Kopflose Medien und die Gewalt

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Was islamistischer Terror bedeutet, war halbwegs gebildeten Menschen eigentlich schon immer klar – dazu bedurfte es nicht der IS. Während aber in Deutschland noch Narren in Politik und Gesellschaft darüber diskutierten, ob die Scharia nicht vielleicht ein Teil der deutschen Strafordnung sein könnte, haben die Terroristen längst eine härtere Gangart eingelegt. Pressefreiheit ist für sie westliches Teufelswerk – und wird schlicht mit dem Tode bestraft.

Wie mittelalterliche Gotteskrieger denken, erfuhr der US-Journalist James Foley am eigenen Leib. Vor laufender Kamera wurde der 40-Jährige brutal enthauptet. Die IS-Terroristen, dem Westen spinnefeind gegenüber, wissen durchaus dessen Errungenschaften wie Youtube und Twitter zu nutzen: Ihr Opfer war kaum tot, da luden sie schon dessen Ermordung hoch. Foley ist damit ein weiteres der unzähligen Opfer der Gotteskrieger. Die Zahl der Toten dürfte längst die Einwohnerzahl einer deutschen Großstadt überschritten haben.

Erstaunlicherweise aber macht erst der ermordete Foley die Medien kopflos: Darf man die Bilder, die seine Mörder zu Propagandazwecken drehten, zeigen? Ist das den Menschen in aller Welt zumutbar? Muss hier nicht zensiert werden? Bisher hatten die Nachrichtenagenturen weltweit wenig Skrupel, die Gräueltaten der IS-Terroristen zu zeigen. Und das mit Recht. Journalisten sind Chronisten und Berichterstatter. Viele entsetzliche Ereignisse wurden durch Journalisten enthüllt und haben den Blick auf die Welt verändert.

 

Die Toten von Bergen-Belsen klagen an

Erst vor wenigen Tagen waren zur besten Sendezeit wieder die Toten von Bergen-Belsen im TV zu sehen, die in riesige Gräber geschaufelt wurden. Kamerablicke in Gesichter, in denen die Hölle des NS-Systems auch noch im Tode sichtbar ist. Geschundene, nackte und verhungerte Menschen. Szenen voll unbeschreiblichen Grauens. Bilder, die der Propagandaapparat der Nazis aus gutem Grund niemals gedreht hätte. Es waren die Alliierten, die deutsche Zuschauer zwangen, diese traumatischen Bilder anzuschauen und darüber nachzudenken, welchem entsetzlichen System sie zwölf Jahre lang die Treue gehalten hatten.

 

Selbstzensur dient nur den IS-Terroristen

Wer heute meint, die IS wolle mit dem Enthauptungsvideo Foleys Angst und Schrecken verbreiten, hat Recht. Diese Bilder machen Angst. Noch mehr Angst aber sollte man haben, wenn eine Terrororganisation bereits international so mächtig ist, dass sie die freie Presse der westlichen Welt zur Selbstzensur zwingt. Denn der vorauseilende Gehorsam ist der Kern aller Diktaturen.

Vielleicht aber gibt es noch eine ganz andere, eine verborgene Angst vieler Medienmacher: Würden die Bilder der Ermordung Foleys überhaupt noch für Entsetzen sorgen? Oder aber ist ein Millionenpublikum, dass sich seit Jahren an Hollywood-Blockbustern mit grauenhaften Folterungen und Morden ergötzt, gar nicht mehr in der Lage, Unmenschlichkeit zu erkennen?

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