Wenn rechte Liberale und linke Verteilungsfreaks nach Merz rufen, sollten in der CDU alle Alarmglocken läuten

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Von Adenauer lernen, heißt siegen lernen

Ein reicher und kluger Mann wirft über Nacht alles hin, um seinen alten Verein aus dem Dreck zu ziehen. Solche Geschichten der Selbstaufopferung kennen wir sonst höchstens von Uli Hoeneß oder Martin Schulz. Und damit ist eigentlich schon alles über den Mann gesagt, der jetzt die CDU sanieren will und mit ihr zurück in die Zukunft möchte. Wie moderner Konservatismus wirklich geht, kann man heute noch bei Konrad Adenauer und Helmut Kohl lernen.

„Wenn die Reklamefritzen dat meinen, dann machen wa dat so!“, brummte Konrad Adenauer, als ihm der Slogan „Keine Experimente“ vorgeschlagen wurde. Und prompt fuhr die CDU bei der Bundestagswahl 1957 damit den größten Sieg aller Zeiten ein: Über 50 Prozent votierten für die Union. Allerdings hatte es ihr die SPD leicht gemacht: Die Sozialdemokraten hatten versucht, die CDU rechts zu überholen. Sie forderten den Austritt der BRD aus der NATO und den Austritt der DDR aus dem Warschauer Pakt um die Wiedervereinigung zu erzwingen. Ein Schuss, der nach hinten losging. Die Westdeutschen wollten nicht zurück in die Weimarer Republik. Adenauer präsentierte ihnen statt fragiler Neutralität zwischen den Blöcken die stabile Westbindung mit wirtschaftlichem Aufschwung ohne auf ein bisschen Wiedervereinigungsrhetorik zu verzichten.

Die kluge Doppelstrategie Adenauers

Als aufgeklärter Konservativer wusste er, welche Neuerungen zukunftsweisend sind – und welche nicht. Die Wiedervereinigung, für die sich ein aufrechter Mann wie der SPD-Chef Kurt Schumacher aufopferte, war nicht Adenauers Ding. Ihm war klar, dass damit das Machtgefüge innerhalb Europas ins Wanken geraten und die Westdeutschen nur verlieren würden. Ausgerechnet der zu Beginn seiner Kanzlerschaft schon 73 Jahre alte CDU-Chef bewies Gespür für die Zukunft: Man konnte nicht mehr hinter die Linien des Jahres 1945 zurück. Und dennoch wurden die Vertriebenen in die Union, nicht in die SPD eingebettet: Mit der Maximalforderung, ein geeintes Deutschland könne nur zur westlichen Wertegemeinschaft gehören. Bis heute ist diese Doppelstrategie Adenauers unübertroffen.

Im richtigen Moment auch mal die Füße still halten

Unter diesem Aspekt der Doppelstrategie hat die CDU große Erfolge errungen. Ihr bis heute größter Triumph war die Wiedervereinigung unter dem einst als „Birne“ von den Linken geschmähten Helmut Kohl, dem Mann „der niemals Kanzler werden wird“, wie Franz-Josef Strauß einst in grandioser Fehleinschätzung prophezeit hatte. Auch Kohl war ein Kanzler, der wie Adenauer immer die Balance zwischen Realpolitik und modernem Konservatismus hielt. Ein Zauderer, ein Aussitzer, ein dünnhäutiger Elefant, moserte in der CDU der rechte Flügel. Und akzeptierte doch zähneknirschend, dass genau dieses Talent, im richtigen Moment die Füße lange still zu halten und im anderen unerwartet zuzupacken, das Wesen großer Gestalter wie Adenauer und Kohl ausmachte.

„Kohls Mädchen“ hat der CDU viel gegeben

In diesem Sinne ist Angela Merkel stets die legitime Erbin der beiden Überväter der Union gewesen. Sie ist in ihrer Strategie tatsächlich „Kohls Mädchen“, wie immer wieder ihre rechten und linken Kritiker voller Häme unken. Doch genau diese Fähigkeiten haben der Union viele erfolgreiche Jahre geschenkt und die SPD immer weiter schrumpfen lassen. Es war die Doppelstrategie aus konservativen Werten und dem Willen zu kontinuierlicher gesellschaftlicher Veränderung, die für die Sozialdemokraten und ihre uralte Gebetsmühle der Verteilungsökonomie zur gefährlichen Konkurrenz wurde. Angela Merkel hat stets begriffen, dass Politik und Ökonomie Geschwister sind. Nur wer ein attraktives Angebot macht, gewinnt Wahlen. Und noch eine wertvolle Eigenschaft teilt sie mit Adenauer und Kohl: Politik war für sie nie der Boden für persönlichen wirtschaftlichen Erfolg.

Merz ist unverzichtbar, nur nicht an der Spitze der Partei

Wer jetzt in der Union nach Friedrich Merz ruft, macht denselben Fehler, den das Konklave einst mit der Kür Joseph Ratzingers machte: Einen brillanten konservativen Theoretiker an die Spitze berufen, der in der Praxis scheitern muss. Merz ist solange ein Gewinn für die Union, wie er intellektueller Motor bleibt. Er ist der rechte Geißler, der Denker, der Provokateur. Er ist überall unverzichtbar, nur nicht an der Spitze der Partei. Wenn rechte Wirtschaftsliberale in der FDP und linke Verteilungsfreaks in der SPD jetzt laut nach Merz rufen, sollten in der Union alle Alarmglocken läuten: Das sind diejenigen, die mit einer modernen konservativen und starken Volkspartei CDU gar nichts am Hut haben.

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