Carsten Sieling und Michael Müller: Den Apparatschiks fehlt nicht nur das Charisma

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Kein Vertrauen mehr an Weser und Spree

Politiker zum Anfassen? Bürgermeister als Vorbilder? Das bleibt in Deutschland in vielen Kommunen immer noch Wunschdenken, wie eine neue Studie des Forschungsinstitutes Forsa zeigt. Besonders katastrophal ist aber das Ergebnis für die Stadtstaaten Bremen und Berlin: Hier hat nur ein Viertel (!) der Befragten Vertrauen zu den Bürgermeistern Cartsten Sieling in der Hansestadt und Michael Müller in Berlin. Ein Armutszeugnis, das deutschlandweit seinesgleichen sucht.

Das Institut Forsa hat aktuell rund 3.600 Bürgerinnen und Bürger gefragt, wie ihr Vertrauensverhältnis zum jeweiligen Stadtoberhaupt ist: Je größer die Kommune, desto geringer das Vertrauen. Das größte Vertrauen besitzen danach also Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Kommunen bis zu 5.000 Einwohnern. Kein Wunder: Das sind die Politiker, die durchaus noch an der Wursttheke oder in der Sauna anzutreffen sind und sich dort Zorn und Lob direkt abholen können.

Gaga-Sprech vom OB und immer „eine Armlänge Abstand“

In den Großstädten sieht es hingegen ganz anders aus. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker war gerade ein paar Wochen im Amt, da blamierte sie sich auch schon: Frauen müssten eben zu manchen Männern „eine Armlänge Abstand halten“ sagte sie angesichts der hundertfachen sexuellen Nötigungen in der berüchtigten Silvesternacht 2015. Doch es geht noch peinlicher. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok, immerhin Vorsteher einer der am höchsten verschuldeten Großstädte Niedersachsens und seit Monaten im Mittelpunkt einer peinlichen Untreueaffäre, hatte nichts Besseres zu tun, als sich an die Spitze des „Gaga-Sprech“ (BILD) in der Stadtverwaltung um gendergerechte Verwaltungssprache zu setzen.

Armutszeugnis für Berlin und Bremen, Triumph für Hamburg

Ein besonders bitteres Armutszeugnis stellen die Bürgerinnen und Bürger laut Forsa allerdings dem Bremer Bürgermeister Carsten Sieling und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller aus: Nur 26 Prozent haben Vertrauen zu Sieling, bei Müller sind es sogar nur 25 Prozent. Wer meint, das liege wohl daran, dass es Stadtstaaten besonders schwer hätten, irrt übrigens: Peter Tschentscher, Hamburgs Erster Bürgermeister und promovierter Mediziner, hat doppelt so viel Zustimmung wie seine beiden SPD-Genossen an Weser und Spree. Sieling und Müller sind vielmehr zwei blutleere Apparatschiks, denen bis heute die Schuhe prominenter Vorgänger wie Henning Scherf oder Klaus Wowereit auch noch nach Jahren mehrere Nummern zu groß sind.

Kein Charisma an Spree und Weser – aber jede Menge Einbrecher

Doch nicht nur das fehlende Charisma ist der Grund für das fatale Abschneiden Müllers und Sielings. Hinzu kommt laut Forsa der massive Vertrauensverlust der Bürgerinnen und Bürger angesichts verkommener Infrastruktur und nicht mehr richtig funktionierender Behörden; hier sind die Zustimmungswerte ebenfalls katastrophal. Aber auch in Sachen Sicherheit sind Bremen und Berlin gefährliche Pflaster: Hier sind die Einbruchszahlen weit über dem Bundesdurchschnitt. Bremen ist dabei wie auch in Sachen Bildung deutsches Schlusslicht: 7,3 Einbrüche pro Hunderttausend Einwohner verzeichnete 2017 die Statistik, in Berlin immerhin noch 4,9. In Bayern ist es gerade mal ein einziger Einbruch auf 100.000 Einwohner.

Müller und Sieling: Gnadenlos abgeschmiert

Prompt ist die Performance von Sieling und Müller nicht nur in der persönlichen Umfrage bitter: Auch politisch trauen ihnen immer weniger Menschen die Lösung von Problemen zu. Carsten Sielings SPD ist auf besorgniserregende 24 Prozent abgerutscht – bei den Wahlen 2011 waren es 38,6 Prozent und 2015 immerhin noch 32,8 Prozent. Noch finsterer sieht es in Berlin aus: Müllers Genossen sind in den letzten Umfragen auf klägliche 16 Prozent abgeschmiert. Doch für Sieling geht es schon in Kürze ums politische Überleben: Im Mai wird in Bremen gewählt. Müller hat noch eine Galgenfrist bis 2021 – bis dahin kann der Höhenflug seiner grünen und roten Koalitionspartner vorbei sein.

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