Spaziergang durch den geistigen Schrebergarten

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Ein Sommernachtsalptraum

Die Welt könnte so schön sein – wenn wir uns alle nur endlich mehr auf etwas Anstand und Ordnung besinnen würden. Und damit alles richtig lebenswert wird, gehört natürlich auch ein Staat dazu, der wirklich an meinem Wohlbefinden interessiert ist. Ein kleiner sommerlicher Bummel durch den geistigen Schrebergarten.

Neulich ging im Park ein fieser kahlköpfiger Muskelmann mit einem riesigen Hund spazieren, der seine Leine lässig im Maul trug. Ich erkannte als gebildeter Laie sofort: Ein teuflischer Kampfköter mit seinem garantiert vorbestraften Herrchen. Das Herrchen trug auf dem T-Shirt den Schriftzug irgendeiner gottlosen Heavy-Metall-Band, der Hund sabberte und sah mich lauernd an. Natürlich glänzte wie immer das Ordnungsamt mit Abwesenheit, da dessen dumpfe Schergen mit Sicherheit gerade mein falsch geparktes Auto entdeckt hatten und deshalb dem finsteren Muskelmann samt hündischer Kampfmaschine die völlig unverdiente Freiheit ließen.

Das Auge des Gesetzes ruht sich aus

Nur ein paar Tage später fuhr ich mit der U-Bahn. Davon hätte ich besser die Finger lassen sollen, denn man trifft stets auf Menschen, die ich lieber Sozialarbeitern oder der Polizei überlassen möchte. Schon auf dem Bahnsteig stand ein verdächtig nach Kunststudent aussehender Typ, drehte sich eine Zigarette und zündete sie an – ausgerechnet unter dem Schild, das dieses bei Strafe verbot. Später saßen in der Bahn dann zwei unangenehm riechende Penner die Bier tranken und ein völlig überflüssiges lautes Gespräch über die Qualität von Männerwohnheimen führten. Und wieder war nirgends das Auge des Gesetzes zu sehen, denn dieses wanderte vermutlich in einer Amtsstube träge über uralte Aktenstücke oder hing gedankenverloren auf irgendeiner pornografischen Website unter dem Vorwand polizeilicher Ermittlung.

Junge Bordsteinschwalben flattern durch die Stadt

Kaum war ich der biergeschwängerten Hölle der Bahn entflohen, kam die nächste böse Überraschung: Zwei junge dralle Frauen, noch keine 20 Jahre, in knappen Hotpants und bauchfrei. Wo, dachte ich mir, bleibt denn heute nur die Moral? Der ansonsten wenig nachahmenswerte Muselmane tat schon wohl daran, die sündigen Leiber seiner Töchter zu verhüllen, ging es mir durch den Kopf. Deutsche Eltern, die ihre Kinder wie Bordsteinschwalben durch die Stadt flattern lassen, sind aber vermutlich Eltern, die den ganzen Tag vor einem durch Ratenzahlung finanzierten riesigen Fernseher abhängen und sich mit RTL volldröhnen anstatt sich pointiert dem intellektuellen Genuss einer Bundestagsdebatte auf Phönix hinzugeben.

Mit fast boshafter Freude sah ich schließlich neben den Frauen einen aufgeblähten dunklen Mercedes mit offensichtlich mediterranen Insassen halten, die, untermalt von wummernder Musik, diversen präpotenten Gesten und Sprüchen freien Lauf ließen. Meine anfängliche Empörung wich einer eher nachdenklichen Betrachtung: Warum stiegen die beiden halbnackten Frauen nicht in den Wagen dieser dubiosen Mädchenhändler? Ein paar Monate Aufenthalt in irgendeinem abgelegenen Bordell wäre die angemessene Strafe für ihr schamloses Outfit gewesen.

Gedanken über Levantiner und Leasingraten

Während ich beim Weitergehen noch die Vorteile abgelegene Bordelle gegen die Nachteile der Ausweisung von Levantinern, die sich die Leasingraten bei Mercedes leisten konnten gegeneinander abwog, wurde mein Bewegungsdrang jäh gestoppt. Eine Horde Menschen mit krakelig beschrifteten Transparenten kroch wie ein träger Lindwurm über die Kreuzung. Ich erkannte vorwiegend kurzhaarige, unattraktive und vermutlich in der Mehrheit lesbische Frauen in wollenen Gewändern, die offensichtlich der Meinung waren, für die Tätigkeit des Kaffeetrinkens und Kinderhütens noch mehr Gehalt bekommen zu müssen. Statt mit den Kleinen Sandkuchen zu backen, vertrödelten sie Zeit mit einer Demonstration, die eigentlich verboten gehörte.

Eine groteske Szene, leider typisch für einen Staat, der Leistung nicht belohnt und dafür den Faulen im Überfluss gibt. Bedauerlich nur, dass einige vermutlich durch das Lesen der BILD-Zeitung völlig verblödete Passanten auch noch Beifall für die Demonstranten klatschten anstatt sich zu Hause selbst um ihre Kinder zu kümmern wie es anständige Menschen mit Hilfe des Betreuungsgeldes tun. So hätte es sich vermutlich der liebe Gott gewünscht. Aber den fragt ja niemand mehr.

Finale: Der verkommene Ahne des Socrates tritt vor die Tür

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Jeder soll nach seiner Facon selig werden, doch irgendwo muss es auch Grenzen geben. Als dann auch noch aus einer griechischen Kaschemme der Koch im fettigen Kittel auf die Straße trat und verschlafen nach den Demonstrantinnen sah, war bei mir das Maß voll. Während sich seine Landsleute daheim unter dem Diktat eines größenwahnsinnigen Premiers vor Entbehrung krümmten und sich nach der spätrömischen Dekadenz in Deutschland sehnten, stand dieser traurige verkommene Ahne des Socrates dümmlich grinsend an der Straße anstatt sich um seine Gäste zu kümmern – bevor diese vermutlich ohnehin einer Lebensmittelvergiftung erlagen.

Dann erblickte er mich und winkte mir zu. „Hallo! Wie geht es Ihnen?“ Mir lief es kalt den Rücken herunter. Ein Taumel erfasste mich. Ein unglaublich peinlicher Moment. Ich hatte vergessen für heute Abend bei Janis Paranoidis den Tisch für die Fraktionssitzung der AfD zu reservieren.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Malte,

    ich habe mich herzlich amüsiert, als ich deine Geschichte gelesen habe und ich habe mich in vielen Momenten, die du hier schilderst, selbst gesehen … ja, auch ich bin manchmal etwas „vorschnell“ in der Beurteilung der Situation, in der ich mich gerade befinde!
    Manchmal bin ich sogar total verwirrt, weil mir dann plötzlich Redewendungen meines Vaters einfallen, die er, in für ihn ungewohnten Situationen, abgab und die ich damals rigoros abgelehnt habe.
    Und heute kommen mir ähnliche Gedanken in den Sinn, wie damals meinem alten Herrn?

    OK, ich bin ja (noch) lernfähig und da frage ich mich natürlich „was lernt mich das?“ 😉

    Gelassener, toleranter, ruhiger werde ich in solchen Situationen, die du so nett schilderst, reagieren. Und wenn das alle tun, oder zumindest einige mehr als jetzt, dann fällt das Zusammenleben leichter und vielleicht erkennt man dann auch die „Buntheit“, die sich dahinter verbirgt und die kann dann wahrhaft spannend und interessant sein!

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