Religiöse Frauenfeindlichkeit bei Anne Will – und Manuela Schwesig schweigt

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Islamismus in der Primetime

Nein, es ist nicht Hape Kerkeling, der sich komplett verschleiert hat und mit grotesken Thesen aufwartet. Es ist auch nicht Mathias Riechling, der als verrückte Islamistin auftritt. Eine Schweizer Konvertitin namens Nora Illi macht Reklame für einen reaktionären Islam zur besten Sendezeit in der ARD und wird betulich von Anne Will befragt. Erstaunlich: Der nach den Auftritten von Rechtspopulisten stets rituelle empörte Aufschrei von Schwesig, Maas, Künast und Co. blieb in diesem Falle aus.

Nora Illi redet – sie redet viel, sie redet wirr – und sie hat ein Menschenbild im Kopf, das sich jenseits aller Errungenschaften von Demokratie und Humanismus bewegt. Anne Will gibt ihr Raum, viel Raum. Die anderen Gäste ertragen derweil die Propagandashow der Islamistin nur unter Qualen. Im Gesicht eines Vaters, der seine Tochter an den IS verlor und in der Talkshow sitzt, macht sich Entsetzen breit. Anne Will belächelt hilflos die wüsten Thesen der Islamistin während es den Psychologen Ahmad Mansour, der versucht, radikalisierte Jugendliche zu retten, kaum noch auf dem Stuhl hält.

Warum lädt die ARD eine Islamistin ein?

Immerhin gelingt der trägen ARD ein kleiner Coup. Die sonst eher dröge Talkshow von Will schafft es am Tag danach, in aller Munde zu sein und viele fragen sich: Warum lädt die Redaktion eine bekennende Anti-Demokratin und IS-Propagandistin in ihre Talkshow ein? Noch dazu eine Frau, die schon häufiger durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen tingelte und mit pseudo-intellektuellen radikalen Thesen provozierte. Die Frankfurter Allgemeine zürnt zu Recht: „ Illi redet nicht von der Ermordung der „Ungläubigen“, nicht von Vergewaltigungen und Zwangsverheiratungen. Sie redet von der „Selbstentfaltung“ der Frau unter dem Vollschleier und von dem „Respekt“, den ihr in der Welt eines solchen Islamverständnisses entgegengebracht werde. Von den Taten der IS-Miliz distanziert sie sich nicht.“

Eine Propagandistin entlarvt sich selbst

Ob es geschmackvoll ist, jemanden wie die dubiose Verhüllte einzuladen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer einigermaßen bei Verstand ist, konnte erleben, wie Nora Illi, die sogenannte „Frauenbeauftragte“ des Zentralrates der Muslime in der Schweiz, sich selbst als Vertreterin eines reaktionären Menschenbildes entlarvte und ordentlich Zunder vor allen Dingen vom Politiker Wolfgang Bosbach und dem Psychologen Ahmad Mansour bekam. Diese beiden Diskutanten retten allerdings Anne Will auch die Sendung, denn die Moderatorin zeigte sich erstaunlich schwach gegenüber den Gewaltfantasien der Schweizer Islamistin.

Nora Illi und Eva Hermann: Mit zweierlei Maß gemessen

Freilich bleibt ein fader Nachgeschmack: Während Moderatoren dubiosen Rechtspopulisten immer wieder in die Parade fahren, bot die ARD der Islamistin Illi erstaunlich viel Platz für ihre Propaganda. Außergewöhnlich lahm reagierte Moderatorin Will, die fast hilflos gegenüber der Vermummten wirkte. In anderen Fällen zeigte sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Talkshows stets deutlich kampbereiter wenn faschistoider Unsinn propagiert wurde – man erinnere sich nur an Eva Hermann, die einst völlig zerlegt wurde. Bei Johannes B. Kerner redete sich die einstige Miss Tageschau um Kopf und Kragen. Ihre dubiosen Thesen zu Volk und Raum und den Bau der Reichsautobahn ließen die Sendung zum vernichtenden Tribunal über die peinliche Blondine werden. Der Fall Illi zeigt: Hier wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen.

Die rituelle rot-grüne Empörung bleibt aus

Ob das öffentlich-rechtliche Fernsehen nun „Propagandisten eine Plattform bietet“ wie die ewige Nummer zwei der Nachrichtenmagazine, der „Focus“ behauptet, sei dahingestellt. Nach dieser Logik würden vermutlich nur noch Vertreter der Großen Koalition in Talkshows sitzen und weder für Erkenntnisgewinn, geschweige denn für politisches Entertainment sorgen. Was viel mehr beunruhigt ist die Tatsache, dass es am Tag nach den menschenverachtenden reaktionären Islam-Schwurbeleien der Nora Illi bei den üblichen FreundInnen von Genderei und Feminismus verdächtig ruhig blieb. Die rituelle rot-grüne Empörung gilt offensichtlich nur bei der Verkündung von Frauenfeindlichkeit von rechts.

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