Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen: Der ECHO und die Reichsmusikkammer

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Dem Horst Wessel sein Kollegah

Zwar war es nicht die Reichsmusikkammer, die den Preis überreichte, aber immerhin: Endlich ist Auschwitz Schnee von gestern. Ach, wenn der Führer doch diesen Felix Blume noch erlebt hätte: Am Tag, als in Israel der Opfer des Holocaust gedacht wurde, bekam ein Rapper einen anständigen deutschen Musikpreis – unter anderem für so famose Zeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“

Der politische Rap hat in Deutschland eine lange Tradition. Da gab`s mal einen Typ, jung, brutal, gutaussehend, der sich in Berlin mit den Zecken von der Antifa anlegte. Nicht im ehrlichen Fight auf der Straße, sondern durch einen miesen Hinterhalt wurde er dann umgelegt. Aber natürlich hatte er vorher mit seinen Atzen die linke Szene so richtig gefickt und auch einen Titel geschrieben, der damals echt geil abging: „Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen. SA marschiert mit ruhig festem Tritt.“ Digga, dieser Horst Wessel war echt ein großartiger Kollegah wenn es um Hass und Gewalt ging.

Ein kleines, fast gewaltfreies Liedchen

Natürlich hätte Horst Wessel mit seinem Text heute ein paar juristische Probleme. Obwohl er in seinem kleinen lustigen Liedchen nicht direkt Gewalt verherrlicht, ja nicht einmal frauenfeindlich ist, würde heute niemand mehr, der nicht in völliger völkischer Umnachtung lebt, auf die Idee kommen, jemandem, der dieses krudes Werk in welcher Art und Weise auch immer zu Gehör bringt, irgendeinen Preis zu verleihen. Nach § 86a StGB fällt das Lied in Deutschland nämlich unter die Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die Verbreitung ist damit verboten.

Die feuchten Schaftstiefel verschrumpelter Nazis

Aber von den rechtlichen Problemen, die heute unser Künstler-Kollegah Wessel hätte einmal abgesehen, ist sein uralter Song auch für moderne Ohren vielleicht doch zu uncool. Da ist kein richtiger Bang drin. Höchstens ein paar uralte verschrumpelte Nazis bekommen wahrscheinlich noch feuchte Schaftstiefel wenn sie das alte Lied hören. Deshalb gibt es ganz andere Bands, die für die braune Hood aufspielen. Alle diese musikalischen Stormtrooper haben es aber mehr oder weniger schwer, ihre Musik zu verkaufen, denn stets könnte unter den Kunden auch der Staatsanwalt sein.

Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen…

Nein, Hass und Antisemitismus müssen als Kunst unters Volk gebracht werden, dann gibt`s sogar fette Preise. Und die pseudo-intellektuellen ECHO-Ausrichter zu überzeugen, ist nicht schwer. Ein Land, in dem ein Comedian vor vielen Jahren schon als revolutionär galt, der mit Wonne das zärtliche Wörtchen „Ficken“ ins Publikum rief, ergötzt sich offensichtlich auch an einer Zeile wie „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“ Schließlich ist es historisch gesehen eine köstliche Pointe, sich einen durchtrainierten deutschen Rapper neben den ausgemergelten jüdischen Arbeitssklaven eines Konzentrationslagers vorzustellen. Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen, dachte sich feixend die Jury des ECHO und warf alle Moral über Bord.

Wer das widerlich findet, der ist ein Spießer

Wer das widerlich findet, der ist ein Spießer, versteht nichts von ironischer Brechung und erst recht nichts von Rap, geschweige denn von der Freiheit der Kunst. „Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte“, sagte einst der Maler Max Liebermann angesichts des Amtsantrittes von Adolf Hitler. Da war es mit „Wehret den Anfängen!“ längst vorbei. Aber was wusste dieser Liebermann schon von Kunst, schließlich war er als Jude ja nur so ein entarteter kleiner Schmierfink. Ach so – das ist jetzt antisemitisch? Komisch, ich dachte, so was wird man ja wohl noch mal rappen dürfen…

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2 Kommentare

  1. Guter Post!

  2. Wow viel gequirlte scheiße hier gelesen, danke blasser dünner junge

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