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Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch: Die Fußballbundesliga und die Polizei

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Schrebergartenvereine oder Sportkonzerne?

Der deutsche Fußball ist eine großartige Unterhaltungsmaschine. Und für viele Vereine die Lizenz zum Gelddrucken. Um die zwei Milliarden Euro werden hier allein 2014/2015 in der 1. Bundesliga umgesetzt. Einige Bundesländer wie Bremen verlangen, die Clubs sollen sich endlich an den hohen Kosten für die Polizei-Einsätze beteiligen. Zumutung für die Vereine oder Gerechtigkeit gegenüber dem Steuerzahler? Ein Blick auf die Millionengeschäfte der Bundesligisten könnte da nicht schaden.

Der deutsche Fußball ist alles andere als zurückhaltend, wenn es darum geht, seinen Sport effektiv zu vermarkten. Die Übertragungsrechte kosten die TV-Sender Millionen aus der GEZ, die über einen Verteilerschlüssel dann zu den Clubs zurückwandern. Und die Beträge können sich sehen lassen: Die Vereine der 1.Bundesliga bekommen 80%, die Vereine der 2.Bundesliga 20% der gesamten Erlöse. Hochgerechnet auf die nächsten Spielzeiten, ergibt sich etwa folgende ungefähre Verteilung:

  • 2014/2015: 642 Millionen Euro ( 1.Bundesliga: 513,6/ 2.Bundesliga: 123,4)
  • 2015/2016: 663 Millionen Euro ( 1.Bundesliga: 531 / 2.Bundesliga: 132)
  • 2016/2017: 673 Millionen Euro (1.Bundesliga: 539 / 2.Bundesliga: 134)

Eine halbe Milliarde Euro für den Kader des FC Bayern

Wenn bei einem Unternehmen Patente, Maschinen und Immobilien oft die größten Werte darstellen, so sind es in der Bundesliga neben den Spargroschen im Strumpf unter der Matratze von Uli Hoeneß wohl die Spielerkader. So hat die erste Mannschaft des FC Bayern München einen Marktwert von rund 564 Millionen Euro. Ohnehin spielen die Bayern nicht nur den vermutlich besten Fußball, sondern stehen auch an der Spitze der Umsätze: In der Saison 20112/2013 waren es rund 433 Millionen Euro. Allein der Trikotsponsor Telekom lässt sich mit rund 30 Millionen Euro verbuchen.

6,5 Millionen Euro vom Hühnermäster für den SV Werder

Werder Bremen und die anderen Bundesligisten müssen da deutlich kürzer treten, sind aber immer noch vermögende Großunternehmen, die im deutschen Mittelstand ganz oben mitspielen würden. Der SV Werder Bremen, der momentan an einer Karriere in der zweiten Bundesliga arbeitet, setzt noch rund 120 Millionen Euro um. Der auch bei den Fans nicht gerade beliebte Sponsor, der Hühnermäster Wiesenhof, spült davon etwa 6,5 Millionen Euro in die Kasse, Ausrüster Nike vier Millionen. Der Spieler-Kader hat einen Wert von etwa 47,5 Millionen Euro – nicht einmal zehn Prozent von Rummenigges Bayern.

Allerdings plagen gerade Werder Bremen nicht nur sportliche Sorgen: Der Club ist auch finanziell auf Talfahrt. Wie der Bundesligist auf seiner Mitgliederversammlung bekanntgab, verzeichnete der Lizenznehmer SV Werder Bremen GmbH und Co KG aA im Geschäftsjahr 2013/2014 ein Minus von 9,8 Millionen Euro. Nur 2012/2013 wurden noch höhere Verluste verzeichnet: Damals betrug der Rekordverlust gar 13,9 Millionen Euro.

Der klamme Bremer Senat will die DFL zur Kasse bitten

Ausgerechnet in dieser für Fans und Verein schweren Zeit hat sich neben den 17 Gegnern in der 1. Bundesliga (selbst über den HSV lacht niemand mehr an der Weser) noch ein 18. gesellt: Der Bremer Senat. Das notorisch knappe Bundesland, wie sein Fußballverein seit Jahren in Sachen Schulden auf einem hinteren Tabellenplatz, will Geld für die Polizeieinsätze kassieren. Die DFL als Veranstalter der Bundesliga soll künftig in Bremen bei Risikospielen mit höherem Polizeiaufkommen die Kosten für den Einsatz der Beamten bezahlen.

Ein Aufschrei ging nicht nur durch Bremens Politik. Liga-Präsident Reinhard Rauball sah gar den Untergang des fußballerischen Abendlandes voraus. „Der Bremer Alleingang ist mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar. Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist allein Aufgabe des Staates“, entrüstete sich der DFL-Chef. Und prompt sehen Bremer Politiker einen Schlag gegen die Fankultur und das hohe Ansehen ihres Clubs. Verzweifelt wird seitdem von der Opposition versucht, das Thema bis zur nächsten Bürgerschaftswahl im Mai 2015 am Köcheln zu halten.

Bremens sportlicher Botschafter Werder: bundesweit beliebt

Tatsächlich ist der SV Werder ein attraktiver Botschafter für die Hansestadt. Der Verein genießt bundesweit einen respektablen Ruf – und kann auf einen hohen Bekanntheitsgrad bauen. Im Jahr 2013 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 63,76 Millionen Menschen, denen der SV Werder Bremen bekannt war. Davon interessierten sich 6,92 Millionen ganz besonders für diesen Fußballverein. Auch in Sachen Sympathie steht der Club weit oben in der Gunst nicht nur der Bremer und des Umlandes. Die Bayern mögen fußballerisch wie finanziell die Bremer zum Provinzverein degradieren, in Sachen Anerkennung und Empathie ist der SV Werder weit vor der Guardiola-Truppe zu finden.

Freilich ändert das wenig an den Plänen des Senates. Und auch in anderen Bundesländern gärt es bei Finanz- und Innenpolitikern. Warum soll der Steuerzahler den Polizeischutz bei privaten Veranstaltungen wie Fußballspielen mitfinanzieren, wenn die Clubs millionenschwere und renditestarke Konzerne sind? Muss nicht auch der Betreiber einer Kirmes oder einer Diskothek für eventuelle Einsatzkosten der Polizei gerade stehen?

Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch

Wer Verfechter einer modernen Marktwirtschaft ist, reibt sich verwundert die Augen. Da verkauft ein Privatveranstalter Spieler, Trikots, Eintrittskarten und Übertragungsrechte so teuer wie möglich. Das ist sein gutes Recht. Doch als Teilnehmer im Kräftespiel der Marktwirtschaft will man sich in Sachen Sicherheit plötzlich wie ein Schrebergartenverein auf die kostenlose Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung durch die Polizei berufen. Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch, sagt der Volksmund. Sollte das nicht auch für millionenstarke Fußballbundesligisten gelten?

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