Der Griff ins verbale Klo: Die schönsten und ordinärsten Grobheiten unserer Politiker

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Von „Eierkraulern“ und „Hodentötern“

Wolfgang Schäuble ist ein „Kürzungstaliban“ – das sagt Sarah Wagenknecht über den sparsamen Finanzminister. Mal davon abgesehen, dass sich die Taliban wohl weniger mit Fiskalpolitik als mit Kalaschnikows und Exekutionen befassen, war der Griff der schönen Sarah ins verbale Klo immerhin der FAZ eine Empörung wert. Dabei gibt es weitaus deftigere Beleidigungen, die medial ungesühnt blieben. Eine kleine Sammlung der schönsten Pöbeleien.

Ganz weit oben stehen die Herren der Schöpfung, deren gute Anzüge nicht über ihre proletenhaften Neigungen hinwegtäuschen können: Michel Glos nannte den damaligen Außenminister Joschka Fischer einen „Zuhälter“, Fischer wiederum nannte einst den Bundestagspräsidenten Richard Stücklen ein „Arschloch“. Bayerns Staatschef Franz-Josef Strauß betitelte Gegner als „Ratten und Schmeißfliegen“, Herbert Wehner bezeichnete den CDU Abgeordneten Jürgen Wohlrabe als „Schwein“ – und Griechenlands Möchtegern-Politstar Yanis Varoufakis die EU-Gremien als „Terroristen“. Auch Frauen können übrigens manchmal richtig vulgär sein: Die heutige Umweltministerin Barbara Hendricks nannte den FDP-Chef Christian Lindner in einer Bundestagsdebatte höhnisch den „größten Eierkrauler dieses Parlamentes“.

„Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen!“

Und es geht noch plumper: Hertha Däubler-Gmelin, immerhin Justizministerin unter Gerhard Schröder, verglich US-Präsident George Bush mit Adolf Hitler – und Helmut Kohl setzte einst Michail Gorbatschow mit dem geifernden Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gleich. Den Spitzenplatz unter den aktuellen ordinären Pöblern aber hält wohl Ronald Pofalla mit der Äußerung gegenüber seinem Parteifreund Wolfgang Bosbach: „„Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen. Ich kann Deine Scheiße nicht mehr hören“. Von dem so angegangenen Parteifreund waren übrigens keinerlei böse Repliken zu vernehmen, Bosbach blieb rheinischer Gentleman.

Was aber treibt vor allen Dingen die Herren unserer so genannten politischen Elite immer wieder dazu, so gern zu pöbeln oder auch mal so richtig geschmacklos zu vergleichen? Eine Ursache ist sicherlich die mediale Aufmerksamkeit. Sieger in der journalistischen Wahrnehmung bleibt meistens in einer Auseinandersetzung derjenige, der entweder besonders derb ist oder aber besonders einfallsreich in seinen Beleidigungen. Hinzugekommen ist die scheinbar einmalige Chance für Hinterbänkler, sich bei Facebook oder Twitter aus der grauen Masse der bedeutungslosen Abgeordneten zu erheben.

Werden Wahlen „mit Titten und Beinen“ gewonnen?

Manchmal ist es sicherlich auch die Hitze der Debatte – und wohl auch die fehlende Kinderstube und das Gefühl, sich online alles erlauben zu dürfen. Wie die Feststellung des bis zu den Wahlen in Hamburg völlig unbekannten Grünen-Politikers Jörg Rupp: Der twitterte hämisch-machohaft über den Erfolg von FDP-Spitzenfrau Katja Suding „muss man sich mal vorstellen: mit Titten und Beinen anstatt Inhalten!“ Das war wohl nicht nur der Neid der Besitzlosen, sondern auch die Wut über das eigene schlechte Abschneiden bei den Wahlen zur Bürgerschaft. Der unweigerliche Shitstorm folgte und Rupp verschwand wieder im politischen Nirvana.

Auf der ewigen Bestenliste der Grobheiten bleibt Rupp zu Recht ein Niemand im Vergleich zu Herbert Wehner. Den schon erwähnten CDU-Mann Wohlrabe nannte er boshaft-vergnügt mehrfach „Übelkrähe“ und den heutigen Islam-Globetrotter und früheren Unions-Rechtsausleger Jürgen Todenhöfer bezeichnete er gern als „Hodentöter“, die Vorschläge eines Unions-Abgeordneten als „geistiges Eintopfgericht“. Was trieb Wehner, so vom Leder zu ziehen? War das witzig, geistreich oder nur die Lust an verbaler Stänkerei? Vielleicht kam bei „Onkel Herbert“ auch einfach manchmal der einstige KPD-Agitator wieder durch.

Der Kanzler und die „Nervenheilanstalt“

Wehners alter Dauerrivale Franz-Josef Strauß stand ihm übrigens in nichts nach. Das rhetorische Urvieh der CSU geizte nicht mit Derbheiten und war immer ein Grenzgänger des guten Geschmacks. Demonstranten giftete er vom Rednerpult an, sie wären alle „Gehirnprothesenträger“ und zu Kanzler Helmut Schmidt stellte er fest, dieser sei „reif für die Nervenheilanstalt“ und außerdem „ein Schwein“. Auch Koalitionspartner schonte er nicht: Hans-Dietrich Genscher sei eine „Edelkurtisane zwischen zwei Monarchen“ (gemeint waren die Kanzler Schmidt und Kohl). Prompt nannte ihn Schmidts Genosse Horst Ehmke ein „bayerisches Rumpelstilzchen“.

Die „FDPisser“ sollen erschossen werden

Neben diesen Klassikern der politischen Subkultur, bliebe noch nachzutragen, was die jüngere Generation in Amt und Würden so von sich gibt. Erst vor Kurzem bezeichnete der heute längst zu Recht vergessene SPD-Politiker Daniel Rousta die Liberalen auf Facebook als „FDPisser“ und sorgte für Empörung. Die FDP schlug in Gestalt eines kleinen Kommunalpolitikers namens Michael Marquard erbarmungslos zurück. Der beschimpfte online die Gegner von Stuttgart 21 als „alte gefrustete Weiber“ und „nach altem Schweiß stinkende, rumbrüllende Männer ohne jeden Anstand“ – und löste prompt damit einen Shitstorm aus. Die Angegriffenen zahlten übrigens mit gleicher Münze heim: Ihre Vorschläge reichten bis hin zur Forderung nach Erschießungen für FDP-Mitglieder.

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