Von Rappern, Kickern und schwindsüchtigen Sozis: Bloß schnell raus aus diesem 2018…

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Ein Jahr mit Kollegah und Konsorten

Ein großartiges Jahr mit Pleiten, Pech und Pannen geht zu Ende – 2018 brachte die dritte ungeliebte Große Koalition, den Rausschmiss bei der Fußball WM und den ECHO für einen ekelhaften Auschwitz-Rap. Aber 2018 war auch das Jahr des Abmahnkönigs Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe und des gnadenlosen Abschmierens der SPD. Zeit für einen Blick zurück – und dann schnell weg aus diesem Jahr…

Aufsteiger des Jahres: Jürgen Resch

Selten ist es einer Organisation gelungen, die Politik so vor sich herzutreiben. Dabei offenbart das Abmahnungsmonopoly der DUH vor allen Dingen ein Dilemma: Der Staat ist machtlos gegen kleine aggressive Gruppen, die unter dem Deckmantel des Allgemeinwohls auftreten um persönliche Interessen durchzusetzen – und die von Journalisten unterstützt werden, die kaum noch hinterfragen. So schlug die große Stunde von Jürgen Resch, dem heute ungekrönten Königs der Abmahnvereine. Er droht seit dem Dieselskandal mit der Lähmung einer ganzen Volkswirtschaft – und pikanterweise zu Recht: Die Politiker, die sich über ihn echauffieren sind auch diejenigen, die überhaupt erst fahrlässig die Rechtsgrundlagen geschaffen haben, auf denen Resch sein Abmahnimperium aufbauen konnte.

Absteiger des Jahres: Die Sozialdemokraten

Endlich hatte man nach quälenden Diskussionen den Weg zu Koalitionsgesprächen geöffnet, da stürzte ein politischer Knabe namens Kevin Kühnert die Partei Willy Brandts in Turbulenzen. Die Überheblichkeit der linken Funktionäre hat die SPD zerrüttet und einsam gemacht. Zu lange sah man auf alle anderen von oben herab: Die Liberalen wurden zu geldgierigen Handlangern des Kapitals erklärt, die Grünen zu besserverdienenden bürgerlichen Ökofreaks, die Union zu reaktionären, fremdenfeindlichen Bazis. Selbst mit der Linkspartei gibt es keinen Frieden, ist sie doch wie einst die USPD Fleisch vom eigenen Fleische. Prompt dümpelt man Ende 2018 bei 15 Prozent und merkt: Auch eine 150 Jahre alte Partei hat keinen Anspruch auf ewiges politisches Leben. Aber einen Trost gibt es: Noch immer lebt sogar das Zentrum, die älteste deutsche Partei. Einst stellte sie Reichskanzler, heute hat sie einige Mandate in einer Handvoll Gemeindeparlamente. Gemeinsam mit der SPD könnte man eine Selbsthilfegruppe alter Parteien gründen.

Neurotiker des Jahres: Deutschlands Publizisten

Das Trommelfeuer der dauernden Betroffenheit bestimmt die öffentliche Diskussion. Die Neurotiker heißen Roland Tichy, Jakob Augstein, Julian Reichel, Margarete Stokowski oder Henryk Broder. Längst betreiben sie Publizistik und Kommunikation mit Mitteln, die einst von der Generation Rudolf Augstein und Hajo Friedrichs geächtet worden waren. Dazu gehört nicht nur eine permanente persönliche Inszenierung, sondern auch der maßlose Anspruch, moralisch immer auf der Seite der Anständigen zu stehen. Es gibt nur noch schwarz oder weiß, der Diskurs ist beendet. Sie sind das, was Marketingexperten einen „Brand“, eine Marke, nennen. Sie verdienen mit offensiver Betroffenheit ihr Geld. Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen bietet nur zu gern die Bühne für diese Selbstinszenierung. Gern sitzen prominente Journalisten als „Experten“ in Talkrunden, warnen, drohen, lästern, orakeln. Ein glänzendes Geschäft auf Kosten der Gebührenzahler.

Beste Marketing des Jahres: Die Grünen

Für die konservativen Wähler hat Winfried Kretschmann den Vertrieb samt Verteidigung der Dieseltechnologie übernommen, für die alternden Linken geht Claudia Roth selbst durch die Hölle einer 68er Show mit Gottschalk. Die Freaks können auf Anton Hofreiter, die Conchita Wurst der Öko-Bewegung bauen – und die Generation Y wird von Annalena Baerbock bedient. Mit ihrem herben Charme degradiert sie gleichalte Politiker wie den JU-Vorsitzenden Paul Zimiak zu grauen Mäusen. Die Vollendung grüner Marketingkunst aber ist Robert Habeck, der Denker und Schöngeist. Mal klingt er wie Christian Lindner, mal wie Richard David Precht oder Rudi Dutschke und selbst die weltmännische Tonalität des Freiherrn zu Guttenberg beherrscht er. Habeck ist Lindner reloaded aber ohne dessen Duktus der Besserwisserei. Diese hohe grüne Kunst, mit jedem in die Regierungskiste zu steigen aber stets die oppositionelle Jungfräulichkeit zu bewahren, ist nur noch dem Dogma der unbefleckten Empfängnis ebenbürtig.

