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Von der „Welt-AG“ zur Trickser-Truppe: Wie Volkswagen selbstverschuldet abschmiert

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Nach dem Puff der Kolbenfresser

Ausgerechnet das Vorzeigeunternehmen Volkswagen trickst in ganz großem Stil. Mit manipulierter Software führte der Konzern die US-Umweltbehörde hinters Licht. Wie ein Ladendieb hat sich VW gedacht: Das machen doch alle so – uns erwischt schon keiner. Leider dumm gelaufen. Der Betrug flog auf. Was für ein mittelständisches Unternehmen der Todesstoß wäre, versucht man jetzt in Wolfsburg mit Crash-PR verzweifelt klein zu halten. Dabei weiß jeder: Das könnte ein böser Kolbenfresser für Vorstandschef Martin Winterkorn werden.

Was sich VW geleistet hat, ist ein schönes Beispiel für Verblendung von Konzernen – und wenn es richtig dumm kommt, auch ein Beleg für die Grenzen des Wachstums. Denn der klügste Schlachtenlenker an der Vorstandsspitze ist nicht gegen die Dummheit seiner subalternen Eiferer gefeit, die mit kurzfristigen Verkaufszahlen und Tricksereien glänzen wollen, bevor sie ihre Karriere in einem anderen Konzern zu noch höheren Gehältern fortsetzen. Bei VW waren übrigens mehr als nur Gauner am Werk: Der Versuch, die strengen US-Emissionsgesetze zu umgehen, ist nicht nur Trickserei, sondern kriminell. Und in diesem Ausmaß organisierte automobile Kriminalität. Dabei ist es erst ein paar Jahre her, dass VW mit Puff-Reisen für Betriebsräte für Schlagzeilen sorgte und Personalvorstand Peter Hartz verurteilt wurde.

Chlorhuhn versus Kübelwagen

Mancher zittert vor dem Chlorhuhn, mit dem uns die USA heimsuchen und unsere edle Umweltgesetzgebung aushöhlen wollen. Doch Volkswagen, Erfinder des legendären Kübelwagens der Wehrmacht, hat den Amerikanern schon vor der Ankunft des ersten Huhnes das Chlor millionenfach vergolten: In Form von tausenden Tonnen Abgasen. Mit manipulierter Software führte der deutsche Konzern die US-Umweltbehörde EPA hinters Licht und blies in Wahrheit mehr als zehn Mal so viel Schadstoffe in die Welt, wie messbar waren. Doch die angeblich umweltpolitisch so bornierten Amerikaner kamen den Autoschiebern aus der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ auf die Schliche: Fast 500.000 VW waren manipuliert und ebenso viele Kunden betrogen worden.

Alles muss raus: VW-Aktien im Schlussverkauf

Bis zu 18 Milliarden Dollar Strafzahlung drohen VW jetzt in den USA. Die Schummelei kann weitreichende Konsequenzen haben: Der betroffene Motorentyp ist weltweit in elf Millionen Fahrzeugen verbaut. Der Autokonzern stellte vorsichtshalber schon einmal 6,5 Milliarden Euro zurück und sprach eine Gewinnwarnung aus. Der Aktienkurs stürzte ins Bodenlose – wer immer schon einmal VW-Aktien im Depot haben wollte, kann jetzt im Schlussverkauf günstig zugreifen. Was die Spekulanten freut, ist Gift für die deutsche Wirtschaft. Der Traum von der „Welt-AG“ aus Wolfsburg wird zum Alptraum: Auch Behörden in Deutschland, Südkorea, der Schweiz und Frankreich haben angekündigt, VW-Autos auf Manipulationen zu untersuchen.

Politiker verhätscheln gern Gewerkschaften und Konzerne

Der Ausverkauf der Kronjuwelen der Deutschen Wirtschaft hat schon vor längerer Zeit begonnen – man erinnere sich nur an die Trickseren der Deutschen Bank oder an die Korruptionsaffäre bei Siemens. Auch das Reich der Telekom schrumpft von Jahr zu Jahr, die Energieversorger bekommen den Atomausstieg nicht in den Griff. Jetzt taumelt mit VW ein weiterer Gigant. Die von der Politik immer wieder verhätschelten und gepäppelten Konzerne mögen Brutstätten für Gewerkschaften und hochbezahltes Management sein, Vorbilder für Innovation sind sie selten. Wieder einmal wird deutlich, wo das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sitzt: Im Mittelstand und im Handwerk, nicht bei den Softwarehackern irgendeines Autokonzerns.

Winterkorn sitzt in der Abgasfalle

Jahrzehntelang haben wir über die grobschlächtigen Spritfresser made in Detroit gelästert. Miese Spaltmaße, billige Verarbeitung und Motoren, die schon der Großvater kannte und für Murks hielt. GM und Ford bauten bis vor kurzem Modelle die so innovativ waren, wie eine Trabant Strech-Limousine mit Klimaanlage und Automatik. Doch das ist vorbei. Die US-Konzerne haben die Krise vor acht Jahren wider Erwarten gemeistert und arbeiten hart am Comeback. Sie können jetzt ganz entspannt abwarten, ob VW sich wohl aus der Abgasfalle befreien kann – und wer Martin Winterkorns Nachfolger wird.

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Ein Kommentar

  1. Letztendlich musste damit gerechnet werden, dass sich das ganze nach den vielen negativen Schlagzeilen auch auf die Aktien auswirkt. Die aktuelle Entwicklung dazu kann man sich auch auf http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-aktien/volkswagen-ag-vz.htm anschauen. Ich bin sehr gespannt, wie sich das ganze in Zukunft noch entwickeln wird.

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