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Der unverschämte Narr Böhmermann und das Armutszeugnis der Bundesregierung

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Angie, Heiko und der Bockgestank der Diktatur

Man nehme einen bis dato fast unbekannten Satiriker, den grobschlächtigen Präsidenten einer fremden Macht und eine intellektuell überforderte Bundesregierung. Den Moderator lasse man im Nachtprogramm über „Ziegenficker“ reden und diese in einer Mediathek unter Hinzugabe von ein wenig PR gären. Schon nach wenigen Tagen entwickelt sich daraus ein üppiger internationaler Skandal, der für eine massive Krise der Kunst- und Meinungsfreiheit sorgt.

Wenn Jan Böhmermann auf der Suche nach Bosheiten und Vergleichen gegenüber dem türkischen Präsidenten einfach den Zoologen Alfred Brehm zitiert hätte, wäre ihm möglicherweise viel Ärger erspart geblieben. „Der stämmige und kräftige Leib ruht auf starken, nicht sehr hohen Beinen; der Hals ist gedrungen, der Kopf verhältnismäßig kurz und breit an der Stirn; der Schwanz, welcher aufrecht getragen zu werden pflegt, ist dreieckig und unten nackt.“ Aber der Zoten-Teufel, der Böhmermann ritt, wollte den großen Skandal und unterstellte Erdogan amouröses mit den Paarhufern, die vermutlich nichts mit diesem zu tun haben wollen- doch wer befragt schon Ziegen.

Der dreiste Narr und das Armutszeugnis der Bundesregierung

Böhmermann war bis vor wenigen Tagen ein den meisten Deutschen unbekannter Satiriker, der gern wie ein pubertierender Pennäler über seine eigenen Witze grinst. Ein wenig Harald Schmidt, etwas Oliver Pocher und ein Schuss Mario Barth. Das ZDF hatte ihn auf einen eher unbedeutenden Sendeplatz geschoben. Doch jetzt ist aus dem von seinen Fans so genannten „Böhmi“ plötzlich ein Repräsentant der offenen westlichen Gesellschaft geworden, der die Bundesregierung in arge Bedrängnis bringt. Denn diese Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen und Monaten ein Armutszeugnis in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit abgeliefert, das seinesgleichen sucht. Es bedurfte des dreisten Narren Jan Böhmermann, der Merkel und Co. den Spiegel vorhielt um eine längst fällige Diskussion über Freiheit und Satire zu entfachen.

Die spießige Fassade der ZDF-Gemütlichkeit eingerissen

Mit unschuldiger Mine hatte Böhmermann sein Schmähgedicht über Erdogan zum Besten gegeben, „Die Augen sind groß und lebhaft, Tränengruben nicht vorhanden, die Ohren aufgerichtet, schmal zugespitzt und sehr beweglich“, so saß er – um es mit den Worten Alfred Brehms über die Ziege zu sagen – im Studio, und riss mit wenigen Sätzen die Fassade spießiger ZDF-Gemütlichkeit ein. „Unbesorgt, ja förmlich tollkühn, äsen sie an fast senkrecht abfallenden Wänden“, in diesem Falle am schmalen Grat von Beleidigung und Verunglimpfung. Doch wo die Ziege Halt findet, rutschte Böhmermann ab, jedenfalls in den Augen der Bundesregierung. Die Kanzlerin selbst machte sich zum traurigen Handlanger der türkischen Regierung und (vor)verurteilte den Moderator.

Die Union lässt die Maske fallen

Prompt folgte jetzt die Zustimmung zur Anklageerhebung gegen Böhmermann. CDU und CSU setzten sich durch und zeigen, was sie zum Thema Kunst- und Meinungsfreiheit denken: Das sollen lieber ein paar unbedeutende Richter entscheiden, nicht die gewählte Regierung des deutschen Volkes. Eine unwürdige Lösung, die zeigt, wie tief sich die Bundesregierung inzwischen in Abhängigkeiten zu Erdogan verstrickt hat. Immerhin wahrten die SPD-Minister ihr Gesicht und stimmten gegen die Anklageerhebung. Sie werden in Würde mit dieser Koalition untergehen. Doch die Union hat ihre Maske fallen lassen: Durchregieren um jeden Preis, auch wenn dabei Glaubwürdigkeit und Anstand auf der Strecke bleiben. Immerhin schafft es so der kleine mittelmäßig begabte Böhmermann jetzt sogar auf das SPIEGEL-Cover – eine zweifelhafte Ehre.

