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Nur keine Angst: Es gibt kein besseres Argument für die Wiederbelebung Europas als Trump

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Das furchtbare Tier der Offenbarung

Spätestens seit der Kündigung des Klimaabkommens wissen wir: Das Ende der Welt ist nahe. Die Hure Babylon in Gestalt der USA stellt sich gegen den Rest der Welt. Die Zeichen mehren sich: Bereits dreimal hat der SPIEGEL 2017 dem Tier der Offenbarung, auch Donald Trump genannt, ein Titelbild gewidmet. Wenn das kein Zeichen ist – dreimal krähte auch der Hahn in der Nacht, in der Jesus verraten wurde.

Wie eine furchtbare flammende Schrift erscheint nun auch noch das Wort „covfefe“ auf den Smartphones der Welt und kündet die Apokalypse geistiger Verwirrung an. Eine Mauer gegen Mexico – da war der Turmbau zu Babel höchstens auf dem Niveau des BER. Das gekündigte Klimaabkommen – die biblische Sintflut war im Vergleich dazu ein lauer Sommerregen. Einreiseverbote für Muslime – die Wanderungen der Kinder Israels durch die Wüste sind dagegen ein durchschnittlicher Wandertag. Manipulationen der US-Wahl – der Verrat des Judas erscheint in diesem Zusammenhang höchstens wie die billige Retourkutsche eines verschmähten Liebhabers.

Der Antichrist in Amerika wird vor Angst schlottern

Das Böse in Gestalt des gelbhaarigen Kaisers Nero scheint unaufhaltsam. Wie sich einst der Prophet Elija gegen die Götzendiener des Baal stellte, so hat Martin Schulz sich gegen den Satan USA gewendet: „Deshalb ist das Gebot der Stunde, sich diesem Mann mit allem, was wir vertreten, in den Weg zu stellen.“ Noch ist Schulz nicht wie Elija mit feurigen Rossen gen Himmel gefahren, doch der Schulz-Zug steht bekanntlich unter Volldampf. Der Antichrist in Amerika wird vermutlich vor Angst schlottern vor der Prophezeiung des Gottkanzlers, die da entschlüsselt lautet: Wahrlich, wahrlich, ich aber sage Euch, es wird geben ein großes Heulen und Zähneklappern in Washington nach der Bundestagswahl.

Das beste Argument für die Wiederbelebung Europas heißt Trump

Klappern gehört natürlich in den Zeiten sinkender Umfragewerte gerade bei der SPD zum Handwerk. Doch Trump ist weder der Antichrist, noch ist er die Inkarnation der USA. Und wenn man einmal genauer hinsieht, hat Trump bisher sogar viel für Deutschland und Europa geleistet, freilich völlig unabsichtlich. Hätten deutsche Geheimdienste einen Präsidenten in Washington installieren wollen, wäre für diese Aufgabe kaum ein geeigneterer Mann als der eitle, ewig polternde Twitter-Freak in Frage gekommen. Er wirkt wie das überholte Gegenmodel zur Welt des 21. Jahrhunderts und bietet für moderne Politiker eine großartige Projektionsfläche für alles anachronistische, das Europa längst hinter sich gelassen hat. Es gibt kein besseres Argument für die Wiederbelebung europäischer Größe als Donald Trump, der sich bisher vor allen Dingen als lame duck gezeigt, wenn es eng wurde. Seine Mauer steht bis heute nicht, seine Einreiseverbote kippten die US-Gerichte und selbst aus dem Klimaabkommen kann er frühestens 2020 aussteigen.

Der Mehltau fällt von Europa ab

So befeuert Trumps Nationalismus stattdessen erneut den Gedanken an eine starke europäische Union, die von seinen geistigen Freunden wie Marine Le Pen, Boris Johnson und Frauke Petry längst totgesagt wurde. Plötzlich ertönt in Frankreich zum Amtsantritt des Präsidenten die Europa-Hymne, fällt – wenn auch im Schneckentempo – der Mehltau von der Idee eines gemeinsamen starken Europa ab. Dank der ungefilterten Grobheiten des US-Präsidenten rücken vor allen Dingen Deutschland und Frankreich, jahrzehntelang Motor der europäischen Einigung, wieder stärker zusammen, ohne den britischen Keil, den frühere US-Präsidenten hineintrieben wenn sie zu viel Machtfülle des Kontinents fürchteten. Selbst ein System autonomer europäischer Verteidigung steht heute nach der Rede Trumps zur Nato wieder auf der Tagesordnung.

Der US-Protektionismus als gewaltige Chance

Trumps antiquierter Protektionismus ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Chance für Europa. China, der starke Wirtschaftsmotor Asiens, wird zunehmend verstärkt mit deutscher Unterstützung laufen – künftig auch bei der Entwicklung moderner Umwelttechnologien. Damit ist die wirtschaftliche Erschließung eines gewaltigen Zukunftsmarktes mit maßgeblicher deutscher Beteiligung möglich. Selbst die noch zögerlichen Rechts-Konservativen in der CDU die keine Gelegenheit auslassen, ihrer Kanzlerin in den Rücken zu fallen, werden das noch merken und in absehbarer Zeit scheinheilig verkünden, genau das sei von Anfang an ihre Idee gewesen.

„Take the money and run“

Die angedrohte trump`sche Abkehr wird bei deutschen Unternehmen neue Energien freisetzen, den eingeengten US-Markt durch die Eroberung neuer Märkte zu kompensieren. Macht der Präsident seine protektionistischen Drohungen wahr, kann einem kurzfristigen Einbruch ein neuer, kräftiger Konjunkturschub in Europa folgen. Bleibt es hingegen nur bei einer Drohung, werden die neuen Märkte dennoch im Focus bleiben. Ob Trump das Ende von Amerikas Weltmarktführerschaft einläutet, mag dahingestellt sein – schon zu oft haben erfolgreiche Spekulanten wie George Soros dieses angekündigt. In jedem Falle aber hat Trump den Börsen Europas einen nachhaltigen Schub gegeben, an dessen absehbarem Ende die alte Weisheit „Take the money and run“ steht und viel Geld in die Kriegskasse von Anlegern wandern wird.

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