Ein böser brauner Tag für Köln: Et kütt eben, wie et kütt, wenn man nicht aufpasst.

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In Köln treffen sich Hooligans mit Neo-Nazis und demonstrieren vorgeblich gegen Salafisten. Die braunen Horden zeigen, dass sie in Punkto Gewalttätigkeit ihrem Pendent vom schwarzen Block in nichts nachstehen. Die Polizei: weitgehend hilflos. Und in der Politik setzen die üblichen Reflexe ein: Forderungen nach Einschränkung des Demonstrationsrechtes und stärkere Überwachung. Dabei hätte man auf den Terror von rechts vorbereitet sein können, denn et kütt eben wie et kütt, wenn man nicht aufpasst, das steht schon im rheinischen Grundgesetz.

Willkommen im Club der Randale, liebe Kölnerinnen und Kölner: Was Hamburger und Berliner seit vielen Jahren kennen, gehört nun auch zur Subkultur der Hauptstadt des rheinischen Frohsinns. Weit über 4.000 Fußball-Hooligans, mit Aggressionen aufgeladene Rechtsradikale und obskure angesoffene Schlachtenbummler heizten den Rheinländern am Wochenende ordentlich ein. Angeblich um gegen Salafisten und Islamisten zu demonstrieren, in Wirklichkeit aber um rohe Gewalt auf die Straße zu tragen.

 

Der Mob randaliert ganz ungeniert unter den Augen der Polizei

Und das gelang dem braunen Mob äußerst erfolgreich, denn die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen zeigten sich völlig überfordert. 1.300 Polizisten hatte das Land aufgeboten, also ein gut ausgerüsteter Beamter auf drei bis vier Randalierer – das sollte eigentlich ein günstiges Verhältnis sein, Ruhe und Ordnung zu wahren. Aber Fehlanzeige. Ein ernsthaft funktionierendes Konzept zur Gefahrenabwehr war kaum zu erkennen, auch wenn Kölns Polizeipräsident Albers sowie Innenminister Jäger krampfhaft nach dem Eklat versuchten, den Eindruck zu erwecken, man habe stets alles im Griff gehabt. Doch längst bestreiten Polizisten, die vor Ort waren, die Beschwichtigungsversionen der Politiker.

 

Wegschauen statt Festnehmen

Wer vielleicht noch heimlich anfangs Sympathie für die angekündigte Demo gehabt haben mochte, wurde rasch von den Ereignissen eines besseren belehrt. Die Bilder vom Breslauer Platz am Bahnhof erinnerten an aggressive SA-Männer, die sich rücksichtslos durch eine völlig überforderte Polizei den Weg bahnten. Und wie in der Weimarer Republik setzte die Staatsmacht ängstlich auf Defensive. Das von anderen Demos vertraute Bild der Festnahme von Rädelsführern und das Entfernen von Transparenten blieb aus. Schade eigentlich. Denn die Polizei hätte fette Beute machen können – wie etwa eine junge Frau mit dem entsetzlichen Aufdruck UNIVERSITY AUSCHWITZ, EST. 1941 auf dem T-Shirt.

 

Die längst widerlegte Legende von der Deeskalation

Aber auch besoffene Randalierer, Nazi-Parolen gröhlende Glatzköpfe, Rocker in verbotenen Kutten: Es hätte eine Menge rechtlicher Möglichkeiten gegeben, die Veranstaltung zu verbieten. Doch die Illusion einer „Deeskalations-Strategie“ der Politik führte wie schon so oft bei Demo-Gewaltmärschen in eine Sackgasse. Ganze 17 Festnahmen gab es – eine lachhafte Zahl angesichts hunderter ausgeführter Straftaten. Derselbe Staat, der unerbittlich Parksünder zur Strecke bringt, kapitulierte in Köln auf Wunsch der Politik bei Sachbeschädigungen, Landfriedensbruch, Volksverhetzung und fortgesetzter Körperverletzung. 44 Polizisten, die zum Teil schwere Blessuren davon trugen, können vor allen Dingen von letzterem ein Lied singen.

 

Und wieder einmal schlief wohl der Verfassungsschutz…

Dabei konnte lange im Vorfeld jeder ahnen, was sich zusammenbraute. Offen verabredeten sich die neuen SA-Stürme über soziale Netzwerke. Doch anscheinend hatten die V-Männer des Verfassungsschutzes, die immerhin einst fast den kompletten NPD-Vorstand stellen, alle ihren freien Tag oder schliefen wie schon zu Zeiten des NSU tief und fest. Anders lässt sich das große Erstaunen der Verantwortlichen in Politik und Polizei über die Größe des Aufmarsches nicht erklären. Möglicherweise aber klammerten sich Innenminister Jäger und sein Kölner Polizeipräsident Albers auch an die Paragrafen zwei und drei des rheinischen Grundgesetzes: „Et kütt wie et kütt!“ und „Et hät noch immer jot jejange!“ Was aber auch immer Jäger und seinen Polizeipräsidenten mit ihrem gescheiteten Einsatz umtrieb – für Köln war der 26. Oktober ein schwarzer – pardon – brauner Tag. Nur die Salafisten profitierten: Sie waren raus aus den Schlagzeilen.

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Ein Kommentar

  1. Schlimm! Das darf man doch nicht zulassen! Warum unternimmt die Polizei nichts im Vorfeld? Wenn ich betrunken Auto fahre, wartet doch auch niemand ab, bis ich jemanden überfahre, sondern stopt mich sofort.

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