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Düsseldorf, Saarbrücken, Kiel: Der Schulz-Zug ist kurz vor dem Abstellgleis angekommen.

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„Senk ju vor träwelling with SPD!“

Welcher Teufel ritt die SPD, den „Schulz-Zug“ zu erfinden? PR-Berater waren es jedenfalls nicht, denn die hätten auf die negative Besetzung hingewiesen: Mit „Zug“ verbunden sind Begriffe wie Verspätung, Abstellgleis, unfreundliches Personal oder verstopfte Toiletten. Immerhin, der Rheinländer denkt noch an den „Zoch“, den Karnevalsumzug. Da gibt’s Kamelle, viel Alkohol und den Prinzen, dessen Herrschaft allerdings immer am Aschermittwoch endet – oder am Wahltag wie in Düsseldorf, Schleswig-Holstein und im Saarland.

Noch vor wenigen Monaten schien es, als führe nun Martin Schulz die SPD zur Sonne, zur Freiheit. Flugs erfanden einige Hinterhof-Strategen der Jusos den „Schulz-Zug“, einen imaginären Sonderzug nach Pankow, der mit Hochgeschwindigkeit bis ins Kanzleramt durchrauschen sollte. Tatsächlich aber geht es in diesem Zug so zu, wie es bei der Deutschen Bahn üblich ist: Nichts funktioniert wirklich überzeugend und die Gesichter der Fahrgäste werden täglich länger. Die SPD hat eben keinen ICE aufs Gleis gesetzt, sondern nur einen völlig veralten Nahverkehrszug, der mühsam dahin holpert und dessen Fahrplan selbst dem mürrischen Zugpersonal völlig unbekannt scheint.

Inhaltsleerer kommunikativer Nonsens

„Wir können Wahlkampf!“ hatte einst Franz Müntefering selbstbewusst festgestellt. Doch was der geniale Organisator Müntefering tatsächlich konnte, ist seinen Nachfolgern abhandengekommen. Wie ein Riese wirkt der einstige SPD-Generalsekretär heute neben seinen Nachfolgern in diesem Amt, den Kommunikationszwergen Hubertus Heil, Yasmin Fahimi oder jetzt Katharina Barlay. Die Vermarktung der SPD ist eine Katastrophe. Nach der Kür von Schulz zum Kandidaten weiß man bis heute nicht einmal genau, wofür er eigentlich steht. „Mehr Gerechtigkeit für alle!“ ist bisher das einzige, was an das Wahlvolk durchgedrungen ist. Inhaltsleerer, kommunikativer Nonsens auf dem Niveau des alten Sponti-Spruches „Keine Macht für Niemand“, der einst als Graffiti Häuserwände schmückte.

Der „Kleine Mann“ aus Würselen hatte alle Trümpfe

Dabei hatte Schulz zum Start alle Trümpfe in der Hand: Aus Schwächen Stärken machen – genau das schien sein Erfolgsgeheimnis. Er gerierte sich als Mann des Volkes, ließ großzügige Einblicke in sein Privatleben zu. Jemand, der es geschafft hatte, aus den finsteren Tälern der Alkoholexzesse wieder ans Tageslicht zu kommen – Schulz schien der sprichwörtliche kleine Mann zu sein, er war einer von uns, er kannte die Höhen und Tiefen des Lebens, er war immer der Maddin von nebenan aus Würselen geblieben. Dass er in seiner Zeit im Europa-Parlament traumhafte Gehälter bezog und Günstlinge versorgte, störte das positive Bild lange nicht. Zu groß war der Hunger in der SPD nach einem Moses, der nach den Jahren der Wanderungen durch die Umfragewüste das gelobte Land zeigte.

Nicht einmal Scharping offenbarte sich dem „Gottkanzler“

Um Schulz, diesen Mann, der scheinbar das Wasser teilen konnte, scharten sich die Funktionäre und schickten den glücklosen Sigmar Gabriel kurzerhand in die Goslarer Verbannung. Doch die Tafeln, die Schulz vom Berge Sinai mitbrachte, waren leider völlig leer. Weder Bebel, noch Ollenhauer haben sich ihm dort offenbart, ja nicht einmal Scharping oder Rau. Etwas unkonkretes Geschwurbel über längeren Arbeitslosengeldbezug und Kritik an der von SPD und Grünen einst erfundenen Agenda 2010 – mehr brachte der von der Jungen Union als „Gottkanzler“ verspottete Schulz bisher nicht zustande. Völlig fahrlässig haben die Genossen darauf vertraut, der neue Vorsitzende hätte das Charisma von Willy Brandt, das gute Aussehen von Björn Engholm, den Esprit von Wolfgang Clement und die Zugkraft von Gerhard Schröder.

Zukunftsvision statt Stegners heruntergezogener Mundwinkel

So ächzt der Schulz-Zug mühsam über die Gleise und musste erst in Saarbrücken, dann in Kiel und jetzt in Düsseldorf abrupt halten und den ICE der CDU vorbei lassen. Und schlimmer: Nach der dritten Niederlage in Folge droht der Schulz-Zug auf das Abstellgleis geschoben zu werden. Dabei wäre die Sache doch zu schaffen: Eine optimistische Vision für die Zukunft, die Mut macht und die Menschen mitnimmt. So würde wieder ordentlich Feuer unter den Kessel der SPD-Lokomotive kommen. Doch dazu braucht es eben mindestens einen Gerhard Schröder oder einen Willy Brandt. Noch ist nicht alles verloren, aber die Frist für den Masterplan der SPD läuft unerbittlich ab. Die heruntergezogenen Mundwinkel von Ralf Stegner und der finstere Blick von Schulz machen keine Lust auf Zukunft.

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  7. Ja, wie tragisch! In so kurzer Zeit kann ein Hoffnungsträger wieder ganz unbedeutend werden. Hoffentlich ergeht es Macron da besser…

  8. Jetzt muss ich lesen, Clement hätte „Esprit“ gehabt. Nachweis bitte!

  9. „Keine Macht für niemand“ war ja wenigstens noch ein witziger Denkanstoß.

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