In Wolfsburg stinkt`s mal wieder: Dieses Mal nach geheuchelter Betroffenheit

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Der empörte kleine Tierfreund

Da ist er wieder, der fiese Gestank aus Wolfsburg: Versuche mit Affen sollten die Harmlosigkeit von Abgasen unter Beweis stellen. Kaum ist das Projekt aufgeflogen, heuchelt VW Betroffenheit. Vorstandschef Müller gab den empörten kleinen Tierfreund und wusch seine Hände in Unschuld. Doch kaum ein Konzern ist in Sachen Skandal so verkorkst wie VW – und derart mit der Politik verflochten.

Rückblende: Bereits 1974 beschäftigte sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen mit Abgastricksereien bei VW. Natürlich ohne irgendwelche Folgen, die Politik hielt schützend ihre Hand über den Konzern. Vor allen Dingen das Land Niedersachsen als einer der Eigentümer und die mächtige Gewerkschaft IG Metall versuchten stets, den Autobauer gegen Vorwürfe in Schutz zu nehmen. Auch deshalb ist es mehr als nur Zufall, dass immer wieder die SPD eine unrühmliche Rolle bei diesen Skandalen spielte.

Von Opernbällen, geklauten Akten und Schmiergeldern

Im Herbst 1996 reiste der niedersächsische Ministerpräsident – und VW-Aufsichtsrat – Gerhard Schröder mit seiner Frau Hiltrud mit VW zum Opernball nach Wien. Peinlich: Erst als aufflog, dass Schröder nicht selbst zahlte, überwies er seinen Reiseanteil. Ein Jahr später kam die Schmiergeldaffäre um ABB und Skoda ans Licht: VW-Angehörige sollen Schmiergelder vom Schweizer Unternehmen Asea Brown Boveri entgegengenommen haben, als der Anlagenbauer den Auftrag zum Bau einer neuen Lackiererei für Skoda erhielt. Auch der Skandal um Vorstand José Ignacio Lopez brachte VW in den 90ern in die Schlagzeilen: Der Spanier hatte bei seinem Wechsel von General Motors zu Volkswagen geheime Unterlagen geklaut.

Kraft durch Freude: Mit der Gewerkschaft in den Puff

Richtig pikant aber wurde es für VW ab 2004: Zähneknirschend gab das Unternehmen die Namen von sechs SPD-Abgeordneten bekannt, die auf der Gehaltsliste standen. Sie hatten zehn Jahre neben ihren Abgeordnetenbezügen weiter ihre Gehälter von VW bezogen – ohne dafür wirklich zu arbeiten. Nur ein Jahr später poppte der Skandal um die dubiosen Beziehungen führender Manager zu Gewerkschaftsfunktionären auf. Aus der Firmenleitung heraus wurden Mitglieder des Betriebsrates mit Bonuszahlungen, Luxusreisen und Nutten bestochen. Mittendrin: Peter Hartz, Personalvorstand, SPD- und Gewerkschaftsmitglied, Berater von Gerhard Schröder, Schöpfer von Hartz-IV – und inzwischen wegen Untreue vorbestraft.

Seltsame Cheflobbyisten und kleine Tierfreunde

Auch im Skandal um die im Auftrag von VW und anderen Autobauern Abgase schnüffelnden Affen, macht wieder ein Sozialdemokrat negative Schlagzeilen: Der Generalbevollmächtigte und Cheflobbyist Thomas Steg, seines Zeichens früher stellvertretender Regierungssprecher Schröders und Merkels. Steg soll für die Tierversuche mit Abgasen verantwortlich sein und wurde jetzt erst einmal von VW „beurlaubt“. Im Konzern ist man um Schadenbegrenzung bemüht, Vorstandschef Matthias Müller gab den empörten kleinen Tierfreund und wusch seine Hände in Unschuld. Ob die Verantwortung für die geschundenen Affen bei Steg endet oder weiter nach oben geht, wird sich noch zeigen.

Nix hören, nix sehen, nix sagen

Der Glanz der Kronjuwelen der deutschen Wirtschaft verblasst seit Jahren – man erinnere sich nur an die Trickseren der Deutschen Bank oder an die Korruptionsaffäre bei Siemens. Das Reich der Telekom schrumpft von Jahr zu Jahr, die Energieversorger bekommen den Atomausstieg nicht in den Griff und die Deutsche Bahn verrechnet sich um Milliarden beim Projekt Stuttgart 21. Die von der Politik immer wieder gehätschelten Konzerne sind Brutstätten für Seilschaften von Gewerkschaften und Managern, Vorbild für Innovationen sind sie selten. Und nicht nur VW hängt tief im Skandal um kriminelle Abgassoftware und Tierversuche, auch Daimler und BMW sind verstrickt. Und wie es sich für einen guten deutschen Skandal gehört, gaben führende Politiker lange die drei Affen: Nix hören, nix sehen, nix sagen.

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