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Trumps Wahl ist keine böse Überraschung – sie ist eine traurige und logische Konsequenz

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Entenhausen und der Sieg der Donaldisten

Donald Trump ist die Pest – sagt Alice Schwarzer. Ich bin mit einem Schock aufgewacht – sagt Ursula von der Leyen. Donald Trump ist ein Hassprediger – sagt Frank-Walter Steinmeier. Und Journalisten unkten schon lange vor dem Amtsantritt: Der künftige 45.Präsident der USA wird eine Katastrophe für die Welt. Diese Wahl, so kommentieren deutsche Politiker und Leitartikler, ist eine böse Überraschung. Aber ist sie das wirklich?

„Politik ist keine Wissenschaft wie viele Professoren meinen, sondern eine Kunst“, hat Otto von Bismarck einmal sarkastisch festgestellt. Und der erste deutsche Kanzler hat im Falle Trump recht: Während amerikanische und deutsche Intellektuelle einen Sieg des obskuren Milliardärs für undenkbar hielten, hat die Mehrheit der US-Wähler die Herren Professoren kurzerhand eines besseren belehrt. Ebenso wie beim Brexit und bei der Akzeptanz der AfD, haben sich Journalisten und Intellektuelle völlig verschätzt. Statt auch auf den Bauch zu hören, haben sie nur mit dem akademisch geschulten Verstand gearbeitet und sind über ihre bildungsbürgerliche Überheblichkeit gestolpert, von der sie meinten, sie sei kluge Weitsicht. Trumps historischer Wahlerfolg sei „nur für das Establishment eine Überraschung“, höhnte AfD-Frau Beatrix von Storch in einem seltenen Anfall von intelligenter Beobachtungsgabe.

Auch Armut gehört zur Bilanz von Obama

Washington muss sich verändern, das politische System muss sich verändern – das war das große Credo von Barack Obama. Doch am Ende seiner Regierung ist die Spaltung des Landes keinen Deut geringer, als unter dem Republikaner George Bush. Rassenunruhen, der neu befeuerte Konflikt mit Russland, keine Zähmung der Investmentbanken und stagnierende Armut gehören zur Bilanz von Obama und Hillary Clinton. Auch das Projekt „Obamacare“, die Pflichtkrankenversicherung, erwies sich als Rohrkrepierer für viele: Nur wenige Tage vor der Wahl erhielten die Versicherten eine saftige Beitragserhöhung. Für die Arbeiterklasse, die ohnehin vom Wirtschafts-Aufschwung wenig verspürt hat, war dies ein harter Schlag.

Donald versus Dagobert: Die neue Macht in Entenhausen

Womöglich hat diese Beitragserhöhung bei vielen schwankenden Wählern sogar den Ausschlag für die Wahl von Trump gegeben. Denn Hillary Clinton ist für Millionen wirtschaftlicher Verlierer das Sinnbild einer Regierung, der viele einfache und politisch ungebildete Menschen nicht mehr trauen und sich wie mit dieser Beitragserhöhung über den Tisch gezogen fühlten. Oder anders ausgedrückt: Wenn Hillary für den habgierigen Onkel Dagobert steht, dann ist Trump dessen tollpatschiger und unfähiger Neffe Donald, der jetzt die Macht über den Geldspeicher und Entenhausen an sich gerissen hat. Aber ob jetzt der im Wahlkampf oft aggressiv und asozial agierende Trump auch ein aggressiver und asozialer Präsident werden wird, bleibt abzuwarten. Nur eines ist sicher: Er völlig anders gestrickt, als das wohlhabende Ostküsten-Establishment um die Clintons. Doch eines haben die beiden Kandidaten gemeinsam: Wie Clinton, ist auch Trump ein Spalter – weniger in arm und reich, als in weiß und farbig.

Ein Geschenk für TTIP-Gegner und die AfD

Diese Wahl ist eine Absage an das korrupte amerikanische Wirtschaftssystem – höhnt Oskar Lafontaine. Trump hat die Karten zur politischen Zeitenwende in der Hand – frohlockt Frauke Petry. Die Amerikaner holen sich ihr Land zurück – ätzt Geert Wilders. Denn das steht auf jeden Fall fest: Diese Wahl ist ein Geschenk für rechte und linke Rattenfänger. Bereits jetzt herrscht große Freude bei den Anti-TTIP-Freaks: Trump hält nicht von diesem Abkommen. Und die Rechtspopulisten schwelgen von der radikalen Abschottung gegen illegale Einwanderung in die USA, die Trump vollmundig versprochen hat. Victor Orban in Ungarn triumphiert ebenso, wie Marine Le Pen in Frankreich. Bricht eine neue nationalistische und rassistische Ära an?

Donald Trump und die dritte Klotür

„Die Leute wollen keine Toiletten für das dritte Geschlecht, sondern Arbeit, um ihre Familien durchzubringen“, poltert der konservative frühere SPIEGEL-Autor Matthias Mattusek auf Facebook. Er trifft den Nerv vieler User, wie man an den Kommentaren sieht. Und so ist Trump ist auch Symptom einer Politik, die sich von der Mehrheit der Bürger immer weiter entfernt, auch in Deutschland. Die Einrichtung von zig-Lehrstühlen für Gender-Forschung, monatelange Diskussionen über nackte Popos in der Werbung, Streit um Ampelmännchen oder –frauchen, die Forderung nach vom Gesetzgeber verordneter fleischloser Kantinenkost – das alles sind Themen, die mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen nichts zu tun haben. Und Hand aufs Herz: Wer mag auch schon den Befürwortern der dritten Klotür seine Zukunft anvertrauen?

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