Oskar Lafontaine und Alexander Gauland: Kleine Männer, große Populisten

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Vorhang auf für Waldorf und Stadler

Kleiner Wuchs, große Ambitionen – und voller Verachtung für die „Altparteien“: Alexander Gauland und Oskar Lafontaine verbindet mehr, als man im ersten Moment denkt. Beide waren sie einst Parteisoldaten, der eine in der SPD, der andere in der CDU. Dann fühlten sie sich schlecht behandelt – und machten ihren eigenen politischen Laden auf. Lafontaine und Gauland: Zwei extreme Populisten im Gewand des Biedermannes mit dem Niveau von Waldorf und Stadler.

Das schönste an Oscar Lafontaine ist vermutlich seine Frau. Denn an politischer Ästhetik hat der Populist von der Saar nicht viel zu bieten. Dafür geht seine Saat auf: Die SPD schrumpft seit Jahren. Und das aus seiner Sicht zu Recht – schließlich hat sie sich ihres genialsten Kopfes, nämlich des seinigen, verweigert. Das miserable Abschneiden der Sozialdemokraten ist nicht nur dem Mann aus Würselen geschuldet, sondern einer Entwicklung, die im März 1999 begann, als der damalige Finanzminister Lafontaine sich ungeliebt fühlte, der Regierung Schröder die Brocken hinwarf und seitdem besonders gern gegen seine alte Partei, die SPD, ätzt. Doch auch seine heutige politische Heimat, Die Linke, dürfte wenig Freude an seinen Thesen – etwa gegen Flüchtlinge – haben.

Kübel voller Hass und Aggressionen

Fremdenhass gegen Russlanddeutsche, Nazi-Vergleiche gegen Helmut Schmidt, Traktate über einen „ökologischen Sozialismus“ und eine Fülle Bücher hat Lafontaine zustande gebracht und viel Geld damit verdient. Geistig substantielles war selten dabei, dennoch gab es vor 25 Jahren eine unglaubliche Euphorie an deutschen Universitäten: Linke Professoren hielten eigens Seminare ab, die seiner politischen Haltung huldigten. Gerade seine Absage an die Wiedervereinigung, die Willy Brandt tief traf und Helmut Schmidt resigniert eine „verdiente Niederlage“ bei der Bundestagswahl 1990 prophezeien ließ, galt als hipp unter intellektuellen Zwergen westdeutscher Prägung. Die Kübel voller Hass und Aggressionen, die Lafontaine schon damals über seine Gegner ausschüttete, störten seine Fans nie sondern entzückten seine Jünger.

Alexander Gauland – Lafontaines Bruder im Geiste

Mit der Bundestagswahl 2017 hat Lafontaine nun endlich einen veritablen Bruder im Geiste: Alexander Gauland, einen in der CDU kläglich gescheiteten Konservativen, der sich ebenfalls an seiner alten Partei abarbeitet und mit der AfD seinen reaktionären Traum von einer anderen Republik verwirklichen will. Das zweistellige Ergebnis für die AfD ging massiv auf Kosten der Union und ist auch die Rache des früheren CDU-Funktionärs Gauland. Der Mann mit dem bescheidenen Outfit eines harmlosen englischen Landadeligen verpackt Hetze und Grobheit mit Nonchalance in seine Reden Er will jetzt die Kanzlerin „jagen“ und lobt die deutsche Wehrmacht, er wollte die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung in Anatolien „entsorgen“ und ätzte, kein Deutscher wolle den dunkelhäutigen Fußballer Boateng als Nachbarn haben. Man darf gewiss sein, dass er als AfD-Fraktionsvorsitzender bereits an neuen Provokationen bastelt. Wie sein linker Zwilling Lafontaine sieht er sich als Anwalt des kleinen Mannes, für dessen Rechte man mit allen Mitteln streiten muss.

Ein Fall für die Muppet-Show

So wie Lafontaine die SPD seit fast 20 Jahren bekämpft, so bekämpft Gauland seit geraumer Zeit die CDU. Das Dauerfeuer gegen die beiden Volksparteien wird im neuen Bundestag nicht schwächer werden. Bei ARD und ZDF wird man sich der brachialen Rhetorik und dem damit verbundenem hohen Unterhaltungswert in Talkshows den zwei verbitterten alten Männer kaum entziehen können. Dabei ließe sich aus den beiden Populisten medial weitaus mehr machen: Gemeinsam könnten sie die Plätze von Waldorf und Stadler einnehmen und in einer Neuauflage der Muppet Show ihren grotesken Tiraden freien Lauf lassen.

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Ein Kommentar

  1. Angela Merkel als Miss Piggy könnte klappen – aber wer ist Kermit? Lindner oder Özdemir ;-)?

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