Warum Lokführer und Piloten Deutschland erpressen können.

| 1 Kommentar

Alle Räder stehen still

Es gibt Berufe, in denen wird kaum oder nie gestreikt – und dennoch verdienen dort die Beschäftigten anständig. Und es gibt Berufe, die sich für etwas ganz besonderes halten und keine Skrupel haben, Millionen von Menschen mit ihren ständigen Arbeitskämpfen zu schädigen. Ganz vorn immer mit dabei: Piloten und Lokführer. Und ein machtgieriger „Arbeiterführer“ im feinen Zwirn: Claus Weselsky, Chef der Lokführer Gewerkschaft GDL – und CDU-Mitglied. Fatal: Es geht weder bei Lokführern, noch bei Piloten um verdiente soziale Verbesserungen, sondern um Macht.

Weiß eigentlich jemand, wann die Bäcker oder die Büdchenbesitzer zuletzt gestreikt haben? Oder erinnert sich jemand an den letzten Ausstand der Zahnärzte, Autoverkäufer oder Fußpfleger? Auch die Busfahrer sind ein friedliches Völkchen. Ganz anders die Kutscher von Lufthansa und Bahn: Lokführer und Piloten sind in diesem Land gefühlt mittlerweile dauernd im Streik. Sie lähmen eine ganze Volkswirtschaft ohne Skrupel. Die Republik erlebt den Größenwahn der Kutscher der Schiene und der Luft.

Die Motive scheinen nur im ersten Moment unterschiedlich: Die Edel-Gewerkschaft der sehr gut verdienenden Piloten, die Vereinigung Cockpit, kämpft dafür, dass Piloten wie bisher möglichst früh in den bezahlten Vorruhestand gehen können und zusätzlich zehn Prozent Gehaltserhöhung bekommen. Bei der GDL geht es um einen Machtkampf mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL will nämlich gern auch für andere Bahnmitarbeiter Tarifverträge abschließen. Sozialer Notstand oder die Angst vor Arbeitsplatzverlust hat niemanden der Beteiligten zum Streik getrieben, in beiden Fällen geht es nur vordergründig um soziale Verbesserungen.

Die Weihnachtsgans wird ausgenommen – aber bitte ohne Mütze

Das wahre Kalkül hinter den Streiks ist die Hoheit über den Transportsektor dieses Landes. Mit Bahn und Lufthansa trifft es zwei schwerfällige ehemalige Staatsunternehmen, die ohnehin in der Vergangenheit nicht durch übermäßig viel Innovationen und ausgewähltes Spitzenpersonal aufgefallen sind. Diese wehrlosen Riesen werden jetzt von zwei Kleinstgewerkschaften politisch und ökonomisch ausgenommen wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans. Da der Wettbewerb vor allen Dingen bei der Bahn immer noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Arbeitgeber weitgehend wehrlos. Welche Interessen die Piloten-Lobbyisten übrigens außer hohen Gehaltsforderungen sonst noch haben, demonstrierten sie unlängst vor Gericht: Sie klagten allen ernstes dagegen, dass die Luftfahrzeugführer zu ihrer Uniform Mützen tragen sollen.

Streiks ohne Rücksicht auf Verluste

Gerade einmal knapp 16.000 Mitglieder hat die GDL. Diese reichen aber aus, um Millionen Euro Volksvermögen sinnlos in einem Pseudo-Arbeitskampf zu vernichten, denn Gewerkschafts-Boss Claus Weselsky hat sich ein machtstrategisches Ziel gesteckt, kein sozialpolitisches: Er will die alte bräsige DGB-Gewerkschaft EVG aus dem Rennen zu kegeln. Wenn ihm das jetzt gelingt, wird die GDL unentbehrlich sein. „Alle Räder stehen still – wenn Dein starker Arm es will“, hieß einst vor vielen Jahrzehnten ein Slogan der Arbeiterbewegung. CDU-Mitglied Weselsky könnte das erstmals dauerhaft gelingen. Und dann steht auch seiner politischen Karriere in Berlin nichts mehr im Wege.

Weniger Mitglieder als die Rechtsausleger von der AfD

Die von den Funktionären der Piloten und Lokführern abgesprochene Taktik: Man löst sich mit den Streiks ab, um die Fahrgäste im Land so richtig in die Zange zu nehmen. Irgendwann wird der Druck so groß werden, dass Bahn und Lufthansa einknicken. Dann liegt die Macht über das Transportwesen einer der größten Industrienationen der Welt in den Händen zweier winziger Interessengruppen: Der GDL und der Pilotenvereinigung Cockpit, einer Mini-Gewerkschaft, die nicht einmal halb so viel Mitglieder hat, wie die Rechtsausleger-Partei AfD. Knapp 9.000 Menschen vertritt Cockpit, macht zusammen mit der GDL ganze 25.000.

Die Erpressung einer ganzen Nation

Diese winzige Gruppe entscheidet nun darüber, wie 80 Millionen Menschen befördert und Millionen Tonnen Güter transportiert werden. Das ist die Erpressung einer ganzen Nation. Doch bei allem berechtigten Zorn der Bürgerinnen und Bürger: Man hüte sich davor, bei der Gelegenheit allgemein auf Arbeitnehmervertretungen einzuprügeln. Die beiden Mini-Gewerkschaften mit der Maxi-Macht gehören nicht zum Deutschen Gewerkschaftsbund und sogar Verdi-Chef Frank Bsirske ist dieses Mal völlig unschuldig.

Der GDL-Chef sieht sich als großen Reformator

Claus Weselskys Vorbild, so bekannte er in einem Interview, ist Martin Luther. Wie dieser möchte auch der GDL-Boss ein Reformator sein. Für alle Geschichtsvergessenen: Luther trat 1517 in das Licht der Öffentlichkeit. Die Auseinandersetzungen zwischen Evangelischen und Katholiken dauerten anschließend bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648. Wenn das der Maßstab für die GDL ist, wird der Arbeitskampf des Claus Weselksky und seiner Protestanten noch sehr lange dauern…

Share

Ein Kommentar

  1. Ich bin schon lange mit Fernbussen unterwegs – das ist viel günstiger und zuverlässiger. Kann ich nur empfehlen!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Share