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Frankie goes to Hollywood…

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Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind gefühlt wieder im Minusbereich, also genau dort, wo sie in den 80er Jahren schon mal waren. Dann sorgten Helmut Kohl und Michail Gorbatschow dafür, dass das Thermometer lange im Wohlfühlbereich blieb und Gerhard Schröder schaffte es mit seinem ganz besonderen Draht zum lupenreinen Demokraten Wladimir Putin, die Temperaturen auf den Level einer innigen Männerfreundschaft zu heben. Putins Dank an Schröder, auf diese Weise zügig der Pubertät der russischen Demokratiebewegung entronnen zu sein, blieb bekanntlich nicht aus.

Dann kam Angela Merkel mit ihren Außenministern Steinmeier und Westerwelle und während für letzteren in der Außenpolitik der böse Spruch Herbert Wehners galt, der einst auf Willy Brandt gemünzt hatte „der Herr badet gern lau“ – etablierte sich Steinmeier rasch und gestaltete Deutschlands Außenpolitik unauffällig und gelassen. Kein Zweifel, hier war ein Profi am Werk, dem die Schuhe Genschers mindestens so gut passten, wie diesem einst selbst.

 

Helmut Schmidt weiß alles besser

Doch seit der Krise in der Ukraine ist nichts mehr, wie es mal war. Und während der Herr Steinmeier sich bemüht, die Krise diplomatisch zu lösen und eine Eskalation zu verhindern, treten ihm viele der eigenen Genossen voll diebischer Freude auf die Füße, die in den Schuhen Genschers stecken. Klingt komisch, ist aber so. Ganz vorneweg der Herr Schmidt. Das ist ein uralter Mann, der mal Kanzler war, als ein Blog noch mit dem Bleistift beschrieben wurde und Mark Zuckerberg noch nicht einmal geboren war. Das Schöne am Herrn Schmidt ist, dass er als Kanzler vieles nicht auf die Kette bekam und deshalb heute nicht nur alles weiß, sondern vor allen Dingen besser weiß als alle seine Nachfolger zusammen.

Und dann sind da auch noch so einige andere ältere Herren in der SPD, die eigentlich längst die Finger von der Politik lassen sollten, aber wie vergreiste Ex-Geschäftsführer einfach ums Verrecken nicht kommentarlos zusehen wollen, wie die nächste Generation den Laden führt. Sie haben alle wie Helmut Schmidt ein naiv anmutendes Verständnis für den russischen Völkerrechtsbruch und die Eskalation der Separatisten, die aus Moskau befeuert wurde. Und auch Alt-Kanzler Gerhard Schröder hat seinen Spaß daran, seinem ehemaligen Mitarbeiter, dem Herrn Steinmeier, zu zeigen, wie man richtig Politik macht. Denn während der Herr Steinmeier sich einen Wolf vermittelt, turnt sein alter Chef bei Putin rum, knufft und herzt den lupenreinen Aggressor und hat so richtig Spaß daran. Klingt erst recht komisch, ist aber leider auch so.

 

Die Besserwisser und ihre Theorien

Und zu dieser ganzen Riege schnöseliger Besserwisser aus der eigenen Partei kommt dann noch ein peinlicher Tross aus allen möglichen anderen Putin-Fans: Alice Schwarzer, die sich momentan große Chancen ausrechnen kann, Nachbarin von Uli Hoeneß zu werden, Philipp Mißfelder, der als Chef der Jungen Union durch seniorenfeindliche Sprüche missfiel, Peter Gauweiler, der bis heute darunter leidet, nie sein Comingout-Out als schwarzer Intellektueller der CSU gehabt zu haben und natürlich die lustigen kleinen gefiederten Freunde von der PDS, wie der große Volksschauspieler Diether Dehm, den bisher kaum jemand kannte, der aber jetzt Oberwasser hat und mit markigen Verschwörungstheorien versucht, zweifelhafte Furore zu machen.

 

Mehr Verständnis für Putin?

Sie alle fordern mehr Verständnis für Putin, mal mit der Mahnung auf die deutsche Vergangenheit, mal mit dem Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland. Und ganz besonderes kreative Kritiker Steinmeiers wie eben jener Diether Dehm und die einstige ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz, sehen gar weitere teuflische Kräfte am Werk: Die „Massenmedien“ der „BRD“, die von der CIA gefüttert werden und mindestens seit 1933 völlig unwahr über politische Zusammenhänge in Deutschland, Russland und der Welt berichten…

Ja, lieber Frank-Walter Steinmeier, da darf Ihnen dann auch mal der Draht aus der Mütze fliegen – wie vor einigen Wochen, als Sie laut geworden sind nachdem ein Trupp von ferngesteuerten „Friedensaktivisten“ pöbelte. Sie haben klare Kante gezeigt und deutlich gemacht, dass eine Friedensmission weder aus dem Ärmel geschüttelt wird, noch durch Männerfreundschaften und das gemeinsame Verlegen von Gasleitungen entsteht.

Und endlich ist ein deutscher Politiker auch online mal erfolgreich: Über 2,6 Millionen Mal wurde die „Wutrede“ bisher abgerufen – damit hat der deutsche Außenminister in wenigen Tagen mehr Menschen im Netz erreicht, als so mancher Blockbuster an Zuschauern. Frank-Walter Steinmeier, ein Außenminister, der die Ärmel hochkrempelt und auch mal deftig austeilt – das gab`s in Deutschland so bisher noch nicht. Frank-Walter Steinmeier, ein Mann wie Harrison Ford in „Airforce One“. Frankie goes to Hollywood – und wenn er auch nur bis Kiew und Moskau kommt, haben wir alle auch schon viel gewonnen.

 

 

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