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Der Dobrindt des Nordens

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Schleswig-Holstein ist zwar das Geburtsland großer Geister wie Theodor Storm oder Thomas Mann, doch wer hofft, dass das einen Einfluss auf die Intelligenz der Landespolitiker hätte, irrt zuweilen. Das nördlichste Bundesland, dessen heutiger kultureller Beitrag irgendwo zwischen Lübecker Marzipan, Justus Frantz und Kieler Sprotten mäandert, lässt nämlich jetzt allzu bewegungsfreudigen Menschen konsequent die Luft aus den Reifen: Radtouren mit mehreren Personen müssen künftig gebührenpflichtig angemeldet werden. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

So wie sein Kollege Alexander Dobrindt gegen finstere ausländische Autobahnnutzer kämpft und sich tapfer gegen alle Vernunft für die Maut einsetzt, so energisch tritt Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer aus Schleswig-Holstein den Horden unzivilisierter Radfahrer entgegen. Beide, Dobrindt und Meyer, sind jung, engagiert und haben sich große Ziele gesteckt – etwas, das in der in der heutigen Politik selten geworden ist und daher aufrichtige Bewunderung verdient.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, offensichtlich eine große verkehrspolitische Kapazität im Land der Metropolen Flensburg, Pinneberg und Neumünster, hat scheinbar erkannt, welche Gefahr Radfahrer in größeren Gruppen darstellen: Sie sind eine ebensolche Bedrohung für ambitionierte Auto- und Motorradfahrer wie Bäume, Traktoren oder Rentner im Mercedes. Vor allen Dingen in einem derart überbevölkerten Land wie Schleswig-Holstein sind sie anachronistische Verkehrshemmnisse. Auch auf der Kreisstraße zwischen Segeberg und Reinfeld hat schließlich jeder das Recht, nach zwei Flaschen Oldesloer Korn ungehindert im tiefer gelegten GTI durch die Landschaft zu brettern.

 

Die lästigen Radfahrer endlich domestizieren…

Damit beendet Minister Meyer, der Alexander Dobrindt des Nordens, auch eine überaus lästige Kampagne der Fremdenverkehrsämter. Die hatte allen Ernstes wohl offensichtlich vor, Schleswig-Holstein für Fahrradtouristen attraktiver zu machen – ein schamloser Angriff auf das Recht selbstbestimmten Autofahrens. Wenn sich jetzt in Schleswig-Holstein Radfahrer zum Zwecke der Landschaftserkundung oder der körperlichen Ertüchtigung zusammenrotten, wird hoffentlich endlich die Polizei einschreiten und Strafzettel verteilen. So wird auch erfolgreich die umweltpolitische Wühlarbeit von Tourismusfördervereinen und Organisationen wie dem ADFC endlich unterbunden.

Ach ja – war sonst noch was im hohen Norden?

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