Das Aus für Jogis „Rumpelfüßler“: Die Götterdämmerung des Deutschen Fußballs

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Laut, oberlehrerhaft, großkotzig

Ein bisschen war Deutschland vor der WM so, wie Markus Söder: Laut, oberlehrerhaft, großkotzig. Dieses Turnier – ein harmloser Spaziergang. Die Gruppengegner – allesamt Zwerge, die man wie welkes Laub vom Rasen blasen wird. „Mia san mia, was schert´s die deutsche Eiche, wenn sich die koreanische Sau daran scheuert. Doch das überraschende Aus passt zum geistig-politischen Zustand des Landes: Die Götterdämmerung für Joachim Löw und Angela Merkel hat begonnen.

Sommer 2014: Fußball-Deutschland ist Weltmeister. Ein unglaubliches 7:1 gegen Brasilien. Gegen Brasilien! Das Land des Fußballgottes! Herrliche Zeiten sah Deutschlands Kaiser Franz der Große auf das Land zukommen. Diese Mannschaft, so sprach der Monarch, begründe eine Vormachtstellung im Fußball, die der spanischen ähneln werde. Und so sollte es 2018 sein: Der in Reinhard Grindel so wunderbar Fleisch gewordene heilige Geist des DFB verkündete vor dem Spiel gegen Süd-Korea: „Wir werden wieder erleben, dass sich Fans von Schalke 04 und Borussia Dortmund in den Armen liegen, weil ein Spieler von Bayern München ein Tor geschossen hat.“

Zu viel Zeit im Tatoo-Studio vertrödelt

Doch im Sommer 2018 war nix mehr mit dem Motto des FC Bayern. „Mia san mia“ wurde zur unendlichen Blamage einer Elf, die anscheinend viel Muße hat, sich in Tatoo-Studios, beim Friseur und bei türkischen Präsidenten herum zu drücken, aber offensichtlich zu wenig Zeit auf dem Trainingsplatz verbrachte. Und so war schon nach dem vergeigten Auftakt gegen Mexiko das böse Ende zu ahnen. Der Weltmeister war angetreten, den Titel zu verteidigen und spielte doch nicht einmal wie einst die „Helden der Kreisklasse“ in der legendären Doku-Soap auf Kabel eins mit dem unsterblichen Manni Burgsmüller.

„Rumpelfüßler“ wäre für Jogis Truppe noch geschmeichelt

„Rumpelfüßler“ wäre für die Truppe von Joachim „Jogi“ Löw noch geschmeichelt und selbst der Trainer-Schatten „Sir“ Erich Ribbeck hätte eine Mannschaft kaum grauenvoller durch ein internationales Turnier führen können. Diese Elf, vom DFB zur Gelddruckmaschine „Die Mannschaft“ hoch gejazzt, ist aber auch ein Menetekel für den geistig-politischen Zustand des Landes. Große Klappe, auf die anderen herabschauen und auf deren Ansichten pfeifen: So hat sich auch die Große Koalition in den vergangenen Jahren im Herzen Europas eingerichtet. Und so, wie der FC Bayern den Kader der Löw-Truppe 2018 dominierte, so versucht auch gerade die CSU das Mannschaftsspiel in Deutschland zu beherrschen.

Strategien, die nicht aufgehen: Merkel und Löw

Angela Merkel und Jogi Löw haben sich böse verzockt: Ihre Strategien sind nicht aufgegangen. Aller Welt Feind oder zumindest Vormund, aber nur Gottes Freund zu sein, reicht im wahren Leben eben nicht aus. So wie sich in Fragen der Flüchtlings- oder Austeritätspolitik Deutschland immer wieder als das Maß aller Dinge sah, so fuhr auch „Die Mannschaft“ besoffen vor Selbstüberschätzung siegessicher nach Russland. Beide lernten in diesem Sommer: Süd-Korea und Schweden können ernsthaft kicken und auch mit den jetzt wieder geschmähten EU-Schmuddelkindern Ungarn und Italien muss man politische Kompromisse finden.

Das satte Land muss sich neu finden

Schon die Sponsoren hätten die Fußball-Auguren aufhorchen lassen können: Unter anderem ein halbstaatliches Unternehmen wie die Telekom, die seit Jahren erfolglos am Glasfasernetz bastelt, und diverse Autohersteller, deren Manager jetzt wegen Betruges Knasterfahrungen sammeln. Da zeigt sich das satte und geistig faule Land, das sich gigantische Flughafenruinen und marode Infrastruktur leistet und die Misere in der Pflege und der Altersversorgung nicht in den Griff bekommt. Es gärt immer deutlicher: Deutschland muss sich neu finden, sonst wird es abgehängt. Doch immerhin: Das Schicksal wird gnädig mit Merkel und Löw umgehen: So lange die Alternativen Annegret Kramp-Karrenbauer und Thomas Schneider heißen, sind ihre Jobs sicher.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Malte, das ist ein herzhaft schöner Bericht, eine Zusammenfassung des deutschen Elends, hervorgerufen von gnadenloser Überheblichkeit, bei einer absolut maroden Regierungsklique und abartig schlechen Sozial- und Bildungsstrukturen.

    In Bremen sammeln Eltern Geld, um die Klassenzimmer und Schulen ihrer Kinder vor dem Verfall zu bewahren und renovieren Schlen in kostenloser Eigenarbeit. Als ich das vor 6 Monaten Freunden in Bayern (heute unter dem heiligen Markus vielleicht eher; Baiern) erzählte, haben alle herthaft gelacht und behauptet, das sei ein von mir erfundenes Märchen! Armes Deutschland; aber wo sind die Politiker-Kopfe, die uns wieder aus der Krise führen (könnten)? Ich kenne jedenfalls keinen „Helfer in der Not“ – in absolut keiner Partei!

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