Robert Habeck wird der neue Joschka, Lafontaine zieht zu Frauke Petry und Seehofer geht in Rente: So wird das Jahr 2018

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Muddi, Maddin und die anderen

Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert orakelte in kleiner Runde, dass die Sondierungen für eine Große Koalition scheitern würden. Es werde Neuwahlen geben, Angela Merkel nicht wieder antreten und am Ende eine schwarz-grüne Koalition kommen. Ob und wenn ja welche Getränke in der Runde mit Lammert gereicht wurden, ist nicht bekannt.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit aber mit der Expertise von führenden politischen Hellsehern wie Lammert, hat Bastian & Witt daraufhin das politische Spitzenpersonal unter die Lupe genommen.

Angela Merkel macht 2019 den Adenauer

Deutschland ist der Muddi entwachsen. Seit einem Vierteljahr hat Angela Merkel keine Regierung zustande gebracht. Wieso, weshalb, warum – das interessiert die meisten Deutschen anscheinend nicht: Die Union dümpelt bei allen Umfragen mit unbefriedigenden Prozenten herum. Merkel steht auch international massiv unter Zugzwang, dem größten und wichtigsten Land der Euro-Zone endlich eine handlungsfähige Regierung zu geben. Der Druck ihrer angeschlagenen Partner CSU und SPD wird weiter steigen – eine reelle Chance auf eine stabile Regierung hätte sie nur, wenn ihre Widersacher Seehofer und Schulz die eigene Profilierung beenden würden.

Prognose: Angela Merkel wird 2019 zur Halbzeit ihrer bleiernen letzten Kanzlerschaft – wie einst Konrad Adenauer 1963 – abtreten.

Martin Schulz geht zurück nach Würselen

Als angehender „Gottkanzler“ mit entsprechender Krönungsmesse hatte er Anfang 2017 die SPD emotional überrannt wie seit Willy Brandt kein Vorsitzender mehr. Doch Schulz war nur eine Rakete in der Silvesternacht: Ein kurzer Sternenregen, dem Finsternis folgte. Dünnhäutig, von Dilettanten in einen konturlosen Wahlkampf gehetzt, erlebten die Deutschen eine traurige Metamorphose – aus dem Gottkanzler Schulz wurde die beleidigte Leberwurst Maddin, der wie ein kleines Kind am Wahlabend allen die Freundschaft aufkündigte. Mehrmals lehnte er eine Große Koalition kategorisch ab um dann doch Gespräche anzukündigen.

Prognose: Martin Schulz ist zwar noch Vorsitzender der SPD, wird aber nach einer Schamfrist 2018 wieder dahin zurückkehren, wo er hingehört: In die Kommunalpolitik nach Würselen.

Sigmar Gabriel ist wieder schwer im Kommen

Der Bulle von Goslar hat das Zeug, die SPD wieder in die erste Reihe zu führen. Seitdem Sigmar Gabriel Platz für den Gottkanzler machen musste, hat er immer wieder heilend den Finger in die vielen offenen Wunden der SPD gelegt. Emphatisch, klug, und wenn es sein muss auch populistisch, hat er das Zeug, die Sozialdemokraten auch wieder für Menschen wählbar zu machen, die nicht nur davon träumen, ihr Leben lang von Transferleistungen abhängig zu sein, sondern selbstbewusste moderne Politik zu schätzen wissen. Anfeindungen von feministischen Journalisten wie Margarethe Stokowski sind ein sicheres Indiz dafür, dass Gabriel auf dem richtigen Weg ist.

Prognose: Sigmar Gabriel Goslar wird schon im Sommer 2018 wieder das Ruder der SPD übernehmen – mit Kurs in erfolgreiches schrödersches Fahrwasser.

Horst Seehofer muss schnell verrentet werden

Unter der Ägide von Horst Seehofer erlebt die CSU den brutal möglichsten Absturz. Nur noch 6,2 Prozent beträgt ihr bundesweiter Anteil. Die seit Jahren irrlichtende Politik Seehofers kommt einer lebensgefährlichen Magersucht für die Christsozialen gleich. Nichts kündet mehr von einstiger Größe, von allen großartigen CSU-Wahlversprechen blieb nur das finanziell sinnloseste: die Maut. Seehofers Altersstarrsinn blockiert bis heute einen konsequenten Neuanfang. Damit bleibt die CSU geschwächt und wäre bei der Landtagswahl im Herbst 2018 Lichtjahre vom ehrgeizigen Ziel der absoluten Mehrheit entfernt, womöglich droht sogar eine große Koalition. Eine Horrorvision für die Partei des legendären Franz-Josef Strauß.

