Der „Sozialistenkanal“ macht weiter: Die neue Staffel „Die Höhle der Löwen“ startet

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Gute Gründer lassen Kätzchen schnurren

Kurt Tucholsky brachte die Gemütslage der Deutschen mit einem tierischen Vergleich auf den Punkt: „Die Katze ist ein freier Mitarbeiter, der Hund ein Angestellter“. Selbständigkeit und freie Mitarbeit bleiben den meisten Deutschen suspekt. Dabei kann genau dass aufregend sein – und VOX zeigt ab dem 18. August in der Business-Show „Die Höhle der Löwen“, wie Menschen ihr Leben mit Geschäftsideen selbst in die Hand nehmen. Eine Wirtschaftssendung ganz anderer Art, spannend wie ein Krimi.

Prompt rief zum Start vor einem Jahr die einzige deutsche Gründershow in den Medien ein großes Echo hervor. Startups, die Investoren ihre Ideen vorstellen und um Beteiligung werben? Das ist den meisten Journalisten fremd. Wenn jemand Geld braucht, so beantragt er es in diesem Land beim Staat, nicht in einer TV-Sendung. Das Format produziere wie andere Castingshows auch, vor allem Verlierer in Serie, ätzte der SPIEGEL im vergangenen Sommer. „Die Häme darüber macht den geheimen Unterhaltungswert der Sendung aus“. Die ganzseitigen Anzeigen zum Start der neuen Staffel druckt das Magazin jetzt zur zweiten Staffel aber gern.

Fakten, Fakten, Fakten – wo der FOCUS irrte

Der FOCUS, angeblich bekannt für „Fakten, Fakten, Fakten“, setzte voller geheuchelter Abscheu noch eins drauf: „Verkaufs-Show auf dem Fleischmarkt der Schwachen: Im „Käfig der Löwen“ wirft Vox arme, naive Erfinder einem blut- und geldgierigen Club von Investoren zum Fraß vor. Die Sendung zeigt Kapitalismus anschaulich – von seiner widerwärtigen Seite.“ Ausgerechnet der konservative FOCUS geriert sich als Speerspitze gegen den jetzt auch noch angeblich vom Fernsehen gefütterten „Raubtierkapitalismus“? Mal abgesehen davon, dass die Sendung nicht „Käfig der Löwen heißt“, wie der FOCUS schreibt, wird wer „Die Höhle der Löwen“ verfolgt, rasch feststellen, dass die Gründer-Show eben keine grausame Sänger-Schlachtbank ist wie Dieter Bohlens DSDS. Aber stänkern gehört eben auch zum Journalisten-Handwerk.

Angebot und Nachfrage im Alltag

Freilich verzichtet „Die Höhle der Löwen“ nicht auf genretypische Musik und Dramaturgie – aber das gehört zum Fernsehen dazu, wie der Senf zur Wurst. Wer das kritisiert, hat das Medium nicht verstanden und würde vermutlich auch bei einer Fußballübertragung den Fan-Lärm im Stadion monieren. Dass in der ersten Sendung vor einem Jahr in anderthalb Stunden nur zwei Deals zustande kamen, mochten manche Zuschauer popelig finden. Doch gerade das zeichnet die „Die Höhle der Löwen“ aus: Hier wird nicht wahllos Geld als Belohnung für banale Antworten auf belanglose Fragen gönnerhaft unters Volk geworfen, sondern hier müssen echte Menschen überzeugen. Es gewinnt nicht der, der in der Lage ist, das Theorem von Angebot und Nachfrage akademisch zu erklären, sondern es im Alltag praktisch anwenden kann.

Der Untergang des Abendlandes findet nicht statt

Dass gerade die Medien, die jedes „Dschungelcamp“ begleiten und hinter der Fassade vom gepredigten Untergang des Abendlandes ihre Gier nach Schauergeschichten kaum verbergen können, wider den angeblichen TV-Ungeist wetterten, verwundert kaum. Es geht ihnen nicht um vielleicht etwas zu dick aufgetragene Musik und dramaturgische Ecken und Kanten. Es geht ihnen um angeblich schutzbedürftige kleine Katzen und gefährliche Raubtiere, die in „Die Höhle der Löwen“ zu sehen sind. So ein kleiner Ausschnitt aus dem wahren Gründer- und Investorenleben ist in der Republik der Hunde wohl auch für manche angestellte Redakteure nur schwer zu ertragen.

Doch wer wie der Autor dieser Zeilen seit Jahren im Sinne Tucholskys sein Leben als Katze führt und beruflich die TV-Miezen, nämlich die Investoren in „Die Höhle der Löwen“ alle persönlich kennengelernt hat, weiß, dass diese Löwen nicht nur brüllen, sondern auch wie Kätzchen schnurren können: Man muss sie mit guten Ideen und Humor streicheln. Schon aus diesem Grunde lohnt es sich, ab dem kommenden Dienstag fortan um 20.15 Uhr bei VOX, dem „Sozialistenkanal“ wie FOCUS den Sender hämisch nannte, einen Blick in „Die Höhle der Löwen“ zu werfen – und abzuwarten, wie die Kollegen bei SPIEGEL und FOCUS diesesmal das Format begleiten.

Übrigens: Diejenigen, die auf diesem Foto so fröhlich in die Kamera schnurren, sind Katzenfreunde aus dem Team des Formates, die den Löwen schon mal den Platz im Studio warmhalten.

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