Aggressive Polit-PR lebt immer von der Fallhöhe: Vom Geschenk zum Bombenleger

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Das Gespenst des Terrorismus

Der Mann war durch und durch PR-Profi. Er kannte alle Finessen des Politikgeschäftes und war in der Lage, aus jeder Nachricht eine Schlagzeile zu konstruieren. Ob die dann der Wahrheit entsprach, war völlig unwichtig. Entscheidend war der politische Erfolg. „Wenn du einmal angefangen hast zu lügen, dann bleibe auch dabei!“, war einer seiner Ratschläge, der in diesen Tagen wieder eifrig befolgt wird. So wird das Gespenst des Terrorismus immer grotesker, größer und grauenvoller – und beherrscht längst unser Alltagsleben. Wie konnte es dazu kommen?

Während die Polizei in München noch im Einsatz war, poppten bei Facebook schon die ersten Blasen auf. „Merkel-Einheitspartei: danke für den Terror in Deutschland und Europa!“ ätzte André Poggenburg, der AfD-Fraktions-Führer in Sachsen-Anhalt. Auch ein CDU-Politiker entblödete sich nicht, der eigenen Kanzlerin in den Rücken zu fallen. „Die Willkommenskultur ist tödlich. Es geht um unser Land!“, twitterte aus Sachsen Maximilian Krah, der nächstes Jahr in den Bundestag will. Auch nach dem Anschlag in Ansbach wieder dieselbe Stereotype: Schuld ist Angela Merkel, Deutschland steht mit dem Rücken an der Wand.

Der Schlüssel zum Giftschrank der PR

Aber kommen wir zurück zu dem eingangs zitierten PR-Profi, der es immerhin schaffte, eine kleine Splitterpartei in wenigen Jahren erfolgreich zur Kanzlerschaft zu führen. Dieser Mann war brillant, intellektuell, hoch intelligent – und böse und verdorben bis ins Mark. Adolf Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels steht noch heute für eine Politik-PR, von der wir uns mit Schaudern abwenden und die doch immer wieder klammheimlich bewundert und befolgt wird. Die Mittel der Goebbelschen Methoden sind aus unserem Politikalltag nicht verschwunden, sie stehen nur im Giftschrank der PR, mit dessen Schlüssel aber gern etwas großzügig umgegangen wird, rechts wie links.

Die einfache Gleichung der Populisten

Eines der Kernelemente dieser PR ist die Vermischung von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben um daraus Thesen zu kreieren, die den eigenen Standpunkt untermauern. Daraus wird dann eine vehemente Forderung, die stereotyp wiederholt wird. Dafür muss man ein gewisses Maß an Ausdauer haben, denn der werbliche Effekt braucht eine Weile. Doch in Zeiten von Social-Media kann man inzwischen deutlich schneller als früher zum Gesprächsgegenstand werden. Wenn das geschehen ist, folgt an den Gegner der Vorwurf, Tatsachen zu ignorieren, die Wahrheit zu verheimlichen und die Menschen in ihr Unglück laufen zu lassen. Wichtig dabei: Tatsachenbehauptung, Vorwurf und Lösung müssen einer einfachen Gleichung folgen. Keine intellektuellen Schwurbeleien, keine Nebenbotschaften.

Für alle, denen das jetzt zu kompliziert war, hier ein paar einfache politische Gleichungen unserer Tage:

  • Fast alle Waren werden von unterdrückten Menschen produziert. Wer also für den freien Warenaustausch ist, legitimiert Unterdrückung. Daraus folgt: Der freie Austausch von Waren nützt den Unterdrückern und gehört deshalb verboten.
  • Der Islam ist eine gewalttätige Religion. Wer also Moslems in seinem Land aufnimmt oder sogar einläd, nimmt Gewalt in Kauf. Daraus folgt: Die Aufnahme von Moslems unterstützt Gewalt und gehört deshalb untersagt.
  • Atomkraft ist nicht beherrschbar. Wer also Atomreaktoren baut oder an ihnen forscht, provoziert ein Unglück wie das in Tschernobyl. Daraus folgt: Der Bau von Atomreaktoren verursacht Katastrophen und darf deshalb nicht erfolgen.