Geschmacklosigkeit des Jahres: ECHO für Kollegah

Zwar war es nicht die Reichsmusikkammer, die den Preis überreichte, aber immerhin: Endlich ist Auschwitz Schnee von gestern. Ach, wenn der Führer doch diesen Felix Blume alias Kollegah noch erlebt hätte: Am Tag, als in Israel der Opfer des Holocaust gedacht wurde, bekam ein Rapper den ECHO – unter anderem für so famose Zeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“ Schließlich ist es historisch gesehen eine köstliche Pointe, sich einen durchtrainierten deutschen Rapper neben den ausgemergelten jüdischen Arbeitssklaven eines Konzentrationslagers vorzustellen. Das wird man ja wohl noch mal rappen dürfen, dachte sich die Jury des ECHO und warf alle Moral über Bord.  „Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Browning“, ätzte einst Joseph Goebbels – bei den Juroren folgte man offensichtlich dieser Empfehlung des Nazi-Propagandisten. Wer das widerlich findet, der ist ein Spießer, versteht nichts von ironischer Brechung und erst recht nichts von Rap, geschweige denn von der Freiheit der Kunst.

Irrlicht des Jahres: Horst Seehofer

Als die Jusos Martin Schulz zum Gottkanzler ausriefen, dachte man, der Gipfel der politischen Selbstüberschätzung sei erreicht. Doch niemand hatte in diesem Moment Horst Seehofer auf dem Zettel. Die inhaltlichen Geisterfahrten des CSU-Chefs machen deutlich, wie stark die Sehnsucht nach Anerkennung und Respekt in vielen Politikerseelen wuchert. Es ist dieser menschliche Makel, der Seehofer zu Fall gebracht hat. Schon lange versuchte ihn ein Teil der CSU auf Abstand zu halten, doch die von Seehofers Hand geschaffenen Paladine Andreas Scheuer und Alexander Dobrindt gossen lange in seinem Auftrag immer wieder Öl ins Koalitionsfeuer. Tief müssen die seelischen Verwundungen sein, die er einst privat oder politisch davon tragen musste. Seehofer rief 2018 zwei widerstreitende Gefühle hervor: Man möchte ihn abwechselend tröstend in den Arm nehmen oder ohrfeigen.

Volkspartei des Jahres: (Noch) die CDU

Wer in der Union nach Friedrich Merz rief, machte denselben Fehler, den das Konklave einst mit der Kür Joseph Ratzingers machte: Einen brillanten konservativen Theoretiker an die Spitze berufen, der in der Praxis scheitern muss. Merz ist solange ein Gewinn für die Union, wie er intellektueller Motor bleibt. Wenn sich die CDU jetzt nicht in personellen Erbstreitigkeiten um Merkels Hinterlassenschaft verzettelt, kann die Union endlich den Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund aufnehmen und eine Vision der Zukunft erarbeiten – und sich damit vielleicht als große Volkspartei retten. Das setzt allerdings voraus, dass auch die Merz-Jünger kapieren, dass die CDU nicht das ist, was einst die Jusos behaupteten: Club der Unternehmer.

Peinlichkeit des Jahres: Das Aus für Jogis Rumpelfüßler

Von wegen Weltmeister: Selten hat sich ein Team so blamiert. Der in Reinhard Grindel so wunderbar Fleisch gewordene heilige Geist des DFB verkündete noch aus der ganzen Fülle seines Leibes vor dem Spiel gegen Süd-Korea: „Wir werden wieder erleben, dass sich Fans von Schalke 04 und Borussia Dortmund in den Armen liegen, weil ein Spieler von Bayern München ein Tor geschossen hat.“ Doch im Sommer 2018 war nix mehr mit dem Motto des FC Bayern. „Mia san mia“ wurde zur unendlichen Blamage einer Elf, die anscheinend viel Muße hat, sich in Tatoo-Studios, beim Friseur und bei türkischen Präsidenten herum zu drücken, aber offensichtlich zu wenig Zeit auf dem Trainingsplatz verbrachte.

Doch nach dem Spiel ist bekanntlich ja auch vor dem Spiel, also auf ein Neues…

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

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