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Der unglaubliche Walter Freiwald: Auch ein Dschungelkönig hat das Zeug zum Präsidenten

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Gaucks Nachfolger redet sich schon mal warm

Beim RTL-Shop sahen ihn Millionen Menschen im Milbenkostüm – dann ging er in den Dschungel. Und dort platzte es aus Walter Freiwald heraus: Er wollte 2010 den Präsidentenjob von Horst Köhler. Und das mit Recht: Schließlich kann jeder Deutsche, der das 40. Lebensjahr vollendet hat, Bundespräsident werden, heißt es im Grundgesetz. So dachte sich das der heute 60jährige vor einigen Jahren und bewarb sich bei der SPD für dieses Amt. Jetzt stellte Yasmin Fahimi, die Generalsekretärin der SPD, sein vertrauliches Bewerbungsschreiben ins Netz.

Eines haben Walter Freiwald und Yasmin Fahimi sicherlich noch vor ein paar Wochen gemein gehabt: Ihre Popularität konnte eine Auffrischung gebrauchen. Aber auf eines verstehen sich der Teleshopping-Moderator a.D. und die rote Generalin auch: wirkungsvolle PR im richtigen Moment. Der seit längerem arbeitslose Freiwald hatte sich schon vor dem eigentlichen Start des Dschungelcamps gekonnt zurück in das Gedächtnis der Zuschauer gefaselt: Erst bekam sein Ex-Kollege Harry Wijnvoord mit ein paar Derbheiten sein Fett weg, dann protzte Walter mit seiner Duz-Freundschaft zum „Günter“ und zum „Thomas“, die dem gemeinen Zuschauer auch als Jauch und Gottschalk ein Begriff sind.

Der Mann im Milbenkostüm als Präsident

Während Wijnvoord – schon zu Zeiten von „Der Preis ist heiß“ eine der Zielscheiben für die Freiwaldschen Bosheiten – entnervt zurückkeilte und Walter öffentlich als „cholerisch“ bezeichnete, schwiegen die beiden Show-Titanen Jauch und Gottschalk weise. Doch Walter, der einst im grandiosen Milbenkostüm allergikerfreundliche Matratzen beim RTL-Shop unters Volk brachte, wäre nicht Walter, wenn er nicht jetzt erneut das Nähkästchen vor dem intellektuellen Forum der Dschungelgemeinde geöffnet und daraus munter von seiner Bewerbung als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vor fünf Jahren geplaudert hätte.

Walters sozialdemokratische Gene

Wer allerdings dachte, ihm wäre vielleicht ein vergorener Kakerlaken-Cocktail auf den Verstand geschlagen, sah sich getäuscht: Der umtriebige Mann mit der immer noch sonoren Stimme hatte sich tatsächlich 2010 für das höchste Amt im Staate in Position gebracht. Per vertraulicher E-Mail warb er bei der SPD um Unterstützung für seinen Plan einer Kandidatur. Die richtigen Gene für die Sozialdemokraten bringt der ewige Zweite von Harrys Preis durchaus mit: Seine Eltern waren beide in der SPD. Walter war außerdem „Programmdirektor von RTL“ (Walter über Walter), ist ein Arbeitstier und spricht Englisch. Außerdem sei er es gewohnt, vor großem Publikum zu reden. „Ich bin äußerst sozial und gerecht und habe Kraft für drei und jede Menge Humor“, preist er sich in einem Bewerbungsschreiben an. Wer je mit Walter zusammen gearbeitet hat, weiß, dass er damit nicht übertreibt.

Noch mehr Humor als Heinrich Lübke

Hand aufs Herz, liebe Bundesversammlung: Der ungekrönte König des Dschungels bringt hier Softskills ins Spiel, die wir bei manchen Bundespräsidenten schmerzlich vermisst haben. Wirklich ausgeprägten Humor gab es nur bei Heinrich Lübke und dieser Humor war äußerst unfreiwillig. Vor großem Publikum zu sprechen fiel Lübke im Gegensatz zu Walter schwer, mal vergaß er den Namen des Ortes an dem er war (1961 in Helmstedt) mal war seine Begeisterung über sanitäre Anlagen in Afrika (auf Madagaskar 1966) so groß, dass er erfreut feststellte: „Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden!“ Gleichermaßen hatte er schon 1964 Gefallen am Iran gefunden: „Dann kamen wir nach Teheran – und da habe gleich gesehen: Die Leute waren sauber gewaschen!“

Deutschland zwischen Bobbycar und Drückerkönig

Weit weniger Saubermann als Lübke war Christian Wulf, dessen Position Walter schon 2010 gemeinsam mit der SPD anstrebte. Der Niedersachse pöbelte BILD-Chefredakteur Kai Diekmann grob die Mailbox voll, machte politisch umstrittenen Urlaub beim Drückerkönig Carsten Maschmeyer und eierte wochenlang durch die Medien mit windelweichen Erklärungen zum Kredit seines leberwurstfarbenen Hauses und eines Bobbycars. Das Lavieren des Präsidenten Wulff hat in seiner ganzen politischen Peinlichkeit jeden bisherigen Bewohner des Dschungelcamps in den Schatten gestellt, wobei sicherlich seine adrette tätowierte Ex-Frau Bettina eine Bereicherung des Casts der nächsten Staffel sein könnte.

Eine konkrete Ansage für die Zeit nach Gauck?

Kurzum: Yasmin Fahimi tat recht daran, Walters Bewerbungsschreiben öffentlich zu machen. Dass es bisher mit einem Bundespräsidenten Walter Freiwald nicht geklappt hat, bedeutet nicht, dass es nicht vielleicht doch noch zu einer Kandidatur für die SPD kommen könnte. Immerhin schreibt Generalsekretärin Fahimi auf ihrer Facebook-Seite: „Nun drücke ich Walter die Daumen, dass er in Australien mit seiner Bewerbung mehr Glück hat und „Dschungelkönig“ wird. Als gekröntes Haupt empfange ich ihn dann gerne im Willy-Brandt-Haus, um mit ihm seine weiteren beruflichen Pläne zu erörtern.“ Eine konkrete Ansage für die Zeit nach Gauck? Oder ein Hinweis darauf, dass der Präsident nicht mehr wie bisher von Parteien in Hinterzimmern ausgekungelt wird, sondern die unbestechlichen RTL-Zuschauer wie beim Dschungelcamp entscheiden? Für mich auf jeden Fall ein Grund, Walters Autogrammkarte aus der letzten „Der Preis ist heiß“-Produktion von 1997, die ich hier erstmalig der sicherlich staunenden Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe, noch lange sorgfältig aufzubewahren.

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2 Kommentare

  1. Klasse geschrieben!!

  2. klasse artikel–passt wunderbar!

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