Özil und Gündogan: Das peinliche Posing mit Erdogan ist ein geschickter PR-Coup des Despoten

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Der Ball ist wund

Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben gezeigt, wie cool es ist, ordentlich Kohle zu machen und auf politische Moral zu pfeiffen. Wenn man allerdings Politiker wie Ex-Kanzler Schröder als Benchmark für den Aufstieg aus kleinen Verhältnissen und Kumpanei mit Diktatoren nimmt, haben die beiden alles richtig gemacht. Internationaler Fußball und Politik haben eben leider mit Moral und heiler Welt genauso wenig zu tun, wie diese mit einem Pornofilm: Dort wird am Ende bekanntlich auch nicht geheiratet.

Fußball ist gern mal „spürbar anders“ und für manche angeblich auch „lebenslang grün-weiß“ – aber diese lauwarmen Marketingsprüche wurden nur für sentimentale Fans erfunden. Wer selbst mal gespielt hat, weiß, dass sich schon in den unteren Ligen nichts geschenkt wird. Ähnlich wie in der Politik wird gefoult, gepöbelt und lustvoll nachgetreten. Und wie die Politik ist Fußball ein Business, bei dem jeder versucht, die Hand aufzuhalten und mitzumischen – was hätten ansonsten die Hersteller von Hörgeräten oder vorbestrafte Wurstfabrikanten in den Chefetagen der Clubs verloren. Das Reich von „König Fußball“ wird von unmündigen TV-Zuschauern via Rundfunkabgabe co-finanziert und von ehemaligen Politikern über eine Firma namens „Deutscher Fußballbund“ regiert. Drei Milliarden Euro werden jede Saison allein in der 1.Bundesliga umgesetzt.

Zwei halbgare Burschen und ein Despoten-Posing

So viel zu den guten Nachrichten aus der seit Jahren boomenden Branche. Die schlechte: Zwei politisch vermutlich halbgare Burschen haben mit ihrem Doppelpass gerade so ziemlich jeden Gegner nass gemacht. Mesut Özil und Ilkay Gündogan posierten in London mit dem türkischen Präsidenten Erdogan, Inhaber einer Nato-Lizenz und eines gut dotierten Flüchtlingsvertrages aus der Hand der Bundesregierung. Die beiden Buben schleimten sich offenbar an den Despoten heran und überreichten ihm Trikotagen mit peinlichen Ergebenheitsadressen. Dabei entstanden Bilder, die dem Gedanken an Humanität ungefähr so förderlich sind, wie vor geraumer Zeit die Aufnahmen von Gerhard Schröder, der seinem Busenfreund Putin zur gefühlten 500. Wiederwahl gratulierte.

Mit dem Diktator morgens am Buffet

Nur Volltrottel, die immer noch glauben, Uli Hoeneß sei unschuldig und der HSV das Opfer ungerechter Punkteverteilung, haben nicht gemerkt, welches politische Spiel Özil und Gündogan bewusst treiben. Erdogan will vorgezogene Wahlen, da passen zwei deutsche Nationalspieler mit doppelter Staatsbürgerschaft hervorragend ins Konzept. Die türkische Gemeinde in der Bundesrepublik ist dem Machthaber mehrheitlich wohlgesonnen und erfreute ihn bisher mit guten Wahlergebnissen. Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben ihre Aktion gut vorbereitet. Ein zufälliges Treffen sei das Date mit Erdogan gewesen, hieß es – als ob man einen Diktator morgens mal eben am Saftautomaten des Frühstücksbuffets entdeckt.

Erdogans Freunde geben ihr letztes Hemd

Außerdem macht das Posing deutlich: Erdogan hat überall prominente Freunde, die im wahrsten Sinne des Wortes ihr letztes Hemd für ihn geben. So ist der Diktator weiter auf dem Weg in die Champions League der Despoten. Und welch angenehmer Nebeneffekt: Gleichzeitig lässt sich noch Öl ins nationalistische Feuer der AfD gießen. Prompt geiferten die üblichen Verdächtigen der Rechtsausleger los und beunruhigen so manchen Türken, der wiederum nach Schutz durch Erdogan rufen wird.  Alles in allem: Eine gelungene Aktion, vermutlich sorgfältig vorbereitet von PR-Profis des türkischen Präsidenten und sicherlich auch mit entsprechenden Gegenleistungen für Özil und Gündogan verbunden. Ein Schmierenstück der Propaganda – kein Wunder, da kocht die deutsche Fan-Seele vor Empörung, inklusive Angela Merkel und Cem Özdemir.

Das hält der deutsche Fußball aus

Aber jetzt mal wieder für Erwachsene: Ein Sport, der den Steuerhinterzieher Hoeneß und den bekennenden Viktor Orban-Freund Lothar Matthäus hervorgebracht hat, ein Sport, der es völlig normal findet, seine Weltmeisterschaft im Land des Menschenverächters Putin abzuhalten und Sepp Blatter fast 20 Jahre lang als FIFA-Präsidenten aushielt, wird wohl auch die Erdogan-Jünger verkraften – auch wenn es der Mehrheit der Deutschen gefallen würde, wenn sie bei der WM nicht dabei wären – mir übrigens auch. Doch leider gelten schon lange nicht mehr die großen Worte des Fußballphilosophen Max Merkel – heute ist der Ball längst wund und ein Spiel dauert immer so lange, bis der FC Bayern Deutscher Meister geworden ist und am Betzenberg selbst bei Fritz-Walter-Wetter nichts mehr geht…

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