Heiko Maas: Der „Lakai“ als Justizminister

Doch die genierlichste Gestalt der Großen Koalition in Sachen Freiheit ist Merkels Justizminister Heiko Maas. Einst gerierte sich der Ziehsohn Oscar Lafontaines als großer Gegner der Vorratsdatenspeicherung, dann kippte er plötzlich um und wurde zum Befürworter der zweifelhaften Datensammelwut. Die Charakterstärke von Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, die einst als Justizministerin wegen des von der CDU gewünschten „großen Lauschangriffs“, einer später vom Verfassungsgericht als illegal gekippten Schnüffelei zurücktrat, hatte Maas nicht. Das Amt war offensichtlich wichtiger als das Rückgrat. Höhnisch bezeichnete der SPIEGEL Maas prompt als „Lakaien“.

Das große Schweigen: Kein Wort zur Meinungsfreiheit

Bereits zur Causa Extra 3 war von Maas nichts zu hören. Kein Wort zur im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit. Der Justizminister, dessen wichtigstes Anliegen ein Gesetz gegen angeblich verstärkt auftretende sexistische Werbung ist, schweigt lieber wenn ein Regime wie das Erdogans die Kunst- und Meinungsfreiheit und damit eine der Grundfesten des demokratischen Europa aushöhlt. Und schlimmer noch: Trotz fast 2.000 dubioser Verfahren gegen türkische Journalisten wegen Präsidentenbeleidigung, ist der Minister Maas für den Beitritt der Erdogan-Türkei zur Europäischen Union. „Der Justizbetrieb und die Rechtspolitik sind ihm fremd, hier hat er sich noch nie hervorgetan“, schrieb Heribert Prantl schon resigniert 2013 in der Süddeutschen Zeitung. Tatsächlich ist die Bühne von Maas die TV-Talkshow, in der er penetrant moralisiert und sich von seinem eigenen Pressesprecher begeistert dafür beklatschen lässt.

„Schneiden Sie Herrn Böhmermann die Eier ab“

Es brauchte den Eulenspiegel Böhmermann um die ganze Erbärmlichkeit der Bundesregierung in Sachen Freiheit und Katzbuckelei gegenüber dem Regime Erdogan zu offenbaren. Das politische Establishment von SPD und CDU in Berlin hüllt sich bis heute in lautes Schweigen. Es blieb Sache des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer, Erdogan eine deutliche Antwort zu geben nachdem die türkische Regierung dessen Gedicht als „Schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet hatte. Palmer schrieb in einem offenen Brief sarkastisch an den Diktator vom Bosporus: „Es ist zu erwarten, dass daher die angemessen harte Strafe nur möglich ist, wenn sie in der Türkei erfolgt. Schneiden Sie Herrn Böhmermann die Eier ab, damit er sich nie wieder über Präsidenten mit kurzem Schwanz lustig macht.“

Der Gestank der Diktatur weht herüber

Und so bleibt zum Schluss noch einmal Alfred Brehms Bemerkung über den Geruch der von Jan Böhmermann erwähnten und angeblich gefickten Ziegen: „Erwähnenswert ist schließlich noch der durchdringende Geruch, bezeichnend Bockgestank genannt, womit alle Ziegen unsere Nasen beleidigen.“ Es ist der Gestank einer beginnenden Diktatur am Bosporus, der jetzt zu uns herüberweht. Der selbstverliebte Narr Böhmermann hat vermutlich mit seinem dreisten und geschmacklosen Gedicht über diesen Gestank mehr für die offene Gesellschaft getan, als Heiko Maas und Angela Merkel.

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2 Kommentare

  1. Great post I would like to thank you for the efforts.

  2. Danke… das ist ein wirklich toller Beitrag!!!!

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