Jackass und die Ice Bucket Challenge

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Die Regeln sind ganz einfach: wer sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießt und dann mehrere Leute nominiert, die dann 24 Stunden Zeit haben, es ihm gleich zu tun, spendet zehn Euro. Will man sich keinen Eimer Wasser über den Kopf gießen, soll man 100 Euro spenden. Die Challenge soll auf die Nervenkrankheit Amyothrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spendengelder für die ALS Association sammeln. Als „Beweis“ für das aktive Gutmenschentum wird ein Video samt Eiswasser und Spender hochgeladen.

Ob man sich unbedingt so produzieren muss, um Gutes zu tun, soll jeder selbst für sich entscheiden. Einige Menschen stehen allerdings im dringenden Verdacht der schamlosen Selbstdarstellung, denn seit Tagen sieht und hört man kaum noch etwas von ALS, umso mehr aber von gackernden Promis und Möchtegern-Promis, die sich gern leicht bekleidet übergießen lassen. Klar, dass es die üblichen Verdächtigen sind: Oliver Pocher, Helene Fischer, Matthias Schweighöfer, Sylvie Meis und irgendwelche GNTM aus dem Stall von Heidi Klum. Sie greifen via BILD, dem Zentralorgan des schlechten Geschmacks und anderer Medien mit dieser Tour PR-Budgets in einem Wert ab, den vermutlich kaum einer in dieser Höhe jemals in seinem Leben spenden wird.

 

Promi-PR-Maschine für das kleine Geld

Damit wird deutlich, was neben der ALS Association auch hinter dieser Kampagne steckt: Eine gewaltige PR-Maschine, die weltweit Promis für den lachhaften Einsatz eines Eimers Wasser und einer fast nie sichtbaren Spende Aufmerksamkeit ohne Ende verschafft. Ausgerechnet Steve-O, bekannt und berüchtigt durch Jackass und somit knallharter Profi in Sachen Selbstdarstellung, hielt der peinlichen Kübelgemeinde den Spiegel vor: Jeder ergötze sich an der Challenge, doch kaum noch ein Journalist geschweige denn ein Promi würde über ALS sprechen. Stattdessen schwelgt BILD im sabbernden Fremdschäm-Modus „Helene, Du bist heiß wie ein Vulkan!“. Mal sehen, ob Helene auch ihr „Sexy Sixpack“ in Stellung bringt, wenn es gegen den Hunger in der Welt geht, der täglich übrigens mehr Tote fordert, als ALS in den vergangenen zehn Jahren.

 

Das Skrotum und der Tacker

Zum Glück gibt es aber eine Vielzahl ganz normaler Menschen, prominent oder völlig unbekannt, die weder Aufmerksamkeit in BILD, Bams oder Glotze brauchen und dennoch gern für die Erforschung der unheimlichen Krankheit ALS spenden. Manche mit, manche ohne Eiskübel. Und ganz viele reden nicht einmal darüber. Sie unterstützen übrigens auch viele andere Hilfsprojekte in aller Welt und das oft schon seit vielen Jahren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Ice Bucket-Kritiker Steve-O nicht mit einer eigenen Challenge zu wessen Gunsten auch immer einschaltet: Er wurde vor Jahren dafür berühmt, dass er sich sein Scrotum an den Oberschenkel tackerte…

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