Kaputte Brücken, defekte Hubschrauber: Das Land als Schrottplatz

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Die Ludolfs der großen Koalition

Das Land verkommt: Schulen, Straßen, Bundeswehr – aus den deutschen „blühenden Landschaften“ hat die Politik der Großen Koalition eine graue Dauerbaustelle gemacht. Statt Innovation und Mangelbeseitigung dominieren Flickschusterei und Verleugnung von Problemen. Jahrelang wurde gekonnt ausgesessen. Doch mittlerweile hat die Wirklichkeit die Bundesregierung eingeholt.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in der DDR erinnern – kaputte Straßen, zerbröselnde Fassaden, schäbige Kasernen, vergammelte Schulgebäude. Auf lädierten Brücken durfte man nur Schritt fahren und in öffentlichen Gebäuden konnte man die Pfade der Mitarbeiter im Linoleum sehen. Nur die Nutznießer des Systems schwatzten unverdrossen vom Sozialismus in seinem Lauf, den weder Ochs noch Esel aufhalten würden.

Wie im Westen, so auf Erden, sollte alles nach der Wende anders werden. Wer aber heute durch Deutschland einig Vaterland wandert, reibt sich die Augen. Denn hinter den Fassaden gammelt das neue Deutschland genau vor sich hin, wie das alte. Marode Schulen, kaputte Straßen und Brücken, morbide Schienenstränge – und eine Armee, die vielleicht noch für einen zünftigen Auftritt im Rosenmontagszug gerüstet ist, deren Material ansonsten aber eher an das große Schrottlager der Gebrüder Ludolf erinnert.

Wie ein mitfühlender Therapeut nur portionsweise die böse Wahrheit kundtut, so haben die verantwortlichen Politiker mit ihrer Salamitaktik über den wahren Zustand der Republik lange die Menschen in Sicherheit gewogen. Desolate Straßen und Infrastruktur – kein Thema, mit dem man Wahlen gewinnen kann. Was aber viel ärgerlicher ist: Besserung ist nicht in Sicht, denn auch in den kommenden Jahren sind keine größeren Investitionen geplant.

Nur zweite Wahl: Deutsche Verkehrsminister

Leider sind auch die zuständigen Bundesminister für dieses Lebensnetz der Wirtschaft nie als große Geistesheroen aufgefallen. Ein kleiner Rückblick:

  • Manfred Stolpe: Unter seiner Ägide begann das Drama Lkw-Maut. Ein jahrelanges Hickhack, das Milliarden kostete.
  • Wolfgang Tiefensee: Er wollte Hartz IV-Empfänger als Sicherheitskräfte in Zügen einsetzen und vermurkste die Privatisierung der Bahn, bei der er mit dem Grundgesetz in Konflikt geriet.
  • Peter Ramsauer: Trotz eifriger Dementis bleibt er einer der Verursacher der Milliardenpleite beim Berliner Flughafen BER.
  • Alexander Dobrindt: Er verzettelt sich seit Monaten in völlig aberwitzigen Maut-Plänen, die mit EU-Recht kollidieren und deren wahllose Planerei vermutlich schon jetzt Millionen verschlungen hat.

Trümmerhaufen Bundeswehr

Aber nun wollen wir über eine der lädierten Straßen mit ihren Baustellen einen kleinen Ausflug in eine Bundeswehrkaserne machen. Denn während mancher Politiker einst in großkotziger Feldherrenpose verkündete, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt, steht die Heimatfront vor der Kapitulation. Das Thema äußere Sicherheit wurde über Jahre diskret vermieden. Wie beim Thema Infrastruktur, kam auch hier übrigens ganz plötzlich das böse Erwachen – und viele Politiker taten so, als hätten sie von nichts gewusst.

Quasi über Nacht haben wir nun erfahren: Die deutsche Bundeswehr ist ein trauriger Trümmerhaufen. Luftfahrzeuge, Kettenfahrzeufge, Waffentechnik: Wie bei den Ludolfs wird sich schon lange aus Ersatzteilen und Schrott bedient. Kannibalisieren heißt das bereits seit Jahren bei der Truppe. Aus zwei oder drei maroden Panzern bastelt man dann einen einzigen, der noch in der Lage ist, sich halbwegs von der Stelle zu bewegen – ganz zu schweigen vom peinlichen Eiertanz um das Gewehr G 36.

Die Ludolfs und die Kaffeemaschine im Ministerium

Wenn jetzt noch – wie in der jüngsten Ausgabe des SPIEGEL angemerkt – ruchbar wird, dass dieser jämmerliche Zustand von Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums womöglich jahrelang dem Bundestag verheimlicht wurde, sind wir schon mittendrin im nächsten Skandal. „Einen Abgrund an Landesverrat“, hätte Konrad Adenauer wohl zu dieser Taktik der Ministerial-Bürokratie gesagt, die damit die Verteidigung des Landes vielleicht schon seit Jahren aus blankem Eigennutz gefährdet, um sich selbst Privilegien und politische Beförderungen zu erhalten. Ein unanständiges Spiel auf dem Rücken von Soldaten und Soldatinnen, die überall auf der Welt Konflikte lösen sollen.

Die deutschen Verteidigungsminister haben viele Jahre lang unterdessen wohl die bequeme Arbeitsweise der Gebrüder Ludolf angewendet: Sie sitzen dösend neben dem Telefon und warten, dass sich mal jemand von den Verbündeten meldet und irgendein Teil braucht. Dann stapft man durch die großen Hallen mit Gerümpel und schaut, ob man aus dem alten Krempel für einen Out-Of-Area-Einsatz irgendwo noch ein paar Hubschrauber oder Panzer zusammenschrauben kann. Und wenn nicht – dann kümmert man sich wieder um die Kaffeemaschine im Büro und lässt die anderen die Arbeit machen. Hauptsache, man fällt bis zur nächsten Wahl nicht unangenehm auf…

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Ein Kommentar

  1. Ein Trauerspiel – vermutlich würden die Ludolfs sogar noch agiler arbeiten, als die GroKo. Immerhin haben die Brüder schon so manchen Schrotthaufen von Auto wieder zum Leben erweckt…

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