Polemik mit dem „gesunden Menschenverstand“

Wir brauchen also weder TTIP, noch Moslems oder Atomkraftwerke, denn jede dieser Argumentationen ist schlüssig. Ihr Problem ist aber immer die Ausgangsthese. Diese ist nicht grundsätzlich falsch, aber sie blendet immer vieles aus und gibt vor, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Die Lehre von einer politischen Welt in schwarz-weiß ist immer ein Kennzeichen für politische Extreme, ebenso wie einfache Lösungen. In jeder Wahl verkauft sich dieses Produkt natürlich viel besser, als das mit den Risiken und Nebenwirkungen. Ein kerniger Slogan dazu – und fertig ist die Kampagne. Auch hierbei ist es wichtig, sich immer in den Alltag der Kunden – sprich Wähler – zu versetzen und zu vereinfachen, idealerweise immer im Gewand einer Aufforderung, die dem sogenannten „gesunden“ Menschenverstand entspricht. Dabei muß diese Forderung auch immer maßlos sein:

  • TTIP-Unterdrücker verhindern!
  • Gewaltbereite Ausländer abschieben!
  • Tödliche Atomkraft stoppen!

Gutes Aussehen, Intelligenz und Aggression

Fertig, das war`s schon. Gar nicht so schwer oder? Wenden wir uns jetzt einigen Meistern dieser Kunst der effektiven Polemik zu. Ganz vorn dabei zwei Damen, die gutes Aussehen, Intelligenz und politische Aggression klug miteinander verbunden haben: Frauke Petry und Sahra Wagenknecht. Sie beherrschen das Instrument der Provokation virtuoser, als viele ihrer männlichen Kollegen. Charmantes Lächeln auch bei der wildesten These, scheinbares Einschwenken auf Gegenargumente, rhethorisch-strategischer Rückzug im richtigen Moment, erneuter Angriff wenn sich der Gegner bereits als Sieger wähnt. Auch Oscar Lafontaine, Horst Seehofer und Ralf Stegner können mit der Technik der effektiven Provokation umgehen, haben allerdings mit ihrer hölzernen Art und ihrem wenig ansprechenden Äußeren deutlich weniger Akzeptanz. Eine besondere Spielart der effektiven Provokation beherrscht hingegen Claudia Roth: Was bei ihr an Fakten fehlt, macht sie mit lautstarkem emotionalem Einsatz und auffälligem Outfit wieder wett.

Die Kunst der moralischen Entrüstung

Listig ist es auch, die effektive Provokation öffentlich mit der Kunst der moralischen Entrüstung zu verstärken. Ein sehr wirksames Stilmittel der Polit-PR: So werden bereits im Vorfeld geschickt Fakten ausgeblendet und die Künder unliebsamer Tatsachen desavouiert. Dabei haben sich Politikerinnen wie Renate Künast und Manuela Schwesig schon mehrfach einen Namen gemacht. Die eine unterstellte Polizeibeamten, voreilig Gewalttäter zu töten, die andere solidarisierte sich mit schillernden Opfern angeblicher Vergewaltigungen. Beweise gibt es in keinem der Fälle, aber die emotionale Aufladung des eigenen Standpunktes ist unglaublich effektiv. Hier findet der geneigte Leser übrigens eine Übereinstimmung mit der rhetorischen Arbeitsweise rechter Politiker wie Beatrix von Storch oder Björn Höcke, die angebliche sexuelle Übergriffe von Flüchtlingen zur Untermauerung ihrer Thesen von der Gewalttätigkeit von Ausländern ins Feld führen – auch hier fehlen die Beweise.

Die Fallhöhe macht die Angst aus

Und damit sind wir wieder beim Gespenst des Terrorismus. Die aufgeladene Stimmung im Lande ist nicht nur ein Produkt der Vollidioten, die im Namen Allahs Äxte schwangen und versuchten, Sprengstoffgürtel zu zünden. Diese Stimmung ist das Produkt derer, die Politik nur schwarz-weiß sehen und uns seit Beginn des Flüchtlingsdramas mit ihren scheinbar einfachen Wahrheiten in die Irre geführt haben. „Die Flüchtlinge sind ein Geschenk“, jubelte die grüne Abgeordnete Karin Göring-Eckardt mit ihrer lieblichen Kirchentagsstimme. „Als Ultima Ratio ist der Einsatz der Waffe zulässig“, drohte AfD-Chefin Frauke Petry finster lächend. Die Fallhöhe macht hier die Angst aus: Vom Geschenk zum Bombenleger. Das ist genau die Art von Polemik, die Bürgerinnen und Bürger eines demokratischen Staates im 21. Jahrhundert nicht verdient haben. Die Wahrheit liegt bekanntlich immer dazwischen.

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