Keine Kanzlerdämmerung in Sicht: Es fehlt leider der echte Wille zur Macht

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Die sieben Todsünden der Sozialdemokraten

Die SPD hätte die Chance, Deutschland zu verändern. Doch der Wille zur Macht fehlt. Aus Angst vor irgendeiner Koalitionsaussage veranstaltet das Personal des Schulz-Zuges seit Monaten einen Schlingerkurs und verprellt nicht nur potentielle Regierungspartner, sondern offensichtlich auch die Wähler. Nur noch 24 Prozent der Deutschen würden nach neuesten Umfragen SPD wählen. Dabei ist eine starke SPD mit einem starken Programm im Wettbewerb der politischen Ideen dringend erforderlich. Schuld an der Misere sind diese sieben Todsünden im Kampf um das Kanzleramt.

Der fehlende Wille zur Macht

Es gibt eine wunderbare Anekdote aus der Jugend Gerhard Schröders: Als Juso soll er am Zaun des Kanzleramtes gerüttelt und gerufen haben „Ich will da rein!“ Dieser Gerhard Schröder war schon früh ein viriles Alpha-Tier mit der Kraft, durch Charisma, scharfe Analyse und Humor zu überzeugen. Bis heute sind seine dunklen Seiten wie die Freundschaft mit Putin oder sein Engagement für Gazprom in den Augen vieler Deutscher lässliche Sünden. Sein Erfolg überstrahlt alles. Schröder ist der Franz-Josef Strauß der SPD, ein großer, mächtiger und erfolgreicher Mann. Martin Schulz hingegen wird wohl für immer ein Horst Seehofer bleiben – ein ewiger Nörgler, der nicht zum Zuge kommt und das Erbe seiner Partei lieblos verwaltet.

Die Krönungsmesse des „Gottkanzlers“

Sich bei Kummer einen ansaufen und sich dann für die Größten halten: Das macht für eine Nacht glücklich, versaut aber den Tag danach und löst nicht ein einziges Problem. Die überdrehte Krönungsmesse des „Gottkanzlers“ war so ein Besäufnis. „Die Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein Realitätsverlust eingestellt und das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?“, lästerte Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück angesichts der 100 Prozent für Schulz auf dem Bundesparteitag. Kritisch analysierte er „Die Konzentration auf die Gerechtigkeit reicht nicht, es muss etwas dazukommen, das Fortschritt, Zukunftsoptionen verdeutlicht.“ Niemand nahm das als ernst zu nehmende Warnung, sondern als willkommenen Anlass, den verdienten Ex-Minister öffentlich zu geißeln. Vorneweg wie immer Ralf Stegner, gefolgt von dem bis heute zu recht völlig unbekannten Michael Roth, der offenbar die Gunst der Stunde nutzen wollte, endlich eine Handvoll armseliger Publicity zu bekommen.

Der Fahrplan des Schulz-Zuges

Den Fahrplan des Schulz-Zuges kennt offensichtlich nicht mal Martin Schulz. Ein mutloses Patchwork-Programm ohne Zukunftsvision, ohne Glamour, ohne Lust auf die Welt, die da kommen wird . Schröder legte energisch ein „Rot-Grünes Projekt“ auf und hatte den Mut, eine Agenda 2010 zu bauen. Zweimal hat die SPD Deutschland maßgeblich modernisiert: Mit Willy Brandt und Gerhard Schröder, mit der FDP und den Grünen. Doch heute lässt das Personal des Schulz-Zuges alle Nicht-SPD-Reisenden ratlos auf dem Bahnsteig zurück: Die CDU soll nicht mit auf die Lokomotive, die FDP nicht in die erste Klasse, die Grünen dürfen nicht in den Speisewagen, und die Linke darf nicht mal auf die Zug-Toilette. So fährt der Schulz-Zug unter Volldampf nach Nirgendwo und wird – wenn sich nicht fundamental etwas am Fahrplan ändert – bei der Bundestagswahl im September vier Jahre Verspätung haben.

Die Scheinriesen im Führungsteam

Der letzte große Bundespolitiker der SPD war Sigmar Gabriel. Unbequem, widersprüchlich aber voller Kraft und Ehrgeiz. Doch nie konnte er seine Möglichkeiten ausschöpfen. Umgeben von den politischen Scheinriesen Ralf Stegner, Heiko Maas und Manuela Schwesig führte der Bulle von Goslar vor allen Dingen einen zermürbenden Kampf gegen die eigenen Genossen. Diese haben nie verstanden, dass die Bundesregierung nicht der Asta einer Universität ist, sondern ein Verfassungsorgan, in dem nicht jeder seinen privaten Lieblingsthemen frönen kann. Sie verausgaben sich auf Nebenkriegsschauplätzen: Stegner sieht sich als letztes Bollwerk gegen den Faschismus, Maas hat sich mit seiner völlig verkorksten Hate-Speech–Gesetzgebung vergallopiert und Schwesig mit ihrer peinlichen Soli-Aktion für Gina-Lisa Lohfink im Dickicht der Banalitäten verheddert.

Der Kampf gegen Gerhard Schröder

Nach der Mehltau völligen Erstarrung der Kohl-Republik war es der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, der seiner SPD Zuversicht und unglaubliche Kraft gab. Er beendete mit mutigen, ja vielleicht manchmal auch tollkühnen Ideen den Stillstand in Deutschland. Er stieß das Tor zum neuen Jahrtausend auf. Was die CDU stets versprochen aber nie eingelöst hatte, gelang dem Mann aus Hannover: Der Umbau der alten Bundesrepublik zum neuen vereinten Deutschland mit großen Reformen des Arbeitsmarktes und einer selbstbewussten Außenpolitik. Arbeitsplätze, Wohlstand, Wachstum – bis heute profitiert das Land von Schröders Reformpolitik. Nur in der eigenen Partei gilt er heute leider nur noch als „Genosse der Bosse“.

Die Ignoranz gegen die Alten

Klaus von Dohnanyi, Peer Steinbrück, Wolfgang Clement, Heide Simonis, Franz Müntefering – es mangelt der SPD nicht an klugen alten Köpfen. Doch die Erfahrung der Generation Gerhard Schröder scheint keine Rolle mehr zu spielen. Schlimmer noch: Immer wieder wird sie öffentlich abgewatscht. Ihre Leistungen werden klein geredet. Weite Teile der heutigen SPD haben offensichtlich vergessen, wer das Land nach 1000 gefühlten Jahren Helmut Kohl fit für das 21. Jahrhundert gemacht hat. Heute geht Clement gern mal für die FDP in die Bütt und Peer Steinbrück lässt seinen Frust auf der Kabarett-Bühne raus. Heide Simonis machte bei RTL charmant in „Let`s Dance“ eine gute Figur und Dohnanyi ist gefragter Elder Statesman in Talkshows.

Die hängenden Mundwinkel von Ralf Stegner

Ralf Stegner hat ein einziges Talent: Sich immer wieder in Szene zu setzen. Schon erstaunlich, welchen Raum man in der SPD dem erfahrenen Wahlverlierer aus der Provinz gibt. Doch spätestens seit dem legendären TV-Duell zwischen Nixon und Kennedy von 1960 wissen wir, wie entscheidend die Macht der Bilder ist. Nixon vergeigte seinen Auftritt durch muffiges und aggressives Verhalten. Das Nixon-Gesicht bei der SPD heißt Ralf Stegner. Negative Energie ohne Ende – da kann Martin Schulz noch so freundlich lächeln. Stegner gehört im Wahlkampf höchstens ins Kieler Lokalradio, ansonsten werden seine hängenden Mundwinkel und die perfektionierte schlechte Laune weiterhin dafür sorgen, dass die Zukunft der SPD genauso so wird wie sein Gesicht.

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