Neue Studie zeigt: Attraktivität ist eines der wichtigsten Entscheidungskriterien bei Wahlen

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Schöne Politiker will das Land

Was zählt, sind die inneren Werte, nicht der schöne äußere Schein? Von wegen. Politiker, die als attraktiv wahrgenommen werden, werden häufiger gewählt als die grauen Mäuse. Eine neue Studie der Uni Düsseldorf zeigt: Schönheit ist nicht alles – aber ohne Schönheit ist schnell alles nichts. Ein Blick auf Gerhard Schröder, Christian Lindner oder Sarah Wagenknecht scheint das zu bestätigen.

Heinrich VIII., König von England, wusste genau, worauf es ankam: Ein schöner Mann hatte kräftige Waden. Entsprechend wählte er seine Kleidung aus – und wehe, der Hofschneider verstand es nicht, die herrlichen Beine des Königs richtig in Szene zu setzen. So entsprach es dem damaligen Schönheitsideal. Eines der wenigen zeitgenössischen Gemälde zeigt den wuchtigen Monarchen und Frauenverschleißer mit engen weißen Kniestrümpfen und einer reich verzierten sogenannten Schamkapsel zwischen den Beinen, die in jeder Hinsicht signalisierte, über welch gewaltige Macht König Heinrich gebot.

„Der Kampf der schönen Männer“

Weniger um Schamkapseln und Kniestrümpfe ging es 1987 in Schleswig-Holstein. Smart, drahtig, charmant, so präsentierten sich SPD-Herausforderer Björn Engholm und der amtierende CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel. „Der Kampf der schönen Männer“, schrieb folgerichtig eine Zeitung. Der Unionsmann verlor, doch das lag weniger daran, dass Engholm vielleicht noch etwas schöner war, sondern vor allen Dingen an Uwe Barschels unschönen Machenschaften, die in eine Badewanne führten. Ohnehin war die SPD in Sachen Attraktivität früher oft überlegen: Der introvertierte Willy Brandt, der schneidige Helmut Schmidt und auch der Ehefrauen verschleißende Gerhard Schröder haben bis heute den Ruf, stets deutlich besser ausgesehen zu haben, als ihre Gegner Barzel, Kohl oder Stoiber.

Attraktivität bringt Wahlerfolg

Zur Bundestagswahl 2017 untersuchte die Heinrich-Heine-Universität den Zusammenhang zwischen Attraktivität und Wahlerfolg. Für die Studie hatten die Wissenschaftler alle Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen der Landeslisten sowie sämtliche Direktkandidaten untersucht, insgesamt rund 1.700 Personen. Sie wurden von einer Jury aus zwölf Männern und zwölf Frauen auf einer Attraktivitätsskala von null (unattraktiv) bis sechs (sehr attraktiv) bewertet. Das verblüffende Ergebnis: Die physische Attraktivität erwies sich in der Studie als zweitwichtigstes Entscheidungskriterium überhaupt. Nur die individuelle Bekanntheit der einzelnen Kandidaten war noch wichtiger als ihr Aussehen.

Christian und Sarah sind am schönsten

Betrachtet man die Spitzenkandidaten, hat Christian Lindner mit 3,43 Punkten bei den Männern klar die Nase vorn. Damit  steht er in der Tradition des einstigen FDP-Chefs Erich Mende: Der wurde wegen seiner pompösen Auftritte mit Frack und Orden von Frauen wie Männern gern halb belustigt, halb bewundernd „Der schöne Erich“ genannt. Bei den Frauen führt Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht mit 4,08 Punkten. Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel erreichte 3,25 Punkte, es folgen die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckhard (2,58) und Cem Özdemir (2,13) sowie SPD-Chef Martin Schulz (1,67). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erreichte nur 1,04 Punkte. Das Schlusslicht bildet AfD-Frontmann Alexander Gauland mit 0,54 Punkten. Wie aber die Betroffenen in Sachen Optik nachbessern können, verrieten die Forscher nicht. Immerhin analysierte der Komiker Fips Asmussen eine der möglichen Ursachen: „Was macht Angela Merkel mit ihren alten Klamotten? – Sie trägt sie!“

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