Die Zukunft ist schon da …

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Internetwoche in Köln: Die Digitalisierung der Gesellschaft

Et bliev nix, wie et wor – so heißt es im kölschen Grundgesetz § 5 und so könnte man die digitalisierte Zukunft beschreiben. Neue Technologien erfassen, verarbeiten und deuten (!) bereits heute riesige Datenmengen sekundenschnell und wirbeln das Gewohnte durcheinander. Intelligente Kühlschränke, selbstfahrende Autos oder Autos, die den müden Fahrer freundlich zu einer Pause mahnen, sind keine Zukunftsmusik und nur ein winziger Ausschnitt der neuen Welt. Die Dinge denken für den Menschen und erleichtern den Alltag. Sehr praktisch. Wollen wir das wirklich?

Intelligent Things

Ob wir das wollen, steht nicht zur Debatte, denn zumindest die technologische Entwicklung lässt sich wohl kaum aufhalten. Was das bedeutet, darüber diskutierten die Referenten des TEDx Salons im Rahmen der Internetwoche Köln #iwcgn14. Wenn das sogenannte Internet der Dinge bereits heute als digitaler sechster Sinn genutzt wird, wenn die Interaktion der Menschen mit Dingen immer weniger eine bewusste Handlung ist (weil Daten aus immer mehr Quellen gewonnen und verarbeitet werden können, so dass die Dinge schon vor einer bewussten menschlichen Anweisung in Aktion treten), wenn also on- und offline immer vernetzter werden – dann wird logischer Weise auch die Abhängigkeit von dieser digitalen Welt und die Gefahr staatlicher Überwachung oder von Hackerangriffen immer größer. Arzu Uyan, Wirtschaftsingenieurin und angehende Webwissenschaftlerin, warnt:

Ob wir in Zukunft in einer Utopie leben oder in Orwells Dystopie, hängt von uns ab – von der Gesellschaft und damit von jedem einzelnen. Die Zukunft entscheidet sich im Hier und im Jetzt.

Intelligent things

Wenn Dinge denken …

 Daten an die Macht?

Philipp Riederle gehört zu den Digital Natives und versteht sich selbst als „ Young Guyde“ durch die moderne Industriegesellschaft. Der bemerkenswert eloquente junge Mann fragt in seinem Vortrag provokativ: Brauchen wir in Zeiten, in denen theoretisch jeder mit jedem in Kontakt treten, auf Informationen zugreifen und selbst Informationen publizieren kann, überhaupt noch klassische Medien? Fachkundige Journalisten könnten auch ohne diese mit der Öffentlichkeit kommunizieren.

Er geht noch weiter: Brauchen wir noch klassische Unternehmen, wenn jeder mit z.B. Crowdfunding seine Ideen realisieren kann? Wenn der 3-D-Drucker in jedem Haushalt steht und Bauanleitungen kostenlos im Internet zu finden sind? Brauchen wir noch Bauern, wenn intelligente Geräte viel effektiver arbeiten? Welchen Sinn haben Taxifahrer in selbstfahrenden Autos? Kurz – wie und was arbeiten wir in Zukunft?

Und im Privatleben: Ist ein Date noch ein Date, wenn mit Hilfe von Big Data (z.B. Googlebrille) das Gegenüber völlig durchleuchtet wird? Wenn ich also beim ersten Treffen direkt weiß, dass der eigentlich ganz sympathische, attraktive und wortwitzige Typ seine Freundinnen wechselt wie die Unterwäsche, mit seinen Nachbarn im Rechtsstreit liegt und einen Ordnungsfimmel hat – gebe ich ihm dann überhaupt eine Chance? Wer entscheidet dann – mein Bauchgefühl oder die Daten? Und was wäre besser, meine Bauchgefühl kann sich schließlich irren.

Intelligent People

Was wir brauchen, sind in jedem Fall denkende Menschen. Die sich mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzen, um sie zu verstehen und im positiven Sinn zu nutzen. Um Gefahren zu erkennen und Lösungen zu finden. Um genauso intelligent zu sein wie die Dinge, damit diese uns nicht beherrschen. Mit „denkenden Menschen“ meine ich nicht eine kleine, technologisch versierte Elite. Ich meine alle Menschen.

„Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet!“ – formuliert es das kölsche Grundgesetz ,§6, und so sehen es auch einige aus meinem Bekanntenkreis. Es nützt aber nichts, Neues zu verdrängen oder gar zu verdammen, denn es ist auch ohne unser Einverständnis da. Man kann nicht wie ein kleines Kind die Hände vor die Augen legen, um nicht gesehen zu werden. Wir finden alle auch in der digitalen Welt statt, ob wir hingucken oder nicht.

Ich bin ein Babyboomer-Kind und treffe alleine in der Arbeitswelt schon heute auf die Generation Y und bald auch auf die Generation Z. Gilt noch das Prinzip „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr?“ Ich glaube nicht, denn Hans muss einiges nachholen, womit Hänschen als Digital Native wie selbstverständlich aufgewachsen ist. Deshalb ist es ziemlich schlau, von seinem hohen Ross „Ich bin älter, ich weiß mehr“ zu steigen und von den Jungen zu lernen. Oder zumindest deren Wissen anzuerkennen und mit ihnen zu kooperieren, man muss ja nicht alles selber können. Im Idealfall profitieren beide, denn natürlich haben die „Alten“ auch etwas zu bieten, mindestens Lebenserfahrung.

In diesem Sinne ist mein Motto: Dran bleiben und Zukunft mitgestalten! Ich finde das spannend!

 

Hans lernt von Hänschen

Hans lernt von Hänschen

 

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