Von Cameron und Johnson bis zu Wulff: Eitelkeit, mangelnde Weitsicht und Beratungsresistenz

| Keine Kommentare

Die Trottel der feinen Gesellschaft

Die Meisterschaft der Trottel der feinen Gesellschaft (The Upper-Class-Twit) heißt ein legendärer Sketch der göttlichen Komiker-Truppe Monty Python. Daran müssen besonders verkorkste Exemplare der britischen Oberklasse allerhand läppische Aufgaben erledigen und sich zum Schluss selbst erschießen. Wer genau hinschaut, erkennt in diesem wunderbaren Sketch das Gesicht des David Cameron. Aber auch in Deutschland kennt man mit Theodor zu Guttenberg diese besondere Spezies.

Der geistige Verfall der Tories hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Geschwindigkeit zugenommen. Dass allerdings ein Premierminister dabei ist, der wie der Sieger des Upper-Class-Trottel-Wettbewerbes bei Monty Python so dämlich ist, sich politisch selbst zu erschießen, hätte wohl selbst der einst von wenig Erfolg verwöhnte John Major nicht vermutet. Auch die anderen Aufgaben des Monty-Python-Wettbewerbes würde Cameron wohl erfolgreich bestehen – so etwa der Tritt in den Hintern des Bettlers: In keinem anderen EU-Land ist die Schere zwischen arm und reich so gewaltig geöffnet wie in Großbritannien.

Bo-Jo, Bürgermeister, Dampfplauderer und Demagoge

Doch David Cameron ist nicht der einzige Trottel der feinen Gesellschaft. Das Pendant ist sein ehemaliger Studienfreund Boris Johnson, ein Witzbold, Dampfplauderer und Populist, der es immerhin zweimal zum Londoner Bürgermeister brachte. Beide sind das traurige Produkt einer sich seit Jahren selbst immer weiter demontierenden konservativen Partei, die einst Sternstunden mit Premierministern wie Winston Churchill und Margret Thatcher hatte und doch seit Jahren in Großbritannien vorwiegend Stillstand und Vetternwirtschaft produziert hat.

Napoleon und Hitler: Das ist für Johnson die EU

Bo-Jo, wie ihn die Boulevardpresse gern nennt, ist ein begnadeter Demagoge: Die EU versuche, einen „europäischen Super-Staat“ zu errichten: „Napoleon, Hitler, diverse Leute haben das versucht, und es endete tragisch.“ Während sein Freund-Feind Cameron das gefährliche Referendum nutzen wollte, um mit sein politisches Überleben zu sichern, wollte Johnson mit seinen Pöbeleien den Austritt und das Amt des Premiers. Beide setzten alles auf eine Karte. Cameron verlor, Johnson gewann das Referendum. DochSieger sehen anders aus. Jetzt steht er als der Mann da, der das Vereinigte Königreich gespalten hat. So hat er sich ebenfalls als Upper-Class-Trottel politisch erschossen.

Die deutschen Upper-Class-Twits

Doch Häme ist unangebracht. Auch in in Deutschland gibt es sie, die Upper-Class-Trottel, die sich politisch selbst erschossen haben. Der bekannteste ist vermutlich Theodor zu Guttenberg, der sich mit falschen Titeln schmückte und sensationell abstürzte. Ex-Präsident Christian Wullf schaffte es, sich politisch in kürzester Zeit selbst zu entleiben. Nie hatte er sich strafbar gemacht, doch Instinktlosigkeit brachte ihn zu Fall. Und natürlich gibt es auch weibliche Upper-Class-Twits wie die heute zu Recht vergessene Silvana Koch-Mehrin. Eines haben sie alle gemein: Eitelkeit, mangelnde Weitsicht und Beratungsresistenz.

Der Kollateralschaden für die bürgerlichen Parteien

Bei aller Freude, welche die Upper-Class-Trottel nicht nur in England der Boulevard-Presse bescheren, bleibt stets der Kollateralschaden für die Parteien des bürgerlichen Lagers. Wer für klassische Werte wie Wahrheit und Wahrhaftigkeit statt schwammiger linker Utopien eintritt, muss sich vom Wähler mit strengem Maßstab messen lassen – und sollte bei Trottel-Alarm in den eigenen Reihen schnell die Reißleine ziehen. Die Wähler sind nicht mehr so vergesslich wie in früheren Zeiten.

Ein rettendes Netzwerk für die Trottel

Ohnehin droht den wenigsten Trotteln Gefahr. Außer Schäden an ihrer Eitelkeit erleiden sie meist keine ernsthaften Blessuren denn ein Netzwerk fängt sie auf und vergibt Posten, auf denen sie wenig Schaden anrichten können. Allerdings müssen sie heute länger mit dem Stigma der Unseriosität leben. Nur die wenigsten haben das Glück, wie Boris Johnson, zwei Staatsbürgerschaften zu besitzen: Bo-Jo hat als geborener Amerikaner einen US-Pass, der es ihm jederzeit ermöglichen würde, sein munteres Treiben vielleicht bei einem künftigen Präsidenten Donald Trump fortzusetzen.

Share

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Share