma offenbar: rechts-links, links-rechts, rinks-lechts – alles ist austauschbar geworden. Wer heute klassische linke Politik wählen will, hat nur eine Möglichkeit: DIE LINKE. Und die zeigt mit ihrem Stehaufmännchen Oscar Lafontaine, der gerade zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Landtagswahl im Saarland gekürt wurde, dass sie bereit ist, zu kämpfen, ebenso wie die AfD, die sich – obwohl von ihren Gegnern in Grund und Boden demonstriert – immer noch erfolgreich als Gralshüterin konservativer Werte aufspielt. Tatsächlich ist es durchaus lohnenswert zu überlegen, wo sich denn heute legendäre konservative CDU-Politiker wie der Hauptmann a.D. Alfred Dregger oder der Ritterkreuzträger Erich Mende verorten lassen würden. So haben AfD und DIE LINKE die klassischen Positionen eingenommen, die noch vor 25 Jahren CDU und SPD hatten.

2017 heißt die Kanzlerin Angela Merkel

Aber ob rinks oder lechts – im Herbst 2017 wird die Kanzlerin Angela Merkel heißen. Und niemand wird sich mehr an Horst Seehofers Attacken gegen sie erinnern. Denn eines ist gewiss: Zumindest in der Welt der Trumps, Putins und Erdogans bleibt Deutschland mit einem Präsidenten Frank-Walter Steinmeier repräsentabel und mit Angela Merkel berechenbar. Im Bundestag wird die Kanzlerin dann stets in wichtigen außenpolitischen Fragen auch auf Martin Schulz, den künftigen Fraktionsvorsitzenden der SPD, bauen können – während Sigmar Gabriel zu Hause in Goslar vor dem Fernseher missmutig den Reden eines Bundesministers Özdemir lauschen wird, dem dessen Kabinettskollege Christian Lindner lustlos applaudiert.

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