Prognose: Will die CSU nicht künftig nur noch im Hinterzimmer des Wirtshauses in Hintertupfing Politik gestalten, muss Horst Seehofer endgültig verrentet werden. Das wird in der ersten Jahreshälfte 2018 passieren, Söder sei Dank.

Christian Lindner wird teilen lernen müssen

Die scharfen Analysen des rastlosen FDP-Frontmannes Christian Lindner haben nicht nur im Wahlkampf beeindruckt. Doch eines haben sie nur mühsam verdecken können: Die extrem dünne Personaldecke der Liberalen. Selbst Wolfgang Kubicki spielt nicht dauerhaft vorn mit und wurde auf das Amt eines Bundestagsvizepräsidenten abgeschoben. Der Rest des Personals der politischen Ich-AG von Lindner ist nahezu unbekannt. Er hat als Insolvenzverwalter der Weserwelle-FDP gute Arbeit geleistet, doch Politik ist auf Dauer Teamspiel. Auch ein Ronaldo ersetzt eben nicht die ganze Mannschaft. Der verstolperte Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen hat das deutlich gemacht.

Prognose: Christian Lindner wird lernen müssen, seine Macht zu teilen. Sollte nämlich die FDP 2018 im Bund keine wichtige Rolle spielen oder sogar bei Neuwahlen abschmieren, werden viele Parteifreunde die Messer wetzen.

Robert Habeck ist der neue Joschka Fischer

Der Shooting-Star der deutschen Politik des Jahres 2017 ist Robert Habeck von den Grünen. Noch vor einem Jahr nur wenigen Nordlichtern bekannt, schmiedete er in Schleswig-Holstein im Frühsommer mit Wolfgang Kubicki eine bisher geräuschlos laufende Jamaika-Koalition. Bei den Sondierungen nach der Bundestagswahl fiel er durch wertschätzende Bemerkungen der anderen Teilnehmer auf. Habeck steht wie Wilfried Kretschmann für moderne und pragmatische Grüne, die sich von linker Orthodoxie getrennt haben und ein kritisch-freundschaftliches Verhältnis zu Wirtschaft und Leistungsgesellschaft haben.

Prognose: Typ gut aussehender Schwiegersohn der was auf dem Kasten hat: Der smarte Robert Habeck wird 2018 Vorsitzender der Grünen und die Bedeutung des legendären Übervaters Joschka Fischer erlangen.

Alexander Gauland nistet sich dauerhaft ein

Der Mann mit dem  Outfit eines englischen Landadeligen verpackt dumpfe Deutschtümelei und Grobheit mit Nonchalance in seine Reden. Alexander Gauland, ein in der CDU gescheiteter Konservativer, der sich an seiner alten Partei abarbeitet und mit der AfD seinen reaktionären Traum von einer anderen Republik verwirklichen will, hat es zumindest bisher geschafft, im Bundestag relativ normale Oppositionsarbeit zu machen. Und er hält mit seinem politischen Stoßtrupp stets vollzählig die rechte Ecke des Parlamentes besetzt.

Prognose: Wenn es ihm gelingt, sich und die AfD 2018 von Hetzern wie Björn „Bernd“ Höcke freizumachen, wird er der CDU nicht nur dauerhaft das Leben schwer machen, sondern in absehbarer Zeit auch als Koalitionspartner gefragt sein.

Oskar Lafontaine zieht zu Frauke Petry

Fremdenhass gegen Russlanddeutsche, Nazi-Vergleiche gegen Helmut Schmidt, Traktate über einen „ökologischen Sozialismus“ und eine Fülle Bücher hat Lafontaine zustande gebracht und viel Geld damit verdient. Geistig substantielles war selten dabei, dennoch gab es einst eine unglaubliche Euphorie an deutschen Universitäten: Linke Professoren hielten eigens Seminare ab, die seiner politischen Haltung huldigten. Lafontaine versuchte sich später nach seinem Austritt aus der SPD immer wieder als weiser Nationalbolschewist zu gerieren. Heute wissen wir: Das Beste an Lafontaine ist seine schöne und kluge Frau.

Prognose: Lafontaine wird 2018 endgültig dort zu Hause sein, wo schon Frauke Petry, Rudolf Scharping und der Freiherr zu Guttenberg wohnen: In der politischen Bedeutungslosigkeit